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Daniel Narcisse (M.) erzielte kurz vor Schluss das Siegtor für die Kieler © imago

Nach dem knappen Hinspielsieg im Viertelfinale gegen Vezprem reagieren die THW-Stars trotzig. Der HSV-Coach warnt vor Euphorie.

Kiel - Als sich der erste Jubel nach der unglaublichen Aufholjagd gelegt hatte, trat die Ernüchterung ein.

Der Traum vom erneuten Triple droht für die erfolgsverwöhnten Handballer des THW Kiel zu platzen.

Der hauchdünne 32:31-Heimerfolg im Viertelfinal-Hinspiel gegen den ungarischen Serienmeister MKB Vezprem (Bericht) könnte am Ende zu wenig sein, um das Final Four der Champions League in Köln zu erreichen.

"Jetzt sind 60 Minuten um, und in den zweiten 60 Minuten müssen wir besser spielen. Das wird ein schweres Stück Arbeit", sagte Torhüter Thierry Omeyer den "Kieler Nachrichten" (DATENCENTER: Ergebnisse).

Starker Schlussspurt

Dass die Kieler überhaupt noch von der Titelverteidigung träumen dürfen, war allein ihrem starken Schlussspurt zu verdanken. Zwölf Minuten vor dem Ende lagen die Zebras 22:28 zurück, ehe sie einen 6:0-Lauf hinlegten und fünf Sekunden vor dem Abpfiff durch Welthandballer Daniel Narcisse doch noch gewannen.

"Unsere Bank ist stark, wir haben eine gute Kondidtion", sagte THW-Trainer Alfred Gislason, "aber wir können uns nicht immer auf die letzten zehn Minuten verlassen." Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass der Titelverteidiger seine Gegner auf der Zielgeraden noch abfing.

Spiel mit dem Feuer

Sich allerdings immer auf seine Steherqualitäten zu verlassen, ist auch ein Spiel mit dem Feuer - zumal es für den Titelverteidiger um eine Menge Geld geht.

Ein Drittel der Preisgelder in der Königsklasse (gesamt 3,3 Millionen Euro) werden beim Finalturnier in Köln ausgeschüttet. Der Sieger bekommt zusätzlich zu den bisherigen Einnahmen 350.000 Euro, und sogar dem Vierten werden beträchtliche 150.000 Euro ausgezahlt.

"Wir sind Kiel"

Das Weiterkommen haben die Kieler, die das Geld für ihren Luxuskader durchaus gebrauchen können, noch keineswegs abgeschrieben, denn: "Wir sind Kiel, wir gewinnen in Veszprem und fahren dann nach Köln", sagte Linkshänder Marko Vujin, als er sein Lächeln wiedergefunden hatte.

Gut möglich, dass auch Ex-Nationalspieler Christian Zeitz, der sich beim Pokalsieg die Mittelhand gebrochen hatte, bei einer Final-Four-Teilnahme Kiels wieder an Bord ist. "Für mich ist die Saison noch nicht beendet", sagte der Rückraumspieler am Rande des Hinspiels am Sonntagabend: "Ich will in Köln wieder mitspielen."

Keine Euphorie beim HSV

Deutlich bessere Aussichten auf seine zweite Final-Four-Teilnahme nach 2011 hat der HSV Hamburg. Die Euphorie hielt sich aber trotz des imponierenden 32:26-Hinspielerfolgs beim Bundesliga-Rivalen Flensburg in Grenzen.

"Es ist erst Halbzeit. Alle anderen Gedanken sind Gift für jedes Ohr, jeden Kopf", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb der "Hamburger Morgenpost". Sein Team hatte die Partie nach einem zwischenzeitlichen 17:21-Rückstand noch zu seinen Gunsten gedreht.

Flensburgs Kapitän Tobias Karlsson gab sich trotz des Einbruchs in der letzten Viertelstunde kämpferisch. "Wir geben nicht auf und werden in Hamburg zusammenstehen", sagte Karlsson.

Dass seine Mannschaft in der Hansestadt durchaus gewinnen kann, bewies sie vor Wochenfrist. Im Pokal-Halbfinale hatte der Vizemeister gegen den HSV 26:25 nach Verlängerung gewonnen.

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