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Iker Romero wechselte zur Saison 2011/12 vom FC Barcelona an die Spree © imago

Der Füchse-Star spricht vor der Auswärtspartie bei Atletico Madrid über die Rückkehr in sein Heimatland und Berlins Chancen.

Von Jakob Gajdzik

München - "Ab in den Süden!" heißt es für die Füchse Berlin.

Doch die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson entflieht dem kalten Deutschland nicht etwa, um unter Spaniens Sonne zu entspannen.

Am Sonntag (ab 15.45 Uhr LIVESCORES) steht für den Hauptstadtklub ein schwieriges Auswärtsspiel in der Champions League bei Atletico Madrid an.

Zwei Spieltage vor Ende der Gruppenphase treffen die Füchse auf die bis dato ungeschlagene Mannschaft von Startrainer Talant Duschebajew. Ein Sieg würde die Tür zum Achtelfinale ganz weit aufstoßen.

Selbst bei einer Niederlage hätte der Tabellenzweite der Toyota HBL alle Chancen auf's Weiterkommen.

Dabei helfen soll Berlins spanischer Superstar Iker Romero, der sich als ehemaliger Barca-Spieler nicht nur besonders auf das Duell mit dem früheren Intimfeind freut. Bei der Rückkehr in sein Heimatland will er die Mannschaft mit seiner Erfahrung führen.

Im SPORT1-Interview spricht der 31-Jährige über seine erste Saison außerhalb von Spanien, die Chancen mit Champions-League-Neuling Berlin auf europäischer Ebene erfolgreich zu sein und blickt auf kommende Aufgaben in der Liga.

SPORT1: Herr Romero, gefällt Ihnen Berlin trotz Winterkälte immer noch?

Iker Romero: Das macht nichts. Ich bin sehr zufrieden in Berlin. Ich mag den Verein, meine Mitspieler, den Trainer und die Art und Weise, wie hier Handball gespielt wird. Ich bin sehr glücklich, zum Ende meiner Karriere hin die Atmosphäre in der Toyota HBL mitzukriegen, denn es ist eine der besten Ligen der Welt.

SPORT1: Wie war der Wechsel von Barcelona nach Berlin? Ein Kultur-Schock?

Romero: Es war auf jeden Fall eine große Veränderung. Besonders in den ersten Monaten war es schwierig, sich nach acht Jahren Barcelona umzustellen. Natürlich ist die Art und Weise Handball zu spielen in Spanien anders als in Deutschland. Ich habe eine gewisse Zeit gebraucht, um mich anzupassen. Jetzt genieße ich den Moment.

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SPORT1: Am Sonntag kehren Sie nach Spanien zurück, spielen mit den Füchsen bei Atletico Madrid, dem größten Rivalen ihres Ex-Klubs Barcelona. Ist das ein besonderes Spiel für Sie?

Romero: Jedes Spiel gegen eine spanische Mannschaft ist besonders für mich. Ich habe viele Freunde in der Mannschaft, und auch meine Familie wird da sein. Wenn ich allerdings mit Berlin dort auflaufe, geht es nur darum, zu punkten. Wir brauchen jeden Zähler, um in die nächste Runde einzuziehen.

SPORT1: Können Sie Ihrer Mannschaft wichtige Insider-Informationen geben?

Romero: Wie haben einen klasse Trainer, der bestens Bescheid weiß. Wir haben großen Respekt voreinander und sprechen viel miteinander. Ich als älterer Spieler kann natürlich auch der Mannschaft helfen. Das Abwehrspiel von Atletico ist zum Beispiel ein anderes, als es die Spieler in Deutschland gewohnt sind. Ich werde versuchen, der Mannschaft zu helfen, ein Mittel gegen diese Abwehr zu finden.

SPORT1: Die Füchse spielen ihre erste Saison in der Champions League und das relativ erfolgreich bisher. Was ist möglich?

Romero: Wir spielen mit Atletico, Veszprem, Kielce, Charkow und Silkeborg in der wohl schwersten Gruppe. Von Platz zwei in der Gruppe bis Platz fünf ist noch alles möglich. Nach dem nächsten Spiel gegen Madrid wissen wir mehr. Wir wollen aber auf jeden Fall unter den ersten Vier bleiben.

SPORT1: Sie sagten, in Madrid kommt es zum Wiedersehen mit vielen Freunden. Mit zahlreichen haben Sie bei der EM in Serbien mit Spanien Platz vier erreicht. Sind Sie mit der Platzierung am Ende zufrieden oder enttäuscht?

Romero: Platz vier ist nicht schlecht, aber auch nicht gut genug. Wir haben in der Vorrunde und der Hauptrunde wirklich gut gespielt. Dann passiert es, dass wir gerade im Halbfinale gegen Dänemark unser schlechtestes Spiel absolvieren. Die Dänen habe es genau umgekehrt gemacht, sie haben die besten Spiele im Halbfinale und Finale gezeigt. Und wenn Deutschland gegen Polen im letzten Hauptrunden-Spiel gewinnt, sind die Dänen gar nicht erst im Halbfinale. Aber so ist Handball. Wir hätten auf jeden Fall auch die Chance auf den Titel gehabt.

SPORT1: In der Toyota HBL haben Sie zuletzt gegen den HSV knapp verloren, sind aber weiterhin auf dem zweiten Platz. Was ist möglich für die Füchse? (DATENCENTER: Die Toyota HBL).

Romero: Man muss immer damit rechnen, in Hamburg zu verlieren. Aber wir haben immer noch eine super Ausgangslage. Wir sind uns darüber bewusst, dass wir noch nach Kiel, nach Flensburg und zu den Rhein-Neckar Löwen müssen. Aber wir wollen unseren Platz verteidigen. Das Beste für uns ist von Spiel zu Spiel zu schauen. Schaut man zu weit nach vorne, verliert man die Konzentration. Das gleiche haben wir auch in Barcelona gemacht. So ist die spanische Mentalität.

SPORT1: Ein wichtiger Spieler, der Ihrer Mannschaft schmerzlich fehlt, ist Alexander Pettersson, der sich bei der EM an der Schulter verletzt hat. Wird er bald zurückkehren?

Romero: Es geht ihm auf jeden Fall besser, und er arbeitet viel, um wieder zurückzukommen. Wann es allerdings zu einem Einsatz reicht, kann ich nicht sagen.

SPORT1: Für nächste Saison haben die Füchse Ihren Ex-Barca-Kollegen Konstantin Igropulo verpflichtet. Wie bewerten Sie seine Verpflichtung? (126233DIASHOW: Die Toyota-HBL-Wechselbörse)

Romero: Konstantin ist ein ähnlicher Spielertyp wie Pettersson. Ich denke, der Verein wollte einen weiteren Spieler mit solchen Qualitäten haben. Ich freue mich über diesen Transfer. Ich kenne Konstantin, er ist ein klasse Spieler und ein super Mensch. Er wird eine große Bereicherung für uns sein. Natürlich ist es schade, dass Petterson nach Mannheim geht, aber der Verein hat gut reagiert.

SPORT1: Zwei Ex-Barcelona-Stars in Berlin. Wollen Sie nächstes Jahr den THW Kiel stürzen?

Romero: Wir sind auch keine Heilsbringer, es geht um uns als Mannschaft. Dazu wollen wir beitragen. Kiel hat in dieser Saison noch keinen Punkt abgegeben, also sind sie auch ganz klar die beste Mannschaft. Wir haben einen Riesenrespekt vor ihnen. Wir fahren in diesem Jahr noch nach Kiel und werden sehen, was passiert.

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