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Henning Fritz wechselte 2007 vom THW Kiel zu den Rhein-Neckar Löwen © getty

Die "Löwen" treten am Sonntag zum CL-"Endspiel" gegen Chambery an. Henning Fritz gibt sich bei Sport1.de kämpferisch.

Von Julian Meißner

München - Nachtragend ist Henning Fritz nicht.

Der Weltmeister von 2007 ist der einzige Spieler im Kader der Rhein-Neckar Löwen, der schon unter Noka Serdarusic (Serdarusic im Interview) gearbeitet hat - dem Star-Trainer, dessen Verpflichtung für den aufstrebenden Klub nun geplatzt ist.

"Ich hatte mich auf Noka gefreut, weil ich denke, dass er ein sehr guter Trainer ist", sagt Fritz im Gespräch mit Sport1.de: "Er hätte die Mannschaft so aufstellen und formen können, dass sie erfolgreich ist."

Von 2001 bis 2007 spielte Fritz in Kiel unter dem Bosnier, hatte am Ende seiner Zeit im hohen Norden jedoch ein miserables Verhältnis zu dem eigenwilligen Strategen.

Flucht nach Baden

Als "ganz, ganz schlechten Mann" bezeichnete der erfolgreichste Klub-Coach der Welt den damaligen deutschen Nationalkeeper einst und setzte "Fritze" kurzerhand auf die Tribüne.

"Gegen Windmühlen" kämpfte dieser nach eigener Aussage und entschied sich trotz des zerrütteten Verhältnisses, seine Option auf eine Vertragsverlängerung bis 2009 zu ziehen.

Schließlich trat er doch die Flucht nach Baden an, wo das Wiedersehen der einstigen Streithähne nun spektakulär platzte.

"Wirbel nicht förderlich"

Die Löwen kommen generell nicht aus den Schlagzeilen: Erst das Theater um Nikola Karabatic (Maulkorb für Karabatic) , dann die mysteriöse Absage Serdarusic' (Serdarusic sagt Löwen ab) und nun die Verstrickung in die vermeintliche Bestechungsaffäre um den THW Kiel.

Und das, wo die Bundesliga-Saison langsam in die entscheidende Phase geht und die Löwen vor ihrem "Endspiel" um den Viertelfinaleinzug in der Champions League gegen Chambery Savoie HB (So., 17.30 Uhr, LIVESCORES) stehen.

"Der ganze Wirbel ist für unsere Situation sicher nicht förderlich. Im Unterbewusstsein spielt das eine Rolle, ganz klar", gibt Fritz zu: "Aber wir sind Profis. Wenn wir aufs Feld gehen, müssen wir solche Sachen ausblenden."

Sieg ist Pflicht

Gegen die Franzosen muss ein Sieg (Ergebnisse der Gruppe 2) her, will man das Viertelfinale der Königsklasse aus eigener Kraft erreichen.

Mariusz Jurasik gibt die Marschroute für das Spiel in der Karlsruher Europahalle vor: "Chambery steht sehr gut in der Abwehr. Aus der guten Defensive laufen sie schnell nach vorne und sind per Gegenstoß gefährlich. Unsere Aufgabe ist es, ein gutes taktisches Mittel gegen die Abwehr zu finden. Wenn wir die Defensive von Chambery knacken, werden wir auch das Spiel gewinnen."

Trainer gesucht

Ein Erfolg gegen das Team um "Air France" Daniel Narcisse würde auch Wolfgang Schwenkes Karten im Poker um den Trainerposten bei den Badenern verbessern.

Laut Manager Thorsten Storm ist Schwenke, der im September vergangenen Jahres Juri Schewzow ? zunächst mit Christian Schwarzer als Adjutanten - ablöste, durchaus eine Option für nächste Saison.

Die Alternativen heißen Ola Lindgren, dessen Nordhorner seit Donnerstag als zweiter Zwangsabsteiger nach dem TuSEM aus Essen feststehen, und Staffan Olsson. Die beiden coachen derzeit als Gespann die schwedische Nationalmannschaft. 63677(DIASHOW: Die Rhein-Neckar Löwen rüsten auf)

Verpflichtung Lindgrens rückt näher

"Momentan gibt es viele Gerüchte", relativiert Fritz: "Aber beide leisten gute Arbeit und wären eine Möglichkeit. Der schwedische Handball steht für Schnelligkeit und Variabilität, gerade im Angriff. Das ist das, was wir brauchen."

Laut Storm (Löwen-Manager Storm im Interview) finden derzeit keine Gespräche mit weiteren Kandidaten statt.

Die Verpflichtung Lindgrens ist mit der Nordhorner Insolvenz jedenfalls näher gerückt, ein Ausscheiden in der Königsklasse könnte die Gespräche noch einmal beschleunigen.

Schwankende Leistungen

Geht es nach Fritz, tritt dieser Fall jedoch nicht ein.

"Leider ist unser Spiel momentan sehr schwankend", sagte er, nachdem er beim 32:29 (15:13)- Sieg über Nordhorn am Mittwoch jeweils eine Halbzeit glänzend und eine durchwachsen gehalten hatte.

"Oftmals bringen wir die beste Leistung, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Ich hoffe, das wird auch gegen Chambery der Fall sein."

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