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Ex-Spieler Uwe Schwenker (r.) ist seit 1992 Manager des THW Kiel © imago

Nach den Details zu angeblichen Manipulationen in einem "Spiegel"-Bericht schaltet der THW Kiel die Staatsanwaltschaft ein.

Von Matthias Becker

München - Zweimal schon bezeichneten die Handball-Bundesliga und der THW Kiel die Affäre um angebliche Spielmanipulationen als erledigt.

Zweimal hat man sich offensichtlich getäuscht.

Nach den im "Spiegel" erneuerten und mit Details ausgeschmückten Vorwürfen gegen die Kieler hat der THW nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Die Veröffentlichung des "Spiegel" enthalte lediglich "erneut bösartige Gerüchte über den THW Kiel, ohne dass hierfür eine tatsächliche Basis vorhanden wäre", erklärte der Rekordmeister in einer von Geschäftsführer Uwe Schwenker unterzeichneten Mitteilung.

"Zeugenaussagen vom Hörensagen"

Deshalb hat THW-Gesellschafter Georg Wegner in einem Gespräch mit dem leitenden Kieler Oberstaatsanwalt Peter Schwab am Sonntag um die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens gebeten, wie Wegner den "Kieler Nachrichten" bestätigte.

"Der THW Kiel wird alles zur Unterstützung der Ermittlungen Notwendige beitragen", erklärte der Rechtsanwalt dem Blatt.

Bei dem Bericht des "Spiegel" handele es sich lediglich um eine Zusammenstellung von Gerüchten, Unterstellungen und Vermutungen für die es keinerlei Beweise oder Belege gebe, so Wegner weiter: "Auch Zeugenaussagen gibt es in diesen Berichten nur vom Hörensagen."

Man werde nun die notwendigen presserechtlichen, strafrechtlichen und zivilrechtlichen Maßnahmen ergreifen.

Mindestens zehn Spiele verschoben?

Der "Spiegel" beruft sich auf Informationen aus dem Protokoll zum Beschluss der Rhein-Neckar Löwen, den Vertrag mit Kiels Ex-Coach Noka Serdarusic zu kündigen.

Das Magazin berichtet, dass der THW bei mindestens zehn Champions-League-Spielen Schiedsrichter bestochen und sich auch den Finalsieg in der Königsklasse 2007 über die SG Flensburg-Handewitt mit 96.000 Euro erkauft haben soll. (Löwen-Verdacht: Zehn Spiele gekauft?)

Schwenker habe bei einem Treffen mit Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen Bestechungen eingeräumt.

"Diese Bestechungen seien einvernehmlich zwischen Herrn Schwenker und Herrn Serdarusic vorgenommen worden", heißt es demnach in dem Löwen-Beschluss.

Storm bestätigt Treffen mit Serdarusic

Während der THW den Bericht vehement dementiert, bestätigte Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm, dass die Gerüchte über Spielmanipulationen den Löwen von Serdarusic selbst bestätigt worden seien.

"Wir haben bei ihm gesessen, und er hat die Gerüchte bestätigt", sagte Storm bei "Eurosport".

Zudem besteht er darauf, dass die Gerüchte nicht aus den eigenen Reihen, sondern aus Kiel an den Verein herangetragen worden seien. Und bestätigte zugleich, dass sie der Grund für die Trennung des für die kommende Saison bereits verpflichteten Serdarusic gewesen seien: "Wir mussten uns von ihm trennen."

Schwenker bittet um Urlaub

Kiel-Manager Schwenker hat seinen Klub derweil um Urlaub gebeten, um sich in vollem Umfang gegen die Anschuldigungen zu wehren. "Dem haben wir natürlich zugestimmt", sagte Wegner den "Kieler Nachrichten".

Schwenker wird es auch darum gehen, die vielen direkten Anschuldigungen gegen ihn selbst zu widerlegen, die der "Spiegel"-Bericht enthält.

Der Manager habe einige Wochen nach dem Champions-League-Erfolg bei einer Feier auf der Finca von HSV-Boss Andreas Rudolph in geselliger Runde praktisch die Bestechungen zugegeben und sich damit gebrüstet.

Rudolph will nur offiziell aussagen

Rudolph bestätigte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", dass es dieses Treffen bei ihm gegeben habe.

Mehr wollte er dazu vorerst nicht sagen, es sei denn, er werde von offiziellen Stellen befragt.

HBL ist uneins

Diese offiziellen Stellen sind sich aber offensichtlich uneins, wie mit den Details aus dem "Spiegel"-Bericht umzugehen ist.

Während HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann gegenüber der "dpa" einräumte, der Artikel enthalte "neue Informationen, die wir bisher nicht kannten", sieht HBL-Präsident Reiner Witte keinen Grund, wieder aktiv zu werden:

"Das ist alles das, was wir behandelt haben. Das sind nur neue Gerüchte und Spekulationen."

Die Affäre deshalb zum dritten Mal für beendet zu erklären, dass verkniff sich Witte. Am Montag tagt in Wien die EHF. Es dürften einige Fragen aufkommen.

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