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Filip Jicha gewann 2010 und 2012 mit Kiel die Champions League © imago

Beim Rückspiel in Veszprem kämpft Kiel gegen einen Fluch - und das womöglich lauteste Publikum der Welt. Kretzschmar warnt.

Von Annette Bachert

München - Ein Final Four ohne den THW Kiel? Betrachtet man die letzten Jahre des deutschen Rekordmeisters auf nationaler und internationaler Ebene ist das nur schwer vorstellbar.

Doch in diesem Jahr sieht es vor dem entscheidenden Viertelfinal-Rückspiel (Sa, ab 16 Uhr LIVESCORES) in der Champions League nicht gut aus für Coach Alfred Gislason und seine Mannen.

Nach dem knappen 32:31-Hinspiel-Erfolg gegen MKB Veszprem rechnen die "Zebras" mit einem heißen Tanz. Im ungarischen Hexenkessel erwartet Gislason "eine der stärksten Heimmannschaften der Champions League. Und die Arena ist eine der lautesten der Welt."

So sieht das auch SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar, der die heiße Atmosphäre in der Veszprem-Arena am eigenen Leib erfahren musste: "Das ist eine der schlimmsten Hallen, die es im Welthandball gibt."

Kretsche: "THW ist Favorit"

"Die Ungarn um den überragenden Laszlo Nagy haben das Zeug, den Wettbewerb zu gewinnen", erklärte "Kretzsche" in seiner Kolumne und fügt dennoch an: "Der THW bleibt für mich der Favorit."

Ganz so sicher ist sich Gislason nicht. "Wir müssen in Veszprem fantastisch auftreten, um nach Köln zu fahren", fordert der Isländer.

Klappt es, winkt Kiel die sechste Halbfinal-Teilnahme in den vergangenen sieben Jahren - und ein Novum. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vujin sehr selbstbewusst

THW-Kapitän Marcus Ahlm, der wie Daniel Narcisse, Thierry Omeyer und Momir Ilic den Verein am Saisonende verlassen wird, erklärte:

"Wir wollen diesen eigenartigen Fluch, dass sich der Titelverteidiger im Folgejahr nie für das Finalturnier qualifiziert, endlich beenden."

Marko Vujin, der bis zum Sommer selbst für die Ungaren spielte, sagte trocken: "Wir sind Kiel - wir gewinnen in Veszprem und fahren dann nach Köln!"

Nagy: "Glauben an uns"

Doch da haben die selbstbewussten Ungarn etwas dagegen. MKB-Coach Carlos Ortega stellte bereits vor der starken Partie in Kiel eine einfache Rechnung auf: "Wir fahren nach Köln, wenn wir in Kiel mit weniger als vier Toren Unterschied verlieren."

Obwohl der Serienmeister nach diesem Zahlenspiel bereits für das Semifinale qualifiziert ist, hält sich der Spanier zurück.

"Der THW Kiel ist auch in der Lage, überall auf der Welt auswärts zu gewinnen. Leider haben wir in Kiel einen Sechs-Tore-Vorsprung verspielt, aber ich war trotzdem stolz auf meine Mannschaft. Jetzt wollen wir zum Final Four - auch wenn es schwer wird."

Und Superstar Nagy, im Hinspiel mit elf Toren überragender Akteur, versprach: "Wir glauben an uns."

Flensburg vor dem Aus

Das zweite Viertelfinale mit deutscher Beteiligung scheint bereits entscheiden (So., ab 18.30 Uhr LIVESCORES).

Nachdem der HSV Hamburg nach einer überragenden zweiten Halbzeit mit 32:26 (14:15) bei der SG Flensburg-Handewitt gewann, glaubt bei der SG so recht keiner mehr an ein Weiterkommen.

"Das ist sehr bitter, wir wollten mit einem ganz anderen Ergebnis nach Hamburg fahren. Jetzt wird es ganz schwierig", sagte Rückraum-Ass Steffen Weinhold: "Uns fehlt die Eigenschaft, in den entscheidenden Situationen die Big Points zu machen."

Für Schwalb noch nichts entschieden

Auch für Kretzschmar scheint das Duell der beiden Nordrivalen, die sich in dieser Spielzeit bereits zum siebten Mal gegenüber stehen, bereits entschieden.

"Die Hamburger lassen sich zu Hause den Sechs-Tore-Vorsprung nicht mehr nehmen", glaubt Kretzsche: "An einen Husarenritt der Flensburger zu glauben, fällt mir jedenfalls schwer."

HSV-Coach Martin Schwalb gibt sich nach dem zweiten Sieg im sechsten Duell trotzdem noch zurückhaltend:

"Wir haben jetzt erst Halbzeit. Wir konnten das Ding zwar drehen, aber das ist noch kein Fingerzeig in Richtung Köln. Bis dahin müssen wir noch viel tun und 60 Minuten weiterkämpfen."

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