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Noka Serdarusic (l.) wurde mit dem THW Kiel in 15 Jahren elfmal Deutscher Meister © imago

Der THW unter Druck: Die Rhein-Neckar Löwen haben offenbar konkrete Verdachtsmomente. Schwenker soll den Betrug gestanden haben.

München - Rekordmeister THW Kiel sieht sich neuen massiven Manipulationsvorwürfen ausgesetzt. Nachdem die Handball-Bundesliga (HBL) und der Europäische Verband EHF den Fall offiziell bereits zu den Akten gelegt hatten, brachte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" am Wochenende konkrete Zahlen auf den Tisch.

Der THW bestreitet auch die neuen Vorwürfe und spricht von "bösartigen Gerüchten", Manager Uwe Schwenker will noch am Montag rechtliche Schritte einleiten gegen Personen, die solche "verleumderische Gerüchte erfinden oder verbreiten".

"Die Anzahl der Spiele und der Betrag sind für uns neu", sagte HBL-Chef Frank Bohmann und kündigte bereits neue Nachforschungen an.

Kehrtwende am Sonntag

Ganz anders äußerte sich die HBL dann plötzlich am Sonntag, als Präsident Witte nach einer Telefonkonferenz des Präsidiums erklärte: "Wir werden keine weiteren Schritte einleiten. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nach wie vor keine belastbaren Fakten vorliegen."

Auch hätten sich die Zahlen nicht verändert, der "Spiegel" habe nur über Dinge berichtet, die bereits im Verlauf der Woche erörtert wurden. "Und der Spiegel hat offensichtlich auch keine Unterlagen oder Belege", sagte Witte.

Beschluss der Löwen-Gesellschafter

Das Magazin stützt sich auf Informationen aus dem Umfeld der Rhein-Neckar Löwen. Demnach existiert ein protokollierter Beschluss der Löwen-Gesellschafter, in dem diese davon ausgehen, dass Schwenker und der frühere THW-Trainer Noka Serdarusic Schiedsrichterbestechungen begangen haben sollen.

Nach Recherchen des "Spiegel" soll der THW bei mindestens zehn Champions-League-Spielen Schiedsrichter bestochen und sich auch den Finalsieg in der Königsklasse 2007 über die SG Flensburg-Handewitt mit 96.000 Euro erkauft haben.

Schwenker habe bei einem Treffen mit einem Löwen-Gesellschafter Bestechungen eingeräumt. "Diese Bestechungen seien einvernehmlich zwischen Herrn Schwenker und Herrn Serdarusic vorgenommen worden", zitiert das Magazin aus dem Beschluss.

"Falsch und frei erfunden"

Der Manager habe einige Wochen nach dem Champions-League-Erfolg bei einem Abendessen auf Mallorca praktisch die Bestechungen zugegeben und sich damit gebrüstet.

Auch im vergangenen Jahr sollen es die Kieler mit Bestechung im Finale gegen Ciudad Real versucht haben - die Schiedsrichter hätten aber das Geld des THW abgelehnt, nachdem der Gegner ihnen zuvor gekommen sei.

Der THW weist alle Vorwürfe in einer von Schwenker unterzeichneten Erklärung zurück. Es sei "falsch und frei erfunden, dass Uwe Schwenker gegenüber einem Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen Bestechungen bestätigt haben soll."

Serdarusic soll Mittelsmänner benannt haben

Serdarusic habe bei einem weiteren Treffen erklärt, er habe Kenntnisse gehabt von diversen Bestechungsversuchen und vollzogenen Bestechungen, und er habe teilweise mitgewirkt, indem er Mittelsmänner nannte, über die Schiedsrichter angesprochen wurden.

Bei einem Treffen in Serdarusics Haus soll er angeblich auch Belege und Kontoauszüge aus den Tagen kurz vor dem Final-Rückspiel der Champions League 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt (29:27) präsentiert haben. (DATENCENTER: Die Champions League)

Dass es dabei um 96.000 Euro gegangen sei, bestätigte der Beiratsvorsitzende der Löwen, Dieter Matheis, dem "Spiegel" in einem schriftlichen Statement.

Neue Arbeit für die Staatsanwaltschaft?

Ligaboss Bohmann hatte bereits nach der Sitzung am Mittwoch in Dortmund erklärt, dass man sich wieder zusammensetzen müsse, wenn es neue Fakten geben würde. (Kiel kommt nicht zur Ruhe)

In einem Brief hatte Matheis, der auch Aufsichtratsmitglied der HBL ist, Schwenker um die Aufklärung der Vorwürfe gebeten. Der Kieler Manager hatte bereits bei der HBL-Sitzung am vergangenen Montag sein Ehrenwort gegeben, nicht manipuliert zu haben.

Die Kieler Staatsanwaltschaft und der Europäische Handball-Verband (EHF) sahen bisher ebenso wie die HBL keinen Grund, in dieser Angelegenheit tätig zu werden und rechtliche Schritte einzuleiten. (Staatsanwaltschaft Kiel schaltet sich ein)

Die Staatsanwaltschaft forderte lediglich das Schreiben von Matheis an Schwenker an. "Möglicherweise wird jetzt aber auch die Staatsanwaltschaft noch einmal nachfragen", meinte Bohmann.

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