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Momir Ilic (r.) wechselte 2009 vom VfL Gummersbach zum THW Kiel © getty

Die Kieler gewinnen nach Meisterschaft und Pokal auch das Champions-League-Finale gegen Atletico Madrid. Thierry Omeyer überragt.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Es ist vollbracht: Der THW Kiel hat seine überragende Saison gekrönt und zum dritten Mal die Champions League gewonnen.

Im Finale von Köln besiegte der Deutsche Meister und Pokalsieger am Sonntag den spanischen Spitzenklub BM Atletico Madrid mit 26:21 (13:10) und sicherte sich zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte das Triple.

"Es sieht ganz gut aus, das ist vielleicht die beste Kieler Mannschaft aller Zeiten. Das war ein super Spiel, wir sind einfach nur überglücklich", sagte THW-Kapitän Marcus Ahlm nach der Partie.

Bereits 2007 und 2010 hatte Kiel die Königsklasse gewonnen, nun wiederholten sie vor allem dank eines wie entfesselt aufspielenden Torhüters Thierry Omeyer den Dreifach-Coup von 2007.

Am Nachmittag hatte AG Kopenhagen sich im kleinen Finale des Final Four gegen das Überraschungsteam der Füchse Berlin den dritten Platz gesichert.

Omeyer als Matchwinner

Im mit Spannung erwarteten Endspiel um Europas Krone setzte sich Kiel schon in der ersten Halbzeit auf zeitweise vier Tore ab und behielt bis zum Ende die Führung ? Atletico kam nicht mehr näher als bis auf einen Treffer heran.

Beste Werfer für die Kieler waren der überragende Kim Andersson (7) und Filip Jicha (6/2). Als Matchwinner zeichnete aber der unglaublich aufspielende Hexer zwischen den Pfosten verantwortlich: Thierry Omeyer.

Auf Seiten Madrids trafen Kiril Lazarov (5/2) und Luc Abalo (4) am häufigsten.

Klein ersetzt Lundström

Vor 20.000 Zuschauern in der restlos ausverkauften Kölner Arena entwickelte sich im Duell der Handball-Giganten die erwartet enge, hitzige und hart geführte Partie.

Beide Teams sollten sich über die gesamte Spielzeit der Abwehrschlacht auf höchstem Niveau mit unglaublicher Intensität beackern.

THW-Coach Alfred Gislason setzte auf nahezu die gleiche Startformation wie im Halbfinale gegen Berlin, nur auf Linksaußen bekam Dominik Klein den Vorzug vor Henrik Lundström.

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Sein Team tat sich jedoch zunächst schwer gegen die gefürchtete Atletico-Deckung um Abwehrspezialist Didier Dinart und geriet mit 1:3 in Rückstand (7.). Vor allem Kreisläufer Marcus Ahlm kam in der Anfangsphase kaum zur Entfaltung.

Andersson überragt

Madrids Star-Coach Talant Duschebajew operierte von Beginn an mit Spielmacher-Routinier Chema Rodriguez und Dänemarks 2,11-Meter-Schlaks Nikolaj Markussen im linken Rückraum. Zudem wechselte der gebürtige Kirgise als taktischen Kniff in Unterzahl zeitweise einen zusätzlichen Feldspieler für den Torhüter ein.

Mit zunehmender Spieldauer kam der THW-Express immer besser in Fahrt: Beim 7:6 (19.) ging der THW durch Andersson erstmals in Führung. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits der fünfte Treffer des schwedischen Linkshänders bei fünf Versuchen.

Unnötige Zeitstrafe von Klein

Vor beeindruckender Kulisse und unter unglaublichem Lärm von den Rängen gelang dem THW beim 12:9 durch Ahlm (28.) die erste Drei-Tore-Führung.

Auch ein Duschebajew-Timeout verhinderte nicht, dass Kiel durch den gut aufgelegten Aron Palmarsson (3) sogar auf vier Treffer erhöhte. Großen Anteil daran hatte Omeyer, der Arpad Sterbik im Duell der Super-Keeper klar ausstach.

Atletico verkürzte jedoch auf drei Tore, bevor es in die Pause ging, zudem handelte sich Klein unmittelbar vor der Halbzeitsirene noch eine Zeitstrafe ein.

Rot für Parrondo

Nach dem Seitenwechsel lieferte vor allem Omeyer weiterhin mit teils unfassbaren Paraden eine irre Show ab und rettete seinem Team die Führung in der torarmen Begegnung.

Atletico war gerade bis auf einen Treffer dran (13:14/38.), als Roberto Garcia Parrondo nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte sah und Kiel sich mit zwei feinen Klein-Treffern und einem Jicha-Hammer Mitte der zweiten Halbzeit wieder absetzen konnte (17:13/46.).

Spätestens beim folgenden Tor von Andersson zum ersten Fünf-Tore-Vorsprung war eine Vorentscheidung zugunsten der Kieler gefallen, auch weil Omeyer (insgesamt 17 Paraden) weiter freie Bälle in Serie entschärfte.

"Ein Krieg über 60 Minuten"

In der Schlussphase hielt der THW den Gegner souverän und mit all seiner Klasse auf Distanz, verteidigte seinen Vorsprung und konnte schon in den letzten Minuten langsam die Triple-Party starten.

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es war ein knackiges Spiel mit wenigen Toren, aber wir haben um diesen Sieg gekämpft. Es war genau so wie wir es erwartet haben, ein Kampf, ein Krieg über 60 Minuten. Das ist unglaublich schön, hier jetzt als Sieger stehen zu dürfen", schwärmte Andersson.

Ein Ziel bleibt

Einziger Wermutstropfen: Christian Zeitz verletzte sich kurz vor Schluss am Knöchel.

Ein letztes Ziel bleibt den Kielern nun noch. Gewinnen sie die zwei verbleibenden Liga-Spiele - in Hildesheim und gegen Gummersbach - würde der THW als erster Klub eine Bundesliga-Saison ohne Minuspunkt beenden.

Doch mit dem Triumph im wichtigsten Vereinswettbewerb im Welthandball ist diese Spielzeit für Kiel schon jetzt perfekt.

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