vergrößernverkleinern
Bart?omiej Jaszka (r.) spielt seit 2007 bei Silvio Heinevetters Füchsen © getty

Jaszkas Fehlwurf in letzter Sekunde stürzt Berlin ins Tränen-Tal. Coach Sigurdsson macht klar, dass der nicht seine Idee war.

Berlin - Nach dem dramatischen Champions-League-K.o. in letzter Sekunde rangen die Handballer der Füchse Berlin verzweifelt um Fassung.

Beim Gang zu den Fans, die ihr Team bis zum Schlusspfiff bedingungslos angefeuert hatten, wirkten die Spieler wie paralysiert.

Vermutlich schossen ihnen die Bilder des letzten Angriffs immer wieder durch den Kopf: Überzahl, Bartlomiej Jaszka kommt an den Ball, Wurf, Pfosten, Aus (Bericht).

Unentschieden hätte gereicht

"Natürlich tut das weh, wenn man so nah dran ist und am Ende ein einziges Tor fehlt. Die Mannschaft macht einen sehr deprimierten Eindruck. Wir müssen jetzt Aufbauarbeit leisten", sagte Füchse-Manager Bob Hanning nach dem unglücklichen 26:27 (13:14) gegen den spanischen Top-Klub Atletico Madrid (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bei einem Unentschieden wären die Berliner dank des 29:29 aus dem Hinspiel ins Viertelfinale eingezogen.

Aus dem Bundesliga-Quartett schafften dagegen der THW Kiel (30: 26 gegen Medwedi Tschechow), die SG Flensburg-Handewitt (27:25 gegen Gorenje Velenje) und der HSV Hamburg (trotz des 28:31 gegen Celje Pivovarna Lasko) den Sprung in die Runde der letzten Acht.

Die Auslosung für die Viertelfinal-Begegnungen in der Champions League und im EHF-Cup findet am Dienstag statt, dann dürften bei den Füchsen die Wunden vom Sonntagabend erneut aufreißen.

"Das ist Kacke!"

"Wir sind alle völlig paralysiert, da geht ein großer Traum flöten. Das ist Kacke!", sagte Johannes Sellin.

Kapitän Torsten Laen spekulierte, dass möglicherweise der Druck vor 9000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle zu groß gewesen sein könnte:

"Wir haben uns alle auf dieses Spiel und auf diese besondere Kulisse gefreut. Vielleicht waren wir ein bisschen zu aufgeregt, zu nervös."

Jaszka der tragische Held

Die entscheidende Szene war jedoch keine Frage der Nerven, sondern des fehlenden Glücks.

Als noch 14 Sekunden zu spielen sind und die Füchse mit einem Tor zurückliegen, nimmt Trainer Dagur Sigurdsson eine Auszeit. Jaszka, erst vor neun Tagen erfolgreich am Blinddarm operiert, kommt als siebter Feldspieler aufs Parkett.

Der Pole zieht aus dem Rückraum ab, der Ball prallt an den linken Pfosten.

Lob von Dujshebaev

"Der letzte Wurf war nicht abgesprochen. Wir hatten einen Mann mehr auf dem Platz, Bartlo war frei, hat einen guten Wurf genommen. Leider war er nicht drin", sagte Sigurdsson.

Sein Trainerkollege aus Madrid, Talant Dujshebaev, konnte sein Glück kaum fassen: "Ich bin im Moment der glücklichste Mann der Handball-Welt. Wir sind gegen einen unglaublich starken Gegner weitergekommen."

Von diesem Lob können sich die Füchse zwar nichts kaufen, doch für das Selbstbewusstsein waren die beiden ausgeglichenen Partien gegen den spanischen Spitzenklub wertvoll.

Hausaufgaben in der Liga

Die Champions League ist inzwischen der klare Anspruch des letztjährigen Halbfinalisten. Dafür müssen die Berliner ab sofort ihre Hausaufgaben in der Bundesliga erledigen.

"Wir dürfen jetzt nicht die Köpfe hängen lassen, sondern müssen uns auf die Bundesliga konzentrieren", forderte Sigurdsson. Als momentaner Tabellen-Vierter stehe für den Klub die erneute Qualifikation für die Königsklasse auf dem Spiel: "Wir haben jetzt neun Finalspiele vor uns."

Das erste bereits am Mittwoch bei der MT Melsungen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel