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Martin Schwalb wurde 2006 und 2010 zum Trainer des Jahres gewählt © getty

Meistertrainer Martin Schwalb spricht im SPORT1-Interview über den Showdown in der Champions League und seine Zukunft beim HSV.

Von Annette Bachert

München - Der HSV Hamburg hat es geschafft, sich im neunten Anlauf die Meisterschaft gesichert - und steht jetzt schon wieder vor der nächsten Mammutaufgabe.

Großen Anteil am lang ersehnten Triumph in der Liga hat Trainer Martin Schwalb. "Das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl", sagte der 48-Jährige direkt nach dem Sieg gegen den VfL Gummersbach (Bericht), mit dem sich die Hansestädter den Titel vorzeitig sicherten. (Machen Sie es wie SPORT1 und Pascal Hens: Unterstützen Sie München 2018)

Danach verbrachte der ganze HSV-Tross ein paar Tage auf Mallorca, um auf der Finca von Präsident und Mäzen Andreas Rudolph zu feiern und neue Kräfte zu tanken.

Wenige Tage nach der verdienten Sause sind Schwalb und sein Team nun schon wieder hoch konzentriert - auf das Champions-League-Final-Four (Sa., ab 15.15 Uhr LIVESCORES)

In Köln greifen der gebürtige Stuttgarter und sein Team nach dem ersten Gewinn der "Königsklasse" in der Historie des HSV, im Halbfinale wartet mit Ciudad Real allerdings ein harter Brocken.

Im SPORT1-Interview spricht Schwalb über die Meisterschaft, das bevorstehende Turnier und seine Zukunft beim HSV.

SPORT1: Herr Schwalb, Herzlichen Glückwunsch noch einmal zur Meisterschaft. Wie war der Aufenthalt auf Mallorca?

Martin Schwalb: Schön, es hat Spaß gemacht. Wir haben viel zusammen gesessen, uns gefreut und es genossen, einfach mal ein paar Tage abzuschalten.

SPORT1: Wurde auch trainiert?

Schwalb: Die Jungs haben sich schon fit gehalten. Sie waren viel schwimmen, aber richtig trainiert wurde nicht.

SPORT1: Können Sie schon ein Saisonfazit bis zum jetzigen Zeitpunkt ziehen?

Schwalb: Wir haben die gesamte Saison sehr konzentriert gespielt. Man kann auch nur Deutscher Meister werden, wenn man diese Konzentration und Konstanz beweist. Es war nicht einfach mit der Weltmeisterschaft zwischendrin, dem Pokal und der Champions League. Das ist wirklich eine Vielzahl von Aufgaben, und ich denke, die Jungs haben es geschafft, sich trotzdem auf die Meisterschaft zu fokussieren. Deshalb freuen wir uns auch so. Weil so viel Engagement dahinter steckt.

[kaltura id="0_bgkf2ndp" class="full_size" title="Die Stimmen zum Titelgewinn"]

SPORT1: Mit dem Final Four der Champions League hat der HSV noch eine weitere Chance auf einen Titel. Wie laufen die Vorbereitungen?

Schwalb: Wir trainieren seit einigen Tagen sehr intensiv und versuchen, uns konzentriert darauf vorzubereiten und uns auf Ciudad einzustellen. Wobei das nicht ganz so einfach ist. Sie verfügen über eine sehr starke Abwehr, und wir müssen sehr aufmerksamen Handball spielen, um eine Chance zu haben.

SPORT1: In den vergangenen drei Jahren war gegen Ciudad immer Endstation für den HSV. Warum kann es dieses Jahr anders laufen?

Schwalb: Wir haben in den letzten Jahren zu Hause immer sehr gut gespielt, in Spanien eher weniger. Aber insgesamt waren es doch immer sehr enge Spiele, in der Addition war es manchmal nur ein Törchen. Gerade im ersten Jahr sind wir doch mit sehr viel Pech ausgeschieden. Also wir haben sicherlich eine Chance. Aber keine Frage, wir haben Respekt vor Ciudad. Wir wissen, dass der Verein mit Kiel den Welthandball in den letzten Jahren dominiert hat. Das ist schon eine ganz große Hausnummer.

SPORT1: Was könnte der Schlüssel zum Sieg werden?

Schwalb: Wenn wir an diesem Samstag auch individuell über uns hinauswachsen. Dazu braucht man eine starke Abwehr, einen starken Torhüter und auch im Angriff Leute mit viel Selbstvertrauen, die die richtigen Lösungen finden. Sonst hast du da keine Chance. Aber das gilt, glaube ich, für alle vier Mannschaften. Wenn man den Champions-League-Pokal holen will, braucht man an diesem Wochenende eine absolute Topform.

SPORT1: Präsident Andreas Rudolph sagte nach der Auslosung: "Ich bin froh, dass wir gegen Ciudad spielen. Da haben wir noch eine Rechnung offen." Sehen Sie das ähnlich?

Schwalb: Ja klar, natürlich würden wir sie gerne schlagen. Aber Revanchegelüste verspüre ich nicht. Und ich glaube auch nicht, dass Andreas Rudolph an Revanchegelüste denkt, sondern, dass es einfach schön wäre, wenn wir sie packen würden. Das wäre ein toller Erfolg.

SPORT1: Denken Sie schon ans das Finale?

Schwalb: Nein, wir konzentrieren uns komplett auf Ciudad Real. Und dann haben wir noch 24 Stunden Zeit, um uns im Falle eines Falles auf das Finale zu konzentrieren. Es geht nur um Ciudad Real. Wir müssen erst einmal ins Finale kommen.

SPORT1: Wer wäre Ihnen denn dort lieber? Die Rhein-Neckar Löwen oder der FC Barcelona?

Schwalb: Ich glaube auch, dass dieses Spiel ein ganz enges Ding wird, und ich werde das ganz genau beobachten. Das sind zwei tolle Mannschaften. Die Löwen haben in der Gruppenphase schon gegen Barcelona gespielt und zwei tolle Ergebnisse erzielt, sogar in Barcelona gewonnen. Ich glaube, dass die Löwen mit Selbstvertrauen an die Sache ran gehen. Aber ich glaube auch, dass Barcelona sich im letzten halben Jahr noch entwickelt hat. Und mit dem Spiel gegen Kiel haben sie auch viel Selbstvertrauen getankt.

SPORT1: Aus Spanien kommen immer wieder die Vorwürfe, dass die deutschen Mannschaften einen Vorteil haben, weil das Turnier in Köln ausgetragen wird. Was entgegnen Sie dem?

Schwalb: Ich hätte auch kein Problem, wenn das Turnier in Spanien ausgetragen werden würde. Das ist mir relativ egal. Außerdem hat jede Mannschaft ein Kontingent an Karten, und ob ich nun aus Hamburg nach Köln oder aus Spanien nach Köln fliege, ist mit dem Flugzeug kaum ein Unterschied. Also vielleicht bringen die Spanier auch ein paar Fans mit. Ich bestehe nicht darauf, dass das Turnier in Deutschland ist, wobei ich glaube, dass Köln für die Handball-Fans eine ganz ganz tolle Bühne ist.

SPORT1: Sie geben zum Saisonende ihren Trainerposten ab und wechseln in die Geschäftsführung. Wieviel Wehmut ist bei diesem Wechsel dabei?

Schwalb: Da ist keine Wehmut dabei. Das hat damit gar nichts zu tun. Ich bin kein wehmütiger Mensch. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und darauf, beim HSV in einer etwas anderen Position weiter mitarbeiten zu können. Und ich freue mich darauf, mit Per Carlen als neuem Trainer viele Erfolge zu feiern und zusammen eine schöne Zeit zu erleben.

SPORT1: Inwieweit werden Sie den Kontakt zu den Spielern aufrecht erhalten?

Schwalb: Ich werde natürlich weiterhin für die Spieler da sein, wenn auch in einer anderen Position als bisher. Der erste Ansprechpartner wird Per Carlen sein, und das ist auch richtig so. Ich werde in Absprache mit Per mögliche Brandherde löschen und Spieler wieder in die Spur bringen. Ich glaube, wir werden gut zusammenarbeiten. Und ich bin ja täglich in der Geschäftsstelle. Und diese ist direkt bei der Halle. Insofern werden wir uns oft begegnen.

SPORT1: Was sagen Sie zu den Spekulationen, dass Sie Andreas Rudolph als Präsident beerben?

Schwalb: Dazu habe ich gar nichts zu sagen, denn das ist eine Entscheidung des Aufsichtsrats. Ich freue mich aber, dass mir in diesem Verein so viel Vertrauen entgegen gebracht wird und ich auch in Zukunft in handelnder Position dabei sein darf. Aber das ist auch nicht wichtig, weil ich momentan darauf keine Energie verwende. Ich beschäftige mich momentan vollkommen mit der Champions League.

SPORT1: Aber reizen würde sie der Posten schon?

Schwalb: Das weiß ich nicht. Damit habe ich mich noch nicht auseinander gesetzt.

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