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Stein des Anstoßes: Das Champions-League-Finale 2007 in Kiel gegen Flensburg © imago

Der Bestechungsverdacht gegen den THW ist für die Liga ausgeräumt. Die Kieler klagen nicht. Mister X bleibt noch ohne Namen.

Hamburg - Es begann wie eine Staatsaffäre und endete wie ein trautes Familientreffen:

Als am Montagabend fünf der wichtigsten Funktionäre des deutschen Vereinshandballs aus dem "Vorstandszimmer" des Hamburger Hotels Gastwerk ins Blitzlichtgewitter traten, war von dem befürchteten Erdbeben eines Bestechungsskandals beim Branchenprimus THW Kiel nicht mal die leiseste Erschütterung geblieben.

Alle Fragen geklärt, keine Zweifel angebracht, Verdacht ausgeräumt - so die offizielle Darstellung.

100-minütige Krisensitzung

In einer 100-minütigen Krisensitzung hatten sich die Vertreter des Ligaverbandes HBL mit den tags zuvor veröffentlichten Manipulationsvorwürfen beim Rekordmeister (Manipulierte Kiel seit 2000?) befasst und schließlich die Beteuerungen von THW-Manager Uwe Schwenker als ausreichend erachtet.

"Schwenker hat mir sein Ehrenwort gegeben, dass die Vorwürfe nicht stimmen", sagte HBL-Aufsichtsrat Dieter Matheis, der den Stein durch eine schriftliche Anfrage zu den Gerüchten um eine Beeinflussung des Champions-League-Finals 2007 durch die siegreichen Kieler ins Rollen gebracht hatte.

Weitergehende Recherche folgen

Überhaupt war bei allen Beteiligten das Bemühen zu erkennen, die undurchsichtige Affäre möglichst schnell zu beenden und damit weiteren Schaden vom ohnehin krisengeschüttelten deutschen Handball fernzuhalten.

"Um einen Imageschaden zu verhindern, hätte ich mir eine interne Aufarbeitung der Vorwürfe gewünscht", erklärte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann vielsagend.

Weitergehende Recherchen zu dem Fall seien nun den Verbandsgremien - Präsidium und Aufsichtsrat - bei ihren Treffen in dieser Woche vorbehalten.

Keine Verleumdungsklage des THW

Schwenker selbst wirkte nach dem Treffen erleichtert. Nachdem er bei seiner Ankunft in Hamburg in Begleitung des Kieler Anwalts Mathias Nebendahl kommentarlos an den zwei Dutzend Mikrofonen und TV-Kameras vorbeigelaufen war, fiel auch seine anschließende Stellungnahme eher knapp aus.

"In der Sitzung hat es keinerlei Anhaltspunkte gegeben, dass irgendwas an den Vorwürfen dran ist. Damit ist die Sache für uns erledigt", so der 49-Jährige.

Die Möglichkeit einer Verleumdungsklage durch den THW schloss der Ex-Nationalspieler indes aus.

Mattheis: Löwen nicht der Auslöser

"Aufgrund der Wucht der Vorwürfe hielten wir es im Verein für besser, dass mich unser Rechtsbeistand zu dieser Sitzung begleitet. Aber wir werden keine rechtlichen Schritte verfolgen", erklärte Schwenker.

Zudem habe er angeblich keine Hinweise darauf, wer die Verdächtigungen in Umlauf gebracht hat. "Das weiß ich nicht", versicherte der THW-Geschäftsführer.

Matheis widersprach in dem Zusammenhang allen Mutmaßungen, der Kieler Ligakonkurrent Rhein-Neckar Löwen sei Auslöser der Affäre gewesen. "Den Brief an Uwe Schwenker habe ich in meiner Funktion als Aufsichtsrat der HBL geschrieben. Das geschah unabhängig davon, dass ich zugleich im Beirat der Löwen sitze", sagte der ehemalige Finanzvorstand von Löwen-Sponsor SAP.

"Das wollte ich geklärt wissen"

In dem persönlichen Schreiben von Matheis an Schwenker war von mehreren manipulierten Spielen der Kieler seit 2000 die Rede - konkret das Finalrückspiel der Champions League am 29. April gegen die SG Flensburg-Handewitt (29:27). (DATENCENTER: Die Champions League)

"Als ich von dem Gerücht gehört habe, wollte ich diesen ungeheuerlichen Vorwurf geklärt wissen", sagte der Löwen-Funktionär.

Die Rivalität zwischen den Mannheimern und Abonnementmeister Kiel hatte sich zuletzt im Streit um einen möglichen Transfer von Welthandballer Nikola Karabatic vom THW zu den Löwen zugespitzt.

Schwenker glaubt nicht an Verstrickung von Serdarusic

Zudem hatte der frühere Kieler Meistercoach Noka Serdarusic, der im Sommer nach persönlichen Differenzen mit Schwenker von seinem Ex-Klub entlassen wurde, vor wenigen Wochen einen Dreijahresvertrag bei den Badenern unterschrieben.

Dieser wurde wegen gesundheitlicher Probleme von Serdarusic mittlerweile aufgelöst.

Eine Verwicklung des 58 Jahre alten gebürtigen Jugoslawen in die Sache schließt Schwenker aus: "Das kann ich mir nicht vorstellen."

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