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Kiel setzte sich im letztjährigen Champions League Finale mit 36:34 gegen Barca durch © getty

Nach dem Königsklassen-Aus und quasi verspielter Meisterschaft bleibt den erfolgsverwöhnten Kielern nur noch eine Titel-Chance.

Kiel - Den erfolgsverwöhnten Titelsammlern des deutschen Rekordmeisters THW Kiel droht eine Saison zum Vergessen.

In der Meisterschaft hinken die Kieler dem Nordrivalen HSV Hamburg aussichtslos hinterher.

Im Viertelfinale der Champions League bekam der Titelverteidiger vom FC Barcelona deutlich seine Grenzen aufgezeigt. (STENOGRAMME: Viertelfinale)

Lediglich im Pokalwettbeweb kann der Branchenprimus seiner beeindruckenden Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre ein weiteres Kapitel hinzufügen.

"Es lag an Kleinigkeiten"

Als THW-Trainer Alfred Gislason nach der 33:36-Heimniederlage im Viertelfinal-Rückspiel gegen Barcelona noch mit den dänischen Schiedsrichtern haderte (Spielbericht), fand Welthandballer Filip Jicha klare Worte.

"Zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Titel und keinem Titel liegen Kleinigkeiten. Diese Kleinigkeiten haben wir in dieser Saison etwas vernachlässigt", sagte der tschechische Rückraumstar.

Und er ergänzte: "Jeder musste wissen, dass so eine Saison mal kommt."

Gislason macht den Mourinho

Gislason schimpfte auf die Schiedsrichter:

"Ich will nicht den Mourinho machen. Ich äußere mich selten über Schiedsrichter, aber die heute waren nicht unparteiisch," so der Isländer.

"Das erste Mal, dass ich das gedacht habe, war, als sich die Löwen für das Final Four qualifiziert haben", ergänzte Gislason.

Die EHF habe als Veranstalter wohl kein Interesse daran gehabt, dass sich nach dem HSV und den Rhein Neckar Löwen mit dem THW auch noch eine dritte Mannschaft aus Deutschland für das Final Four qualifiziere.

Unterstützung durch Spieler

Auch Christian Zeitz war unzufrieden mit der Leistung der Schiedsrichter :"Die Schiedsrichter haben uns schon in Barcelona nicht gut behandelt, leider war das heute auch der Fall."

Absichtliche Manipulation wollte Zeitz den dänischen Schiedsrichtern aber nicht unterstellen: "Vielleicht war bei Alfred Gislason auch der Frust dabei."

Neue Saisonziele

Die letzte Spielzeit ohne Titel liegt acht Jahre zurück.

Vor fünf Jahren gab es die letzte Saison, in der "nur" die Meisterschaft als einzige Trophäe an die Förde geholt wurde.

Den Pokalsieg und die direkte Qualifikation für die Champions League hat der THW nun als neue Ziele ausgegeben.

Zuletzt vor fünf Jahren so schlecht

Man habe noch zwei Chancen, die wolle man nutzen, sagte Jicha.

Der Shooter weiter: "Unsere Saison in der Champions League ist gelaufen. Das ist sehr bitter. Nächstes Jahr wollen wir wieder angreifen."

Zuletzt hatte Kiel die Vorschlussrunde in der Königsklasse in der Saison 2005/2006 verpasst. (DATENCENTER: Champions League)

Großes Verletzungspech

Auch wenn Kiel mit rund 9,5 Millionen Euro mit einem Rekordetat in die Saison gegangen ist, mangelte es an der notwendigen Konstanz.

Besonders aufgrund der langen Verletztenliste musste Gislason immer wieder improvisieren.

In dem französischen Olympiasieger Daniel Narcisse, den Schweden Kim Andersson und Marcus Ahlm, Nationalspieler Christian Sprenger und Ex-Weltmeister Christian Zeitz fielen Leistungsträger immer wieder über Wochen und Monate aus.

Abwehrschwäche als Problem

Auch wenn gegen Barcelona fast alle Topstars wieder mit an Bord waren, mangelte es der Mannschaft an der notwendigen Homogenität.

Besonders in der Abwehr offenbarten die Kieler in den entscheidenden Spielen immer wieder große Schwächen.

Zudem ließ die Chancenverwertung im Angriff zu wünschen übrig. "Wir waren im Kopf nicht schnell genug", meinte Kreisläufer Ahlm.

Dennoch Favorit beim Final Four

Beim Final Four um den deutschen Pokal am kommenden Wochenende in Hamburg will der THW seiner Favoritenrolle allerdings wieder gerecht werden.

Im Halbfinale am Samstag ist EHF-Cup-Finalist Frisch Auf Göppingen der Gegner.

Dann wird der französische Welt- und Europameister Jerome Fernandez schon nicht mehr dabei sein.

Fernandez ist weg

Der französische Klub Toulouse Handball teilte auf seiner Internetseite mit, dass Fernandez schon in dieser Woche verpflichtet werde und dabei helfen solle, den Abstieg zu verhindern.

Ab dem Sommer besitzt der 34-jährige Fernandez bei Toulouse einen Vierjahresvertrag. Der THW bestätigte am Montag-Nachmittag die sofortige Freigabe für Fernandez.

Geschäftsführer Uli Derad sagte: "Jerome hat sich uns unkompliziert zur Verfügung gestellt und ist von Ciudad Real zu uns gewechselt, als wir mit mehreren Langzeitverletzten in höchste Personalnot geraten waren", erklärte Derad und weiter:

"Wenn dann solch ein Spieler den Wunsch hat, aus ganz persönlichen Gründen in seine Heimat zurückzukehren, und alle Spieler wieder an Bord sind, kann man kaum Nein sagen. Das gebührt der Respekt vor ihm, auch wenn es uns schwer fällt."

Kiel hatte den Olympiasieger erst im September 2010 verpflichtet und damit auf seine Verletzungsmisere reagiert.

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