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Siarhei Rutenka (am Ball) wechselte 2009 von Ciudad Real zum FC Barcelona © imago

Showdown in der Champions League beim Final Four in Köln: SPORT1 stellt zusammen mit Daniel Stephan die Teams auf den Prüfstand.

Von Julian Meißner

München - Es ist das letzte große Highlight der Saison: In Köln treffen sich ab Samstag die vier besten Teams des Kontinents, um den Sieger der Champions League zu ermitteln.

Meister Hamburg gegen Ciudad Real sowie die Rhein-Neckar Löwen gegen den FC Barcelona (Sa., 15.15 Uhr LIVESCORES) vertreten die deutschen Farben im Ländervergleich mit Spaniens Handball-Elite (DATENCENTER: Champions League).

"Es ist schwer, von einem Favoriten zu sprechen", sagt SPORT1-Experte Daniel Stephan: "Ich verspreche mir spannende Spiele bis zum Schluss und glaube nicht, dass sich ein Team frühzeitig absetzen kann."

Bei der ersten Austragung des Final-Four-Turniers im vergangenen Jahr zeigte der THW Kiel gleich zwei wilde Aufholjagden in Halbfinale und Endspiel und verwandelte mit dem Titelgewinn die Kölner Arena in ein Tollhaus.

Stephans Hoffnung: "Ich hoffe natürlich, dass ein deutsches Team ins Finale kommt - wenn beide ausscheiden, wäre das hinsichtlich der Stimmung nicht so gut."

Mit leichten Vorteilen gehen für ihn die beiden nationalen Champions ins Rennen. "Wenn man die Ligen betrachtet, sind sicherlich Barcelona und Hamburg leicht favorisiert", sagt der Welthandballer von 1998, der aber die zuletzt schwach auftretenden Löwen auf dem Zettel hat.

"Sie haben international in dieser Saison einen hervorragenden Eindruck gemacht und sind auf keinen Fall chancenlos gegen Barcelona", so Stephan.

SPORT1 macht den Teamcheck.

Rhein-Neckar Löwen

Ausgangslage: Die wankelmütige Mannschaft aus Mannheim gibt weiter Rätsel auf. Nach dem Tiefschlag im Pokalhalbfinale gegen Flensburg folgte ein Liga-Pflichtsieg, doch just vor dem letzten Highlight der Saison blamierte man sich mit der höchsten Saisonniederlage beim VfL Gummersbach. "Wir waren im Hinterkopf bei Barcelona", gab Oliver Roggisch hinterher zu. Noch immer wartet das Star-Ensemble, das im Sommer erneut einem Umbruch unterzogen werden wird, auf den ersten Titel. Gelingt der große Wurf ausgerechnet in der Königsklasse? Hier zeigte sich das Team um Champions-League-Topscorer Uwe Gensheimer in dieser Saison zumindest konstant von seiner edlen Seite - wenn sie gegen Barcelona eine Chance haben wollen, muss das auch am Samstag der Fall sein.

Schlüsselspieler: Slawomir Szmal, Uwe Gensheimer, Olafur Stefansson, Karol Bielecki

Der Weg nach Köln: Vorrunde: Zweiter der Gruppe A Achtelfinale: 31:28 und 27:27 gegen Croatia ZagrebViertelfinale: 27:29 und 35:26 gegen Montpellier Agglomeration

Champions-League-Erfolge: Halbfinalist 2009, Viertelfinalist 2010

Das sagt Daniel Stephan:"Man dachte, sie hätten ihre Konstanz gefunden, aber die Mannschaft hat weiter zwei Gesichter, wie man im Pokal und nun in Gummersbach gesehen hat. Manchmal habe ich das Gefühl, der unbedingte Siegeswille, der totale Teamgeist fehlt. Aber sie haben hervorragende Einzelkönner, die international zur Spitzenklasse gehören. Man traut ihnen momentan nicht so viel zu, vielleicht ist das auch ihre Chance. Sie haben in der Champions League ihre besten Leistungen gebracht, und dass lässt hoffen. Die Mannschaft ist wandlungsfähig - im Positiven wie im Negativen. Wichtig ist, dass die Abwehr steht und die Außen zum Gegenstoß kommen."

FC Barcelona

Ausgangslage: Der souveräne spanische Meister hat in 30 Spielen in der Liga Asobal zwei Punkte abgegeben, das sagt eigentlich alles. Die Katalanen von Trainer Xavi Pascual entthronten Ciudad Real, das zuvor vier Titel in Folge gefeiert hatte. Mit zunehmendem Saisonverlauf kam Barca auch in der Königsklasse immer besser in Fahrt. Dank zweier imposanter Vorstellungen im Viertelfinale gegen den THW Kiel buchte man zum zweiten Mal in Folge das Ticket nach Köln. Der Rekordtitelträger ist erneut ein ganz heißer Kandidat auf den Titel.

Schlüsselspieler: Danijel Saric, Siarhei Rutenka, Laszlo Nagy, Raul Entrerrios

Der Weg nach Köln: Vorrunde: Dritter der Gruppe AAchtelfinale: 28:21 und 26:30 gegen MKB Veszprem KCViertelfinale: 27:25 und 36:33 gegen THW Kiel

Champions-League- Erfolge: Sieger 1996, 1997, 1998, 19999, 2000, 2005, Finalist 2001, 2010

Das sagt Daniel Stephan: "Dieser Kader ist in allen Mannschaftsteilen so hochqualitativ besetzt, dass sie fast komplett durchwechseln können - das ist Wahnsinn! Sie sparen mit den vielen Wechseln natürlich auch viel Kraft und sind unberechenbar. Schwächen sind schwierig auszumachen. Barcelona erscheint im Duell mit den Löwen übermächtig, aber es ist eben nur ein Spiel. Und die Löwen haben bewiesen, dass sie Barcelona schlagen können. Die Spanier sind verwundbar, wenn die Löwen an ihre Leistungsgrenze kommen."

HSV Hamburg

Ausgangslage: Der neue Deutsche Meister reist mit breiter Brust an, der souveräne Titelgewinn sollte den Hamburgern zusätzliche Lockerheit verschaffen. Gegen Ciudad Real haben die Hanseaten noch etwas gutzumachen. In den vergangenen drei Jahren scheiterte man an den Spaniern: 2008 und 2009 jeweils im Halbfinale, 2010 verpasste der HSV nach einer Niederlage im Viertelfinale die Teilnahme am Final Four nur knapp.

Schlüsselspieler: Johannes Bitter, Domagoj Duvnjak, Pascal Hens

Der Weg nach Köln: Vorrunde: Dritter der Gruppe BAchtelfinale 28:22 und 35:33 gegen BM ValladolidViertelfinale: 38:24 und 37:37 gegen Tschechowski Medwedi

Champions-League-Erfolge: Halbfinale 2008, 2009

Das sagt Daniel Stephan: "Von allen im Klub ist mit dem Gewinn der Meisterschaft eine Riesenlast abgefallen. Es war an der Zeit. Martin Schwalb hat super Arbeit geleistet und die Mannschaft als Team geformt. Ich rechne mit einem Euphorieschub, sie haben nicht mehr diesen Druck. Es besteht natürlich die Gefahr, zu locker zu sein, wobei ich mir das fast nicht vorstellen kann. Das ist ein verdammt gutes Team mit hoher individueller Stärke. Johannes Bitter ist gut drauf, und mit Torsten Jansen sowie Hans Lindberg haben sie zwei exzellente Gegenstoßspezialisten. Hamburg wird ein Wörtchen mitreden."

Ciudad Real

Ausgangslage: Nach dem vorzeitig verpassten Titelgewinn in der Liga - erstmals nach vier Meisterschaften in Folge - konnte das Star-Ensemble von Talant Duschebajew früh den Fokus auf das Turnier in Köln legen. Allerdings trieben sich die Spanier (wie der THW Kiel) jüngst noch bei der Vereins-WM in Doha herum. Die Erinnerungen an das erste Final Four 2010 sind weniger gut: Trotz deutlicher Führung verlor man im Halbfinale gegen den späteren Sieger THW Kiel.

Schlüsselspieler: Arpad Sterbik, Alberto Entrerrios, Kiril Lazarov, Julen Aguinagalde

Der Weg nach Köln: Vorrunde: Erster der Gruppe DAchtelfinale: 27:24 und 36:19 gegen Chambery Savoie Viertelfinale: 38:24 und 21:22 gegen SG Flensburg-Handewitt

Champions-League- Erfolge: Sieger 2006, 2008, 2009, Finalist 2005, Halbfinalist 2004, 2010

Das sagt Daniel Stephan: "Auch Ciudad ist natürlich top besetzt. Und sie haben mit Talant Duschebajew einen positiv verrückten Trainer, der alles aus dem Team herausholt. Nach dem Verpassen der Meisterschaft sind sie jetzt auf internationalem Parkett gefordert. Vorne ist ihr Kreisläuferspiel zu beachten, hinten decken sie eine sehr unangenehme 5:1 vor dem Weltklassemann Arpad Sterbik. Die Defensive hat den HSV ja auch in der Vergangenheit vor Probleme gestellt. Zudem besteht immer Explosionsgefahr, wenn die beiden Trainer aufeinandertreffen. Es wird für den HSV darauf ankommen, 100 Prozent zu geben, aber gleichzeitig kühlen Kopf zu bewahren."

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