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Pascal Hens gewann 2007 mit dem HSV Hamburg den Europapokal der Pokalsieger © getty

HSV-Kapitän Pascal Hens spricht bei SPORT1 über das Flensburg-Duell, ein Karriere-Ende und den prominenten Manager-Kandidaten.

Von Annette Bachert

München/Hamburg - Es ist das dritte Aufeinandetreffen des HSV Hamburg mit der SG Flensburg-Handewitt in knapp zwei Wochen - und bereits das sechste in dieser Spielzeit.

Nach dem Pokal-Fight am Samstag, den die SG nach Verlängerung mit 26:25 für sich entschied, verspricht das nun anstehende Champions-League-Duell (So., 18.45 Uhr LIVESCORES) wieder einmal Höchstspannung. Schließlich geht es für den HSV um die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison.

Dass die SG-Keeper, wie in den beiden Partien zuvor, den Elbstädtern das Leben besonders schwer machen, daran will HSV-Kapitän Pascal Hens nicht glauben.

"Wir sollten versuchen, uns darüber nicht zu viele Gedanken zu machen und guten Handball zu spielen. Am Ende zählt nur, dass wir eine Runde weiter sind", erklärte der HSV-Kapitän bei SPORT1: "Wir sollten uns nicht zu sehr verkrampfen. Wir haben schließlich auch einen guten Keeper im Tor."

Im SPORT1-Interview spricht der 33-Jährige über die durchwachsene Saison, sein Karriereende beim HSV, die Nationalmannschaft und Frank Rost als möglichen neuen HSV-Manager.

SPORT1: Pascal Hens, ein paar Tage sind seit der bitteren Pleite im DHB-Pokal vergangen. Schmerzt die Niederlage immer noch?

Pascal Hens: Wenn man daran erinnert wird, tut es schon noch weh. Die Möglichkeit, den Pokal zu gewinnen war da. Aber es war klar, dass es ein enges Ding wird. Das hat sich in allen Spielen, die wir bislang gegen Flensburg hatten - und das waren ja schon einige - gezeigt. Aber nun ist fast eine Woche vergangen und wir haben die nächste große Aufgabe vor uns - und darauf konzentrieren wir uns. Für diesen großen Fight wollen wir bestens vorbereitet sein.

SPORT1: Die Saison des HSV war doch etwas durchwachsen, die Champions League ist die letzte Möglichkeit noch einen Titel zu holen. Setzt das das Team noch mehr unter Druck?

Hens: Die Champions League zu gewinnen und beste europäische Mannschaft zu werden ist mit das Größte, was man als Handballer erreichen kann. Das ist schon Wahnsinn. Daran sollte man nicht zu viel denken. Wir wollen jetzt erst einmal die nächste Runde und damit das geile Final Four Turnier erreichen. Das ist das große Ziel. Das haben die Flensburger auch, das wissen wir. Und es wird wieder ein harter Fight werden. Aber wir sollten nicht daran denken, dass die Meisterschaft weg ist, dass wir im Pokal ausgeschieden sind und dass das die letzte Möglichkeit ist. Da macht man sich nur verrückt. Bisher ist die Saison nicht ganz optimal gelaufen, aber in der CL sind wir noch drin - und das wollen wir auch bleiben.

SPORT1: In der Liga steht der HSV derzeit auf Rang fünf. Was ist nach oben noch möglich?

Hens: Wir müssen versuchen, möglichst noch ein oder zwei Plätze nach oben zu klettern. Das wird schwer genug. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Was würde es für den Verein bedeuten, wenn sich das Team nicht für die Champions League qualifiziert?

Hens: Das wäre natürlich sehr bitter für uns. Champions League zu spielen ist unser Anspruch. Aufgrund unserer schwachen Hinrunde und der Konstanz, die uns gefehlt hat, müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Aber es ist noch alles möglich. Vom Restprogramm haben wir mehr Heim- als Auswärtsspiele. Und wenn es so weit ist, werden wir uns voll darauf konzentrieren und versuchen, keines der Bundesliga-Spiele mehr zu verlieren.

SPORT1: Sie spielen seit 2003 für den HSV. Haben Sie in den vergangenen zehn Jahren nie mit einem Vereinswechsel geliebäugelt?

Hens: Nein, mir hat es immer sehr gut gefallen - und tut es auch heute noch. Ich bin damals nach Hamburg gegangen, als dieses Projekt HSV Handball gerade gestartet wurde. Mich hat es gereizt, in dieser Stadt zu sein und in solch einer Halle zu spielen. Wenn man sieht, was daraus geworden ist, trotz aller Höhen und Tiefen, bin ich sehr stolz, schon so lange dabei zu sein und vieles mitgeprägt zu haben. Ein Vereinswechsel kam für mich nie in Frage, weil es mir immer sehr viel Spaß macht hier.

SPORT1: Und Sie wollen auch künftig beim HSV bleiben?

Hens: Ich habe noch Vertrag bis 2015, dann bin ich 35 und dann wird eh nicht mehr viel gehen (lacht). Ich habe einige Jahre auf dem Buckel und habe nicht vor den Verein noch einmal zu wechseln.

SPORT1: Für die kommende Saison wird das Team namenhaft verstärkt und auch etwas verjüngt. Wie gefällt Ihnen diese Entwicklung?

Hens: Mit Pfahl, Mahe, Djordjic und Toft Hansen kommen tolle Spieler mit internationaler Erfahrung, die uns in den nächsten Jahren sicher weiterhelfen werden. Das ist ein wichtiger und auch der richtige Weg.

SPORT1: Und was ist dann nächstes Jahr möglich?

Hens: Schwer zu sagen. Mal sehen, wie sich die Neuen einfinden und die Abgänge kompensiert werden. Das ist immer spannend am Beginn einer Saison. Aber das passiert auch bei anderen Teams. Ich hoffe, dass es bei uns zügig geht und wir keine großen Startprobleme haben. Aber davon gehe ich jetzt einfach mal aus.

SPORT1: Zuerst hieß es Uwe Schwenker könnte neuer Manager beim HSV werden, nun ist Frank Rost angeblich der Topkandidat. Wer wäre für Sie die beste Wahl?

Hens: Keine Ahnung. Wir kriegen diese Namen aus der Presse zwar mit, aber für mich als Spieler ist das momentan völlig egal. Wir haben uns auf unsere sportlichen Leistungen zu konzentrieren. Wir werden das ohnehin nicht entscheiden. Und die, die das tun, werden die richtige Entscheidung treffen, wenn es denn überhaupt was zu entscheiden gibt.

SPORT1: Ist es generell denkbar, dass ein Nicht-Handballer solch einen entscheidenden Posten übernimmt?

Hens: Er hat einen Handball-Hintergrund und viele Jahre in Hamburg gespielt, kennt sich hier aus und hat einige Beziehungen. Das könnte schon hilfreich sein. Aber ob das genug ist, um Handball-Manager zu werden, kann ich nicht beurteilen.

SPORT1: Letzte Frage: Sie haben viele Jahre in der Nationalmannschaft gespielt. Wie schätzen Sie das derzeitige deutsche Team ein?

Hens: Natürlich verfolge ich das Geschehen dort immer noch und drücke die Daumen. Ich glaube fest daran, dass sie das wichtige Spiel gegen Montenegro wie auch gegen Israel gewinnen und sich für die EM qualifizieren. Auch dort ist eine starke Verjüngung eingetreten, und einige Erfahrene fehlen. Aber die Jungen müssen ihre Erfahrungen sammeln - und das werden sie auch. Aufgrund der Leistung muss man davon ausgehen, dass ein Holger Glandorf und ein Lars Kaufmann wieder dazu stoßen. Wie Holger momentan spielt - das ist einer, auf den man eigentlich nicht verzichten kann.

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