Berliner Superlative: "Wie letzte Saison"
Von Annette Bachert
München - Silvio Heinevetter konnte sich ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen.
Spätestens nach dem Treffer des Füchse-Keepers in der Schlussphase gegen SC Szeged war der Jubel der Berliner ungebrochen.
Doch der sonst so extrovertierte Schlussmann stimmte erst nach Abpfiff in die Freudentänze mit ein.
Dank einer famosen zweiten Halbzeit besiegten die Hauptstädter den ungarischen Spitzenklub deutlich mit 29:22 ( Bericht) und kletterten auf Rang zwei der Gruppe D der Champions League.
"Das beste Spiel in dieser Saison"
Coach Dagur Sigurdsson geizte anschließend nicht gerade mit Superlativen.
"Das war die beste Saisonleistung. Wir hatten mit Heinevetter einen exzellenten Torhüter und auch eine gute Abwehr. In der zweiten Halbzeit ist dann auch die Lockerheit in unsere Angriffe eingekehrt", erklärte Sigurdsson.
Auch Manager Bob Hanning zeigte sich zufrieden: "Wir hatten heute wieder Freude am Spielen. Da war jeder bereit, einen Schritt mehr zu machen."
Und fügte hinzu: "Das war in Sachen Abwehr in Verbindung mit der Torhüterleistung das beste Spiel in dieser Saison und hat mich an die alten Erfolge der letzten Saison erinnert."
Nincevic beißt sich durch
Und tatsächlich zeigten die Berliner einmal mehr, warum sie seit geraumer Zeit so erfolgreich sind: Die Ausgeglichenheit des Kaders und der ungebrochene Siegeswille.
Spielmacher Iker Romero, der bis zur 50. Minute nur zu Kurzeinsätzen kam, warf mit zwei Gegenstoß-Treffern in Unterzahl erstmals eine Vier-Tore-Führung heraus.
Oder auch Ivan Nincevic, der nach einem Schlag an den Kopf eine Platzwunde erlitt und fortan mit Turban spielte, war mit sieben Treffern am Ende Topscorer der Berliner.
Gegen die Kadetten Schaffhausen steht nun bereits am Mittwoch (ab 19 Uhr LIVESCORES) der nächste Härtetest für die Füchse an.
"Wenn wir dieses Spiel gewinnen, dann sind wir dem Achtelfinale schon sehr nah", ist sich Hanning sicher.
Glänzende Augen in Flensburg
Doch nicht nur die Berliner auch die SG Flensburg-Handewitt und der HSV Hamburg zeigten am 3. Spieltag starke Leistungen.
Der Vizemeister aus Flensburg setzte sich souverän mit 36:26 gegen den russischen Meister Medwedi Moskau durch und damit an die Spitze der Gruppe A ( DATENCENTER: Champions League).
"Wir waren heute alle sehr froh, endlich wieder ein Heimspiel bestreiten zu dürfen", erklärte SG-Kapitän Tobias Karlsson: "In den Augen meiner Mitspieler hat es heute besonders geglänzt."
Bis zum 10:10 (18.) hielten die russischen "Bären" die Partie noch offen, danach lief die Tor-Maschine der SG auf Hochtouren und so baute das Team von Cheftrainer Ljubomir Vranjes den Vorsprung immer weiter aus.
Großes Lob von Vranjes
Spätestens beim 20:14 (31.) war das Spiel entschieden, und die Flensburger begannen ein wenig zu zaubern.
Allen voran Linksaußen Andreas Eggert, der von der gegenüberliegenden Position aus spitzestem Winkel zum 33:21 einnetzte und damit Standing Ovations in der "Hölle Nord" auslöste.
Auch der wieder genesene Holger Glandorf, mit Lasse Svan Hansen (je neun Treffer) bester Werfer, bewies immer wieder seine unglaubliche Durchschlagskraft. Wichtiger Rückhalt war zudem einmal mehr Keeper Mattias Andersson, der Medwedi mit 19 Paraden zwischendurch fast zur Verzweiflung brachte.
"Über das gesamte Spiel gesehen, hat mir unsere Abwehr gut gefallen, und Mattias Andersson hat einige wichtige Bälle gehalten", lobte Vranjes: "Wir dürfen nicht vergessen: Es ging heute gegen eines der besten Teams in Europa."
Dezimierter HSV siegt
Ähnliches konnten auch die Hamburger von Coach Martin Schwalb beim 33:29-Sieg über Montpellier HB behaupten - auch wenn den Franzosen mit den Karabatic-Brüdern Nikola und Luka zwei der besten Akteure wegen des Manipulations-Skandals ( Bericht) fehlten.
Mit Marcin Lijewski, Pascal Hens und Stefan Schröder musste allerdings auch der HSV verletzungsbedingt auf drei wichtige Akteure verzichten.
"Wir sind froh, dass wir hier gewonnen haben. Man hat gemerkt, dass uns speziell im Rückraum die Alternativen fehlen. Aber wir haben über die gesamte Spielzeit geführt und verdient gewonnen. Das ist das Wichtigste", sagte Schwalb.