Montpelliers Angst vor dem nächsten Wolkenbruch
Von Christoph Lother
München - Es wirkt, als hätte jemand den Stecker gezogen.
Mit 50:24 hatte Montpellier HB den Aufsteiger Billere Handball zum Auftakt der neuen Saison aus dessen eigener Halle geschossen und somit einen neuen Rekordsieg in der französischen Liga aufgestellt.
Auch das darauffolgende Heimspiel gegen Tremblay entschied der französische Rekordchampion problemlos für sich.
Alles schien den gewohnten Lauf zu nehmen, Montpellier an seine meisterliche Form von zuletzt gleich fünf nationalen Titeln in Folge nahtlos anzuknüpfen.
Manipulationsskandal sorgt für Unruhe
Doch mit dem Verdacht, ein Meisterschaftsspiel der vergangenen Saison verschoben und absichtlich verloren zu haben, folgte Ende September der große Knall.
Seitdem läuft beim Renommierklub von der Mittelmeerküste so gut wie gar nichts mehr zusammen und auch die Vorzeichen für das Champions-League-Spiel gegen den HSV Hamburg am Sonntag (19 Uhr LIVESCORES) haben sich verändert.
Flut an Niederlagen
Zwar empfiehlt Hamburgs Trainer Martin Schwalb seinen Spielern, die Querelen rund um den Gegner auszublenden. Schließlich sei Montpellier eine "Top-Mannschaft, gegen die es für uns wichtig sein wird, uns auf unsere Stärken zu besinnen".
Die jüngste Talfahrt der Franzosen dürfte aber auch dem 49-Jährigen nicht entgangen sein.
In der Liga setzte es für Montpellier seit Bekanntwerden des Manipulationsverdachts drei Niederlagen in Serie und auch in der Champions League reichte es für HB neben der Heimpleite gegen Ademar Leon nur noch zu einem mageren Pünktchen in Flensburg.
Erst mit dem 29:26 gegen Saint Raphael in der Ligue National stoppte das Team von Trainer Patrice Canayer am Donnerstag seinen Abwärtstrend - vorerst.
"Es gibt Hoffnungsfunken, aber der Himmel ist weiterhin voller dicker Wolken", bringt Montpelliers Kapitän Michael Guigou die Stimmung in der "L'Equipe" auf den Punkt.
Guigou: "Gewinnen, egal wie"
In der Königsklasse stehen die Südeuropäer angesichts ihres Fehlstarts nämlich schon vor dem dritten Spieltag der Gruppenphase gehörig unter Druck ( DATENCENTER: Champions League).
Und auch gegen Hamburg muss Canayer auf die Leistungsträger Nikola und Luka Karabatic, Primoz Post, Dragan Gajic und Issam Tej verzichten.
Gegen alle fünf Profis wurden Strafverfahren wegen Betrugs eingeleitet, jeglicher Kontakt zu den Teamkollegen untersagt. (BERICHT: Luka Karabatic räumt Verfehlungen ein)
Dennoch müsse "man gewinnen, egal wie. Wir müssen gewinnen, um das zu verdauen, was passiert ist", stellt Guigou unmissverständlich klar.
HSV will Aufwärtstrend fortsetzen
Das Selbstvertrauen der Hamburger könnte vor der Reise nach Südfrankreich unterdessen kaum größer sein.
So holte der HSV aus den ersten beiden Champions-League-Spielen der Saison immerhin drei, aus den ersten sieben Partien in der heimischen Liga sogar elf Zähler.
"Wir reisen nach Montpellier, um an unsere guten Ergebnisse der letzten Wochen anzuknüpfen. Wenn wir unsere Vorgaben einhalten und unser Spiel durchsetzen können, werden wir unsere Chancen gegen den französischen Meister bekommen", sagt Coach Schwalb.
Und mit Blick auf den 30:26-Erfolg der Hansestädter bei ihrem letzten Auftritt in Montpellier während der Saison 2010/2011 sagt er: "Natürlich haben wir auch gute Erinnerungen an die Halle."
Kapitän Hens auf der Kippe
Fehlen wird Schwalb dabei neben den langzeitverletzten Johannes Bitter, Torsten Jansen, Oscar Carlen und Marcin Lijewski womöglich aber auch Kapitän Pascal Hens.
Der ehemalige Nationalspieler befand sich zwar mit an Bord des Flugzeuges nach Montpellier, könnte aufgrund eines Muskelfaserrisses aber ausfallen.
Schwalb will wohl erst am Spieltag selbst über einen Einsatz des 32-Jährigen entscheiden.