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Uwe Gensheimer war 2007 wertvollster Spieler der Junioren-Weltmeisterschaft © getty

Uwe Gensheimer steht schon vor dem Final Four als Torschützenkönig fest. Bei SPORT1 spricht er über Köln und einen möglichen Wechsel.

Von Julian Meißner

München - Schon vor dem Showdown in der Königsklasse hat Uwe Gensheimer einen Titel sicher.

108 Treffer hat der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen in der laufenden Champions-League-Saison bislang erzielt, damit ist er beim Final Four in Köln von Ciudad Reals Kiril Lazarov (64 Tore) nicht mehr einzuholen.

"Natürlich freut mich das als Bestätigung meiner Leistung", sagt Gensheimer im Gespräch mit SPORT1: "Aber der Titel steht über allem. Dafür würde ich auch gerne auf die Torjägerkrone verzichten. In der Situation, in der wir uns als Verein befinden, wäre es das Größte, ausgerechnet in der Champions League den ersten Titel zu gewinnen. "

Denn noch immer warten die Löwen auf den ersten großen Pokal der Vereinsgeschichte, und es gibt wohl keinen, den das so sehr schmerzt wie Gensheimer.

Dienstältester mit 24 Jahren

Der gebürtige Mannheimer ist seit den Anfangstagen fester Bestandteil des Projektes Rhein-Neckar Löwen und seit dem Abgang Mariusz Jurasiks dienstältester Spieler in der Mannschaft - mit gerade einmal 24 Jahren.

Schon als das Team noch als SG Kronau-Östringen firmierte, spielte er für den Verein, der seine bisher erste und einzige Station im Profihandball ist. Es sei sehr gut gelaufen für ihn, sagt der flinke Flügelspieler über die mittlerweile acht Jahre im gelben Trikot: "Alles ist sehr professionell geworden. Das hat auch meine Entwicklung voran getrieben."

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Mit den Jahren hat sich "Uns Uwe" zum Gesicht des Klubs entwickelt. Der Nationalspieler mit spektakulärem Wurfrepertoire, ein Kind der Region, ist als Identifikationsfigur von unschätzbarem Wert für den Klub, dem aufgrund seiner oft nicht leicht zu durchschauenden Personalpolitik das Image des wankelmütigen Riesen anhaftet.

Pleiten in Pokal und Liga

Titelgewinne haben sie sich in Mannheim vorgenommen, und das seit geraumer Zeit. Doch in steter Regelmäßigkeit scheitert das erstklassig besetzte Team kurz vor dem großen Wurf.

Als man vor dem Finalwochenende im Pokal Anfang Mai gerade meinte, das Team habe seine Sprunghaftigkeit endlich abgelegt, verfielen die Stars von Löwen-Dompteur Gudmundur Gudmundsson in alte Muster und schieden nach einer katastrophalen Vorstellung gegen Flensburg aus.

[kaltura id="0_zmxstxtg" class="full_size" title=" Kein Spieler in Normalform "]

In der Toyota HBL musste man am Dienstag mit der höchsten Liga-Niederlage der Saison beim VfL Gummersbach einen herben Dämpfer im Kampf um die direkte Champions-League-Qualifikation hinnehmen.

Barca vor der Brust

Gensheimer sagt: "Das Gute an unserem Sport ist, dass man eine Niederlage zwar aufarbeiten muss, aber dann nur zwei, drei Tage hat, um sich auf den nächsten Gegner vorzubereiten."

Im Halbfinale von Köln wartet der FC Barcelona, mit sechs Siegen Rekordtitelträger der Champions League (DATENCENTER: Champions League).

Ein gewachsenes Team, gespickt mit Ausnahmekönnern und Favorit in der Begegnung am Samstagnachmittag (15.15 Uhr LIVESCORES).

Gute Erinnerungen

Doch die Erinnerungen des Underdogs an Begegnungen mit den Katalanen sind gut: Im Herbst 2010 gelang den Löwen im ersten Spiel unter Gudmundsson ein sensationeller 31:30-Erfolg im berühmten Palau Blaugrana.

"Wir haben gegen Barcelona noch nicht verloren und sehr gute Leistungen gezeigt, das stimmt uns zuversichtlich", meint Gensheimer, warnt aber: "Das Final Four ist eine ganz neue Situation, bei so einem Turnier kann alles passieren."

2010 vor dem TV

Im zweiten Halbfinale messen sich Meister Hamburg und Spaniens Vize-Champion Ciudad Real. Das Team von Talant Duschebajew war wie Barcelona schon im vergangenen Jahr bei der Premiere des Turniers dabei, beide scheiterten am damals furios aufspielenden THW Kiel.

"Letztes Jahr saß ich vor dem Fernseher, da kam die Stimmung schon famos rüber", erinnert sich Gensheimer voller Vorfreude: "Jetzt selbst auf der Platte zu stehen, ist natürlich ein Riesending."

Umbruch im Sommer

Für die Spieler der Löwen ist das Final Four der letzte große Auftritt in dieser Zusammensetzung, im Sommer steht einmal mehr ein großer Umbruch an.

Wohin die Reise danach geht, ist ungewiss. Gleich eine Handvoll Spieler sollen für AG Kopenhagen, den Klub von Investor Jesper Nielsen, abgezogen werden.

Eine Entwicklung, die auch Gensheimer skeptisch betrachtet. Erst vergangenes Jahr hatte der Shooting Star des deutschen Handballs seinen Vertrag bei den Mannheimern bis 2014 verlängert.

"Würde Wechsel in Betracht ziehen"

"Ich habe letztes Jahr unter der Prämisse verlängert, dass wir mehr Konstanz rein bekommen", stellt er jedoch klar: "Damals war die Kaderplanung so, dass wir einen Stamm haben wollten, der länger zusammen ist. Das ist jetzt leider nicht der Fall und für uns alle keine optimale Situation."

Für Gensheimer wäre es das geringste Problem, einen neuen Arbeitgeber zu finden, bei dem er auf höchstem Niveau spielen kann. Dass ihm das bislang in seiner Heimat möglich war, ließ ihn nicht an Abschied denken.

Doch die Zeiten ändern sich. "Ich will nicht nur nah dran sein an Titeln, sondern auch welche gewinnen", sagt Gensheimer: "Im Moment kann ich mir das hier noch vorstellen, aber wenn es irgendwann mal nicht mehr der Fall sein sollte, würde ich auch einen Wechsel in Betracht ziehen."

Dabeisein ist alles?

Mit dem Saisonhighlight vor Augen sind solche Überlegungen freilich Zukunftsmusik. Man habe gegenwärtig schon viel erreicht, meint Gensheimer, gerade in der Champions League.

"Das Final Four als Event ist etwas ganz Großes für den Verein und die Fans", sagt er: "Aber wir geben uns mit der Teilnahme nicht zufrieden. Wenn man so nah dran ist, will man auch ins Finale."

Vielleicht hält das Gesicht der Löwen ja am Sonntag gleich zwei Trophäen in die Höhe.

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