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Barcas Siarhei Rutenka gewinnt zum fünften Mal die Champions League © getty

Nach dem Champions-League-Sieg spricht Barcas Siarhei Rutenka im SPORT1-Interview über das Finale und die Pfiffe der Fans.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Siarhei Rutenka hat es nicht einfach in deutschen Hallen.

In zahlreichen hitzigen Duellen auf internationaler Ebene, vor allem mit Ciudad Real gegen den THW Kiel, zog sich der 100-Kilo-Koloss über die Jahre hinweg immer wieder den Zorn der Fans zu.

Beim Final Four der Champions League in Köln, das Rutenka mit seinem neuen Klub FC Barcelona dominierte und hochverdient gewann (Bericht), wurde der Ausnahmespieler von der ersten Minute des Halbfinales an mit gellenden Pfiffen bedacht.

Was freilich nichts daran änderte, dass er mit seiner Leistung zum siebten Titelgewinn der Katalanen beitrug. Schließlich ist der Allrounder Unmutsäußerungen von den Rängen gewohnt.

Barca lobt Kölner Publikum

Mit Spannung war erwartet worden, wie sich das vornehmlich deutsche Publikum im rein spanischen Finale verhalten würde, nachdem die nationalen Vertreter Hamburg und Rhein-Neckar Löwen nur Platz drei ausspielten (Bericht).

Doch die Stimmung unter den 19.250 Fans in der gigantischen Arena war durchaus finalwürdig.

Barcas Abwehrchef Magnus Jernemyr lobte im Gespräch mit SPORT1 die "fantastische Atmosphäre" und sprach sich klar für den Standort Köln aus.

"Es wäre dumm, hier wegzugehen", sagte der Schwede: "Deutschland ist das Handball-Land Nummer eins. Es wäre schwierig, dieses Event in Spanien so durchzuführen. Ich bin froh, dass ich das hier erleben konnte."

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Trotz der Pfiffe gegen ihn dürfte Rutenka das ähnlich sehen. Der gebürtige Weißrusse sprang nach dem Sieg ausgelassen wie ein kleines Kind durch die Gänge der Kölner Arena.

Im SPORT1-Interview spricht Rutenka über das Finale, die Rivalität mit Ciudad Real und die Pfiffe der Fans.

SPORT1: Herr Rutenka, Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt es sich an, auf deutschem Boden die Champions League gegen Ihren alten Klub Ciudad Real zu gewinnen?

Siarhei Rutenka: Vielen Dank zunächst einmal. Das bedeutet mir eine Menge, vor allem, weil wir letztes Jahr schon so nah dran waren und den Sieg dann noch verspielt haben. Es war sehr wichtig für uns, das wieder gutzumachen. Dass es gegen Ciudad Real ging, macht den Erfolg natürlich noch emotionaler. 411096(Diashow: Die Bilder des Final Four)

SPORT1: Was macht die Begegnungen gegen Ciudad Real so besonders?

Rutenka: Es ist wie ein Derby. Und mir persönlich macht es natürlich Spaß, gegen die alten Kollegen zu spielen.

SPORT1: Barca hatte zuvor schon die Meisterschaft in Spanien gewonnen. Welche Bedeutung hat dieses Finale im Kampf um die nationale Vorherrschaft?

Rutenka: Es ist natürlich sehr wichtig für uns, die Nummer eins im Land zu sein. Da spielt auch keine Rolle, wie oft man schon gegeneinander gespielt hat. Siege gegen Ciudad Real fühlen sich an wie ein Orgasmus.

SPORT1: Welche Rolle hat die Leistung von Danijel Saric gespielt?

Rutenka: Er hat ein unglaubliches Spiel gemacht. Er war unsere letzte Verteidigungslinie, wie im Krieg. Er hat einen exzellenten Job gemacht und war sicherlich einer unserer besten Spieler heute. Aber das ganze Team hat sehr gut funktioniert: Im Angriff, in der Abwehr und natürlich besonders im Tor. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Einige deutsche Fans scheinen Sie nicht zu mögen. Was sagen Sie zum Publikum?

Rutenka (lacht): Ich mag die Pfiffe, das bringt mir noch mehr Emotionen. Nein, im Ernst: Es ist die Entscheidung der Zuschauer, wie sie sich verhalten. Was soll ich machen? Ich kann nur mein Spiel machen und mein Team verteidigen.

SPORT1: Das scheint nicht besonders gut anzukommen?

Rutenka: Nun, ich habe ja nichts getan. Ich habe niemanden geschlagen, oder etwas Böses gesagt. Ich versuche nur, meinen Job gut zu machen. Wenn das jemandem nicht gefällt?

SPORT1: Wissen Sie, warum Sie hierzulande so unbeliebt sind?

Rutenka: Da wäre es besser, die Zuschauer zu fragen.

SPORT1: Wie und wie lange wird gefeiert?

Rutenka: Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Aber wir werden uns etwas einfallen lassen.

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