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Talant Duschebajew wurde 1994 und 1996 zum Welthandballer des Jahres gewählt © getty

Ciudad Reals Coach Talant Duschebajew lobt im SPORT1-Interview den Deutschen Meister und blickt aufs Halbfinale von Köln.

Von Julian Meißner

München - Seit Jahren ist der Name Talant Duschebajew untrennbar mit Ciudad Real verbunden.

2001 kam der gebürtige Kirgise als Spieler in die spanische Region La Mancha, seit 2005 sitzt er auf der Trainerbank. Dreimal (2006,2008, 2009) gewann der Klub unter der Führung des zweimaligen Welthandballers die Champions League. (Machen Sie es wie SPORT1 und Pascal Hens: Unterstützen Sie München 2018)

Im vergangenen Jahr war im Halbfinale des EHF Final Four Schluss, als man gegen den späteren Sieger THW Kiel den Kürzeren zog.

In der Vorschlussrunde des diesjährigen Finalwochenendes trifft sein Team erneut auf den Deutschen Meister - diesmal auf den HSV Hamburg, eine Mannschaft, vor der er "100 Prozent Respekt" hat, wie Duschebajew im Gespräch mit SPORT1 erklärt (DATENCENTER: Champions League).

Im Interview spricht der 42-Jährige über die Ausgangslage für das Turnier in Köln, den Heimvorteil der Deutschen und die verlorene Meisterschaft in Spanien.

SPORT1: Herr Duschebajew, im letzten Jahr haben Sie das Halbfinale gegen Kiel verloren, vor einer Woche besiegten die Kieler Ihr Team beim Super Globe (Bericht). Sind Sie froh, dass der THW in diesem Jahr nicht in Köln dabei ist?

Talant Duschebajew: Das würde ich nicht sagen. Ich muss vor allen Gegnern Respekt haben. Die vier Mannschaften, die sich qualifiziert haben, haben alles gegeben. Das heißt, sie haben sich über ihre Leistung für das Halbfinale in Köln qualifiziert. Schade ist es natürlich schon, dass wir das Spiel 2010 verloren haben, das stimmt. Aber es sind zwei große Mannschaften, und wir haben auf einem guten Niveau gespielt.

SPORT1: Im letzten Jahr sahen Sie lange wie der sichere Sieger aus und haben am Ende doch verloren. Denken Sie noch oft daran?

Duschebajew: Nein. Seitdem waren so viele Spiele und Turniere. Man kann aus dieser Niederlage aber auch etwas lernen, und das muss man auch. Ich bin sicher, dass es in diesem Jahr anders wird. Ich kann zwar nicht sagen, ob wir das Halbfinale gewinnen oder verlieren. Aber es ist sehr positiv, dass wir wieder dabei sind. Das Wichtigste wird sein, dass wir bis zum Schluss kämpfen.

SPORT1: Ihr Gegner Hamburg ist gerade souverän Deutscher Meister geworden. Haben Sie die Entscheidung verfolgt?

Duschebajew: Ja, natürlich. Hamburg hat die ganze Saison ganz stark gespielt und wie ich finde auch zu Recht gewonnen. Dafür haben sie Lob verdient. Jeder weiß, dass die Bundesliga die stärkste Liga der Welt ist. Und deswegen haben wir 100 Prozent Respekt, wenn wir im Halbfinale auf diese Mannschaft treffen.

SPORT1: Ist der HSV also die stärkste Mannschaft der Welt?

Duschebajew: Ja, wahrscheinlich schon. Zusammen mit dem FC Barcelona, der gerade spanischer Meister geworden ist. Aber das heißt nicht, dass wir in diesem Turnier keine Chance haben. Es ist ein ganz anderer Wettbewerb. Wer in diesen 24 Stunden am besten spielt, wird Champions-League-Sieger. Alle vier Teams haben die gleiche Chance. Und wir wollen diesen Titel.

SPORT1: Der HSV hat natürlich eine Menge Selbstbewusstsein getankt. Haben Sie keine Bedenken?

Duschebajew: Doch, natürlich. Das Selbstvertrauen kommt mit guten Spielen und guten Ergebnissen. Die Meisterschaft hat ihnen wahrscheinlich noch mehr Selbstvertrauen gegeben. Ich bin mir aber sicher, dass keine der vier Mannschaften mit wenig Selbstbewusstsein anreist.

SPORT1: Gibt es Spieler beim HSV, auf die Sie besonders achten?

Duschebajew: Ja, klar, aber ich möchte keine Einzelnen nennen. Große Mannschaften wie Hamburg, Barcelona oder Kiel haben die besten Spieler der Welt, die jeder Trainer haben will. Und sicher haben alle 14 Spieler meiner Mannschaft auch großen Respekt vor den HSV-Spielern. Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft.

SPORT1: Wer wäre Ihnen im Finale lieber? Die Rhein-Neckar Löwen oder Ihr großer Rivale, der spanische Meister Barcelona?

Duschebajew: So weit denke ich noch nicht. Denn ich glaube, die Rhein-Neckar Löwen haben auch ihre Chancen. Obwohl jeder zum heutigen Zeitpunkt meint, dass Finale bestreiten der HSV und der FC Barcelona. Meine Spieler haben alles gegeben, um nach Köln zu kommen. Und deswegen glaube ich, sollte der erste Gedanke sein: Schaffen wir es gegen Hamburg zu gewinnen oder nicht?

SPORT1: Sehen Sie es großen als Nachteil an, dass Sie im Ausland antreten?

Duschebajew: Ja natürlich, das ist ein ganz großer Vorteil für die deutschen Mannschaften. Das wäre das Gleiche, wenn sie in Madrid spielen müssten, zum Beispiel, vor unserer Kulisse. Das ist schon ein Vorteil. Aber das wurde so entschieden, und das müssen wir so akzeptieren. Ich bin nicht einverstanden damit, aber was soll ich machen?

SPORT1: Wird es dabei bleiben oder wird man in den nächsten Jahren das Final Four vielleicht auch mal in Spanien ausspielen?

Duschebajew: Das weiß ich nicht. Dazu kann ich auch nur sagen: Es wurde so entschieden und wir müssen weiter kämpfen. Denn es ist natürlich ein Vorteil für die Rhein-Neckar Löwen und den HSV.

SPORT1:Die Meisterschaft in Spanien wurde vorzeitig entschieden, die Konzentration dürfte bei Ihnen schon länger auf der Champions League liegen. In welcher Verfassung ist Ihr Team?

Duschebajew: Wir haben in den letzten Wochen ein paar kleine Probleme mit Verletzungen gehabt. Aber es wird besser in den nächsten Tagen. Mit ein bisschen Glück kann ich mit allen Spielern in Köln rechnen. Und deswegen bin ich auch ganz ruhig und bereit.

SPORT1: Nach vier Meisterschaften in Folge hat es in diesem Jahr nicht geklappt, Barcelona ist souverän Meister geworden. Machtwechsel oder Ausrutscher?

Duschebajew: Jeder weiß, es kostet viel Kraft, eine Meisterschaft zu holen. Das ist ganz normal, irgendwann muss es passieren, dass mal ein anderer gewinnt. In Deutschland ist es das Gleiche gewesen. Ich glaube auch, dass Kiel nächstes Jahr wieder voll angreifen wird, so wie wir auch. Wir haben ein paar Fehler gemacht, und ich hoffe, dass wir für die Zukunft unsere Lehren daraus ziehen.

SPORT1: Wenn es mit dem Gewinn der Champions League nicht klappen sollte, reicht es in dieser Spielzeit mit dem Pokal "nur" zu einem Titel. Wie würde ihr Fazit ausfallen?

Duschebajew: Dazu will ich noch nichts sagen, erst nach dem letzten Saisonspiel. Erst nach dem 29. Mai kann ich sagen, ob das ein Superjahr war oder eben nicht so gut.

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