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Martin Schwalb begann seine Trainerkarriere 1998 bei der SG Wallau-Massenheim © getty

Der HSV will im Rückspiel gegen die Füchse seine Saison retten. Es geht es um den guten Ruf - auch für Wieder-Trainer Schwalb.

Hamburg/Berlin - Tiefe Augenränder zieren das Gesicht von Martin Schwalb. Die ersten Tage in seinem alten neuen Amt haben deutliche Spuren entlassen.

Schwalb sucht seit seiner Rückkehr auf den Trainerposten akribisch nach Wegen aus der Krise seines HSV Hamburg, der in der Champions League gegen die Füchse Berlin eine bislang verkorkste Saison retten will.

Nach der 30:32-Niederlage in Berlin (Bericht) geht es im Achtelfinal-Rückspiel am Sonntag (ab 17.15 Uhr LIVESCORES) um nicht weniger als den guten Ruf - auch für Ex- und Neu-Trainer Martin Schwalb.

Absturz auf Platz 4

Fast zehn Monate ist es her, da war die Hamburger Handball-Welt noch in Ordnung. Es war ein sonniger Frühsommertag im Juni, als Schwalb und Co. auf dem Rathausbalkon der Hansestadt stolz die Meisterschale präsentierten.

Der HSV war auf seinem vorläufigen Höhepunkt angelangt. Trainer Schwalb trat ab und wurde nach dem größten der Erfolg der Vereinsgeschichte Präsident des Klubs. (DATENCENTER: Champions League)

Knapp 300 Tage später steht der Verein am Scheideweg. Nach einer Reihe blutleerer Auftritte in der Bundesliga-Vorrunde und dem Rauswurf von Trainer Per Carlen im Dezember rutschte der HSV unter Interimstrainer Jens Häusler zuletzt auf Platz vier ab.

"Wir lassen uns nicht runterziehen"

Weil damit sogar die Champions-League-Qualifikation für die kommende Saison in ernsthafte Gefahr geriet, sah Präsident und Geschäftsführer Schwalb nur einen Ausweg und kehrte vor gut einer Woche zurück auf die Bank.

Dass die Aufgabe aber auch für einen Meistermacher kein Selbstgänger wird, musste Schwalb bei seinen ersten beiden Einsätzen an der Seitenlinie feststellen.

Der Niederlage im Achtelfinal-Hinspiel bei den Füchsen vor Wochenfrist folgte ein nur wenig überzeugender Heimsieg seines hochdotierten Starensembles gegen Hannover (34:30). An ein vorzeitiges Aus in der Champions League verschwendet Schwalb allerdings keinen Gedanken.

"Ein mögliches Ausscheiden ist jetzt kein Thema. Wir lassen uns nicht runterziehen", sagt er kämpferisch. "Am Sonntag haben wir die Chance, uns endlich einmal zu belohnen. Dazu brauchen wir mehr Stabilität in der Abwehr. Wir müssen in jeder Sekunde kämpfen, an unsere Grenzen gehen."

Hanning: "Das Resultat bestimmt der HSV"

Der Coach setzt in erster Linie auf den Heimvorteil, Schwalb erwartet einen Hexenkessel in der Hamburger Arena: "Ich hoffe, das uns die Zuschauer als achter Mann helfen werden."

Füchse-Manager Bob Hanning geht unterdessen mit der Gelassenheit eines Bundesliga-Zweiten in das Duell mit seinem Ex-Klub. Er gefällt sich in der Rolle des Underdogs.

"Wir haben eine echte Chance, aber das Resultat bestimmt der HSV. Er muss gegen uns seine Saison retten", sagt Hanning. "Doch wenn uns der HSV die Möglichkeit gibt, werden wir unsere Chance nutzen. Das hat das Hinspiel gezeigt."

Bitter: "Wir können auch sieben Tore drehen"

HSV-Torhüter Johannes Bitter misst dem Rückstand aus dem Hinspiel keine große Bedeutung bei. "Wenn wir ein gutes Zusammenspiel zeigen, können wir auch einen Rückstand von sieben Toren drehen. Ich bin vom Einzug ins Viertelfinale überzeugt", sagt Bitter.

Der ehemalige Nationalkeeper weiß um die herausragende Bedeutung des Spiels: "Es ist für unser Selbstvertrauen immens wichtig, dass wir nicht ausscheiden. Mit dem Weiterkommen können wir signalisieren: Wir gehören immer noch dort oben hin - und die Saison wäre nicht ganz im Eimer."