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Gudmundur Gudmundsson ist seit 2010 Trainer der Rhein-Neckar Löwen © getty

Nach dem nächsten verpassten Titel steuern die Löwen ins Ungewisse. Trainer Gudmundsson spricht davon, "neue Ziele" ausgeben zu müssen.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln ? Der Trainer verweist aufs Management, der Manager auf den Investor: Nach der nächsten verpassten Titelchance steuern die Rhein-Neckar Löwen ins Ungewisse.

Noch immer ist nicht klar, welche Spieler im kommenden Jahr für die Mannheimer auflaufen werden und wie groß die Abwanderungswelle Richtung Kopenhagen sein wird.

"Wir hoffen, dass nächste Woche eine Entscheidung fällt. So ist die Absprache", so Geschäftsführer Thorsten Storm am Sonntag im Gespräch mit SPORT1.

Coach Gudmundur Gudmundsson sagt: "Das ist natürlich keine Wunschsituation für einen Trainer und auch die Mannschaft."

Löwen droht Ausverkauf

Fest steht bislang, dass neben Slawomir Szmal, der nach Kielce wechselt, Olafur Stefansson und Gudjon Valur Sigurdsson nach Dänemark transferiert werden. Die beiden Isländer wurden vergangene Woche schon in großem Rahmen vorgestellt ? zu einem "komischen Zeitpunkt", wie Sigurdsson bemerkt.

Offenbar liegt das Schicksal der weiteren Wackelkandidaten Karol Bielecki, Robert Gunnarsson und des geplanten Neuzugangs Krzysztof Lijewski allein in den Händen von Geldgeber Jesper Nielsen.

Der Däne will in seiner Heimat ein schlagkräftiges Team zusammenstellen und auf internationalem Level angreifen. Zu Lasten der Löwen, wie es aussieht.

Trainer spricht vom Neuanfang

"Momentan ist das Spekulation", sagt Gudmundsson: "Aber wenn so viele Spieler gehen, ist das wie ein Neuanfang. Dann müssen wir neue Ziele setzen."

Dabei hatte man sich auf die Fahne geschrieben, mit Kontinuität in der Personalpolitik endlich den letzten Schritt in der bislang erfolglosen Jagd nach einem Titel zu schaffen. Dazu zählt auch, dass Gudmundsson einen Vertrag bis 2015 erhielt, als er im Herbst 2010 als Nachfolger des geschassten Ola Lindgren installiert wurde.

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Doch die Ohnmacht der Führungsebene (Storm: "Der Kader ist nicht optimal zusammengestellt") und die Ungewissheit über die Zukunft wirkt sich natürlich nicht gerade förderlich auf die sportliche Performance aus.

Gudmundsson lobt Spieler

"Es ist sehr schwer, das von der Mannschaft fernzuhalten", gibt Gudmundsson zu: "Aber ich finde, dass die Spieler das vorbildlich gemacht haben."

Die Erwartungen an die Mannschaft seien eben "sehr hoch", meint der Isländer, woran der Verein allerdings "auch ein bisschen selber schuld" sei. Der Coach beklagt: "Wir werden sehr oft sehr hart kritisiert."

In Köln gegen den späteren Sieger Barcelona auszuscheiden und im Spiel um Platz drei dem Deutschen Meister zu unterliegen (Bericht), ist sicherlich keine Schande. In beiden Partien zeigte die Mannschaft ansehnliche Leistungen, hatte aber in den entscheidenden Phasen doch deutlich das Nachsehen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Druck im Ligaendspurt

Torhüter Henning Fritz sagt: "Wir sind enttäuscht, weil wir wissen, dass wir auf einem anderen Level spielen können. Das haben wir oft genug gezeigt in der Champions League."

Schon vor dem Final Four hatte sich das Team, das gerade an Konstanz gewonnen zu haben schien, in die Bredouille gebracht. Nach dem K.o. im Pokalhalbfinale gegen Flensburg folgte mit einer Acht-Tore-Niederlage in Gummersbach schnell die nächste Blamage, weshalb die Mannschaft nun im Liga-Endspurt unter Druck steht.

Fritz sagt vor der Pflichtaufgabe gegen Absteiger Friesenheim am Mittwoch: "Wir müssen jetzt alle Kräfte mobilisieren, um die letzten beiden Spiele zu gewinnen, damit wir eine Chance haben, die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen."

Fritz gibt sich diplomatisch

Der Weltmeister von 2007 gibt sich nach langen Jahren im Geschäft als Diplomat, wenn es um die heikle Personalsituation geht.

"Da bin ich der falsche Ansprechpartner", so der 36-Jährige: "Wir sind Profis, nehmen die Situation wie sie ist, und versuchen, das Beste daraus zu machen. Und ich habe großen Respekt vor der Mannschaft, wenn man sieht, was sie daraus macht."

Doch auch Fritz weiß, dass die Ungewissheit in den Hinterköpfen einiger Spieler durchaus eine Rolle spielt, gerade, wenn es wie in Köln auf höchstem Niveau zur Sache geht.

Sein Fazit zum Kräftemessen der vier besten Teams Europas: "Wir haben gegen harmonischere Mannschaften gespielt, als wir es vielleicht sind."

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