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Bob Hanning ist seit Juli 2005 Manager und Geschäftsführer der Füchse Berlin © imago

Nach dem Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse herrscht bei den Füchsen Ausnahmezustand. Kiels Krimi-Sieg hinterlässt Spuren.

Von Annette Bachert

München - Die Spieler der Füchse Berlin tanzten nach dem Schlusspfiff übers Parkett der Max-Schmeling-Halle, fielen sich gegenseitig in die Arme und sangen mit den Fans "Oh, wie ist das schön".

Und aus Füchse-Manager sprudelte es nach dem Sieg der Berliner gegen Bjerringbro-Silkeborg nur so hervor: "Wir leben hier einen Traum. Wir sind unter den Top 16 der Welt angekommen. Das kann ich gar nicht fassen."

Und weiter: "Wer hätte vor drei Jahren daran gedacht, dass wir international spielen? Sicherlich niemand!"

Tatsächlich ist der mit dem Sieg einhergehende Einzug ins Achtelfinale der Champions League der größte Erfolg der Vereinsgeschichte (BERICHT: Füchse erkämpfen historisches Achtelfinale).

Und auch der oft recht kühle isländische Chefcoach Dagur Sigurdsson konnte seine Freude nicht verbergen: "Das war ein Wahnsinnsspiel. Ich bin höllisch froh, dass wir diese Gruppe überstanden haben."

Hoffentlich "nicht Kiel"

Doch nach der "Todesgruppe B" wartet auf den Hauptstadt-Klub einer der besten Vereine dieser Zeit.

Denn als Gruppenvierter trifft Berlin in der Runde der letzten 16 auf einen der Sieger aus den anderen drei Gruppen - THW Kiel, FC Barcelona oder HSV Handball.

Berlins spanischer Spielmacher Iker Romero hat für die Auslosung am Dienstag eine eindeutige Präferenz: "Wir nehmen alles, bloß nicht Barcelona."

Und auch Hanning weiß, wem er in der nächsten Runde nicht begegnen will: "Ich hoffe, wir haben auch mal Losglück und bekommen nicht wieder Kiel." Denn im DHB-Pokal-Achtelfinale zogen die Berliner gegen den Rekordmeister bereits den Kürzeren und auch in der Liga gingen beide Duelle verloren.

"Schwarze Null" dank Achtelfinale

Aber unabhängig davon, wie die nächste Runde der Königsklasse für die Füchse ausgeht, gewonnen haben sie jetzt schon.

Denn nicht nur sportlich, auch finanziell ist das Achtelfinale ein Gewinn. "Das Weiterkommen rechnet sich auch wirtschaftlich. Wir könnten dann mit einer schwarzen Null die Saison abschließen", spekulierte Hanning noch vor der entscheidenden Partie.

Remis reicht zum Gruppensieg

Etwas anders sieht es beim THW aus.

Die Kieler als Dauergast in der Champions League gewannen in den letzten fünf Jahren zweimal die Trophäe und standen weitere zweimal im Endspiel.

Auch die Zielsetzung ist, im Gegensatz zu der der Füchse, immer der Titel. In diesem Jahr taten sich die Norddeutschen zwar etwas schwerer als gedacht, erkämpften sich am letzten Spieltag der Gruppe D gegen AG Kopenhagen ein Remis und damit Rang eins (BERICHT: THW erkämpft Punkt und Gruppensieg).

"Ein Kampf, wie wir es mögen"

"Ein enges Spiel, tolle Atmosphäre, das hat Spaß gemacht, auch mit unseren großartigen Fans. Das war wieder einmal solch ein enger Kampf, wie wir es mögen", schwärmte THW-Kapitän Marcus Ahlm, der sich nach 21 Siegen in 21 Spielen in der Toyota HBL über einen Gegner auf Augenhöhe zu freuen schien.

Und Coach Alfred Gislason resümierte: "Ein verdientes Unentschieden, und wir sind ein verdienter Gruppensieger. Das hat viel Kraft und Nerven gekostet."

"Hätten jede andere Mannschaft bezwungen"

Kopenhagens Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson, der in der kommenden Saison an die Förde wechselt, zollte dem THW großen Respekt: "Kiel ist der verdiente Gruppensieger, eine großartige Mannschaft, der wir aber großen Widerstand entgegengebracht haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir jede andere Mannschaft der Welt heute bezwungen hätten - aber eben nicht diesen THW Kiel."

Und fügte selbstsicher an: "Es wäre schön, wenn wir uns beim Final Four wiedersehen würden."

Leichteres Spiel für den HSV

Wie Kiel und Kopenhagen hat auch der HSV das Ziel, beim Final Four in Köln aufzulaufen.

Mit dem Sieg bei HC Metalurg unterstrichen die Hamburger ihre Ausnahmestellung in der leichteren Gruppe C, in der sie bereits zwei Spieltage vor Ende der Gruppenphase nicht mehr von Rang eins verdrängt werden konnten und in zehn Partien nur einen Punkt abgaben.

Gefühlt "gegen 8.000 Mazedonier"

"Das waren 60 Minuten Kampf. Es macht Spaß vor so einer Kulisse zu spielen, das konnte man den Jungs auch ansehen. Alle haben sich mächtig reingehängt und der Sieg war für uns enorm wichtig", sagte Interimscoach Jens Häusler nach der Partie.

Und Allrounder Matthias Flohr fügte hinzu: "Es war ein geiles Handballspiel mit einem verdienten Sieger. Wir wussten, dass Metalurg zuhause eine Macht ist. Wir haben geschätzt gegen 8.000 Mazedonier gespielt, aber verdient gewonnen, weil wir nie eingeknickt sind."

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