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Talant Duschebajew ist seit 2001 als Spieler und Trainer bei Ciudad Real aktiv © getty

Im Interview spricht Ciudad-Real-Trainer Talant Duschebajew über den Champions-League-Hit beim THW Kiel und Nikola Karabatic.

Von Matthias Becker

München - Sie sind das Maß der Dinge derzeit im internationalen Vereinshandball:

Am Sonntag (ab 17.45 Uhr LIVESCORES) treffen in der Kieler Sparkassen-Arena in einer Neuauflage des Champions-League-Finals von 2008 der THW Kiel und Titelverteidiger BM Ciudad Real aus Spanien aufeinander.

Beide Teams haben in der bisherigen Saison der Handball-"Königsklasse" alle sieben Spiele gewonnen, stehen punktgleich an der Spitze der Hauptrundengruppe 4 und führen auch ihre nationalen Ligen an. (DATENCENTER: Champions League)

Trotzdem stapelt Ciudad Reals Trainer Talant Duschebajew im Gespräch mit Sport1.de tief und zählt auch "Hamburg oder die Rhein-Neckar Löwen" zum Kreis der weltbesten Mannschaften.

Im Interview spricht der ehemalige Welthandballer, Weltmeister und Olympiasieger zudem über die süßen Erinnerungen an den Triumph vom vergangenen Jahr, das Interesse an Nikola Karabatic und die Tumulte am Ende des letztjährigen Finals.

Sport1.de: Herr Duschebajew, Ciudad Real und Kiel sind die besten Mannschaften, die es im Welthandball im Moment gibt. Was erwarten Sie vom Spiel am Sonntag?

Talant Duschebajew: Wir gehören zum Kreis der besten Mannschaften, wie aber auch Hamburg oder die Rhein-Neckar Löwen. Beim Spiel am Sonntag darf man nicht vergessen, dass beide Mannschaften schon fast im Viertelfinale stehen. Der Druck auf beiden Seiten ist nicht so groß, als wenn wir beide in Barcelona verloren hätten. Wir können das Spiel mit etwas mehr Geduld angehen.

Sport1.de: Sie haben in der vergangenen Saison in Kiel die Champions League gewonnen. Wie sind ihre Erinnerungen an diesen Triumph?

Duschebajew: Natürlich war das sehr schön, in Kiel vor 10.000 Zuschauern zu gewinnen. Keiner hat gedacht, dass wir eine Chance haben, dort die Champions League zu gewinnen. Wir wissen aber auch, dass es nicht normal war, dass wir mit sechs Toren Vorsprung in Kiel gewonnen haben. Aber es war auch nicht normal, dass wir zuhause verloren haben. Es war einfach ein verrücktes Finale.

Sport1.de: Sind die Konflikte zwischen den Spielern der Teams am Ende des letzten Finales abgehakt?

Duschebajew: Meiner Meinung nach war das damals ein ganz schönes und korrektes Finale. Ich habe keine hässlichen Szenen gesehen, weder im Hinspiel bei uns, noch in Kiel. Am Ende kam bei Kiel einfach die Frustration hoch. Christian Zeitz hat ein bisschen den Kopf verloren, aber das kann passieren. Das war einfach die Enttäuschung, deshalb ist das passiert. Von unserer Seite ist schon alles vergessen.

Sport1.de: Was ist für Sie der Schlüssel zu einem weiteren Sieg in Kiel am Sonntag?

Duschebajew: Wir müssen ganz ruhig ins Spiel gehen und müssen wissen, dass wir gegen eine der besten Mannschaften der Welt nur mit hundertprozentiger Einstellung eine Chance haben.

Sport1.de: Welche Bedeutung hat das Mitwirken von Nikola Karabatic für den THW?

Duschebajew: Wir sprechen über den besten Spieler der Welt. Natürlich ist er ein sehr wichtiger Mann für diese Mannschaft, oder auch für jede Mannschaft, in der er spielt. Wenn er mit dabei ist, hat Kiel immer bessere Chancen.

Sport1.de: Wird das Transfer-Theater denn einen Einfluss auf Karabatic' Leistung haben?

Duschebajew: Das weiß ich nicht, weil ich seinen Charakter nicht kenne. Aber als Profi muss er immer wissen, dass er bis mindestens 30. Juni sein Geld vom THW Kiel bekommt. Deshalb muss er bei jedem Training und jedem Spiel sein Bestes geben, das ist für mich professionelle Einstellung. (Karabatic wendet sich an die Fans)

Sport1.de: Auch Ciudad Real soll ein Angebot für Karabatic abgegeben haben. Er sagt aber, nicht nach Spanien wechseln zu wollen. Ist das Thema damit für Sie erledigt?

Duschebajew: Wir wollen mit ihm reden, aber ganz in Ruhe. Er muss hundertprozentig wissen, was er will und ob und wann er Kiel verlassen will. Wenn er weg will, wollen wir ihm auch ein Angebot machen. Wenn er sagt, er will nicht zu uns, ist er natürlich kein Thema. Aber wir wollen natürlich zumindest ein Gespräch mit ihm führen.

Sport1.de: Haben Sie denn andere Spieler im Auge, falls es mit Karabatic nicht klappt?

Duschebajew: Nein, auf der Position sind wir gut besetzt, deshalb ist das für uns kein Thema. Wir wollen nur den besten Spieler der Welt - und das schon seit langer Zeit.

Sport1.de: Ist Ciudad Real für Sie als Handball-Trainer wegen des guten Umfelds der perfekte Ort zum Arbeiten?

Duschebajew: Es ist ein guter Ort zum Arbeiten, wie aber auch Kiel oder Hamburg. Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft, mit dem Präsidenten und mit der Stadt. Bis heute läuft alles sehr gut, und mehr brauche ich nicht.

Sport1.de: Wäre denn beispielsweise auch der Posten des Nationaltrainers in Spanien interessant für Sie?

Duschebajew: Das ist in der Zukunft vielleicht ein Thema. Aber im Moment haben wir einen Nationaltrainer, vor dem ich sehr großen Respekt habe. Ich werde ihn mit allem unterstützen, was er braucht.

Sport1.de: Wie groß ist die Chance, dass es im Frühjahr wieder zum Champions-League-Finale gegen Kiel kommt?

Duschbajew: Klar kann das auch dieses Jahr passieren. Aber es wird nicht einfach, weil auch Mannschaften wie Chambery auf einem sehr hohen Niveau spielen. Auch von Hamburg habe ich das letzte Spiel gegen Medvedi gesehen und das war ganz seriöse Arbeit, die sie abgeliefert haben.

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