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Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen Licht ins Dunkel der Affäre bringen © getty

Die zentralen Figuren der Manipulationsaffäre sollen bald vom Staatsanwalt vernommen werden. Löwen-Manager Storm teilt aus.

Von Matthias Becker

München - Ermittlungsverfahren, Durchsuchungen und viel böses Blut:

In der Affäre um angebliche Spielmanipulationen durch Rekordmeister THW Kiel ist mehr als eine Woche nach Bekanntwerden der Vorwürfe alles andere als Ruhe eingekehrt.

Der vorläufige Höhpunkt der Entwicklung: Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Ermittlungsverfahren gegen THW-Manager Uwe Schwenker (Verdacht auf Untreue) und Ex-Trainer Noka Serdarusic (Verdacht auf Beihilfe zur Untreue) eingeleitet. (Staatsanwalt ermittelt gegen Schwenker)

Wie der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick Sport1.de bestätigte, sei es dabei unter anderem auch schon zu Durchsuchungen gekommen. Berichte, denen zu Folge auch die THW-Geschäftsstelle und Privatwohnungen der Verdächtigten durchsucht worden seien, wollte Wick weder bestätigen noch dementieren.

"Anfangsverdacht von Straftaten bejaht"

Sehr wohl bestätigen konnte er aber, dass unter anderem die in einem Bericht des "Spiegel" vorgebrachten Details zu den Manipulationsvorwürfen für die Aufnahme der Ermittlungsverfahren verantwortlich gewesen seien.

"Solange wir nur den Brief (den HBL-Aufsichtsrat Dieter Matheis an Uwe Schwenker geschrieben hatte, Anm. d. Red.) hatten, hatten wir ein Vorprüfungsverfahren, bis Freitag aber noch kein Ermittlungsverfahren. Unter anderem durch die Berichterstattung des 'Spiegel' sind wir der Auffassung gewesen, dass wir den Anfangsverdacht von Straftaten bejahen können", erklärte Wick Sport1.de.

Zu Einzelheiten der Ermittlungen wollte er hingegen keine Stellung nehmen: "Wir stecken mitten in sensiblen Ermittlungen, weil der THW ja auch etwas darstellt."

Zeugenvernehmungen stehen bevor

Klar ist nur, in den kommenden Tagen wird mit Hochdruck weiter an einer Klärung der Vorwürfe gearbeitet.

"Wir werden jetzt auch Zeugenvernehmungen vornehmen, zum Beispiel mit jenen, die im 'Spiegel'-Artikel erwähnt sind", sagte Wick.

Dies würde bedeuten, dass in den kommenden Tagen neben den Beschuldigten Schwenker und Serdarusic auch andere Schlüsselfiguren wie Jesper Nielsen, Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, oder HSV-Boss Andreas Rudolph von der Staatsanwaltschaft befragt werden könnten.(Kiel ergreift Flucht nach vorne)

Rudolph bestätigt Treffen

Rudolph, auf dessen Finca auf Mallorca Schwenker bei einem Treffen im Sommer 2007 die Manipulationen angeblich eingestanden haben soll, bestätigte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", dass es dieses Treffen bei ihm gegeben habe.

Mehr wollte er dazu vorerst nicht sagen, es sei denn, er werde von offiziellen Stellen befragt. Dies könnte nun bald passieren.

Nielsen hat die schweren Vorwürfe gegen Serdarusic und THW-Manager bereits konkretisiert. "Ich kann bestätigen, dass mir von Serdarusic Casino-Belege und Kontoauszüge gezeigt wurden, die den THW belasten", sagte Nielsen der Tageszeitung "Mannheimer Morgen".

Der THW antwortete noch am Montagabend mit einer Stellungnahme, in der es hieß, es seien "weiterhin keinerlei belastbare Fakten bekannt, die diese Gerüchte bestätigen".

EHF schaltet sich ein

Unterdessen hat sich auch die - für das vor allem in Frage stehende Champions-League-Finale 2007 eigentliche zuständige - Europäische Handball Föderation (EHF) eingeschaltet.

Präsident Tor Lian zeigte sich "sehr besorgt" und forderte eine "konsequente Aufklärung" des Falls.

Bei einem Treffen mit Geschäftsführer Frank Bohmann und Präsident Reiner Witte von der Handball-Bundesliga (HBL) am Montag in Wien vereinbarten beide Verbände eine enge Zusammenarbeit, um die Hintergründe der Affäre aufzuklären.

"Es wird keine weiteren Befragungen durch die HBL geben, aber wir werden unsere Unterlagen gerne der Staatsanwaltschaft und der EHF zur Verfügung stellen", meinte Witte am Montagabend.

"Bei den Stellen, wo es hingehört"

Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin und Mitglied des HBL-Präsidiums befürwortet das Eingreifen von Staatsanwaltschaft und EHF in die Affäre.

"Jetzt ist das Ganze bei den Stellen, wo es hingehört", sagte Hanning Sport1.de. Die HBL habe zu dem Fall bislang noch keine neue Sitzung anberaumt.

Storm: "Werde von überall angepisst"

Welche Ergebnisse die Ermittlungen der Behörden und der EHF auch immer hervorbringen, alleine die Begleitumstände der Causa Kiel werden die Szene noch lange beschäftigen.

Thorsten Storm, Manager der Rhein-Neckar Löwen, denen der Schwarze Peter für die Auslösung der Affäre immer häufiger zugeschoben wird, reagiert inzwischen äußerst gereizt.

"Ich werde von überall angepisst, dass ich den großen THW, das Zugpferd der Liga, schlachte. Ich habe doch nur Nachteile im Moment. Was habe ich davon?", sagte er der "dpa".

Storm bringt Flensburg ins Spiel

Einmal in Fahrt, brachte Storm auch noch einen weiteren Aspekt bezüglich der jüngsten Ermittlungen ins Spiel.

"Wir haben niemanden angeklagt. Es gibt einen Aufsichtsrat der HBL, der einen vertraulichen, persönlichen Brief geschrieben hat. Dieser Brief ist im Norden der Republik irgendwie in die Öffentlichkeit gekommen", sagte Storm und spielte damit offensichtlich darauf an, dass die ersten Meldungen zur Affäre ausgerechnet im "Flensburger Tagblatt", also in der Stadt des Kieler Champions-League-Finalgegners von 2007 veröffentlicht wurden:

"Da kann sich jetzt jeder seinen Reim drauf machen, wer davon einen Vorteil gehabt hat", erklärte der ehemalige Flensburger-Manager Storm vielsagend.

"Nicht mit Ruhm bekleckert"

Die HBL versucht derweil, erste Schlüsse aus der Affäre zu ziehen. Laut einem Bericht der "dpa" erwägt der Aufsichtsrat, einen unabhängigen Kontrollausschuss einzurichten, wie es ihn beispielsweise beim DFB schon gibt.

Dadurch soll gewährleistet werden, dass ähnliche Fälle in Zukunft professioneller behandelt werden.

Eines ist nämlich klar und wird sich auch unabhängig von den Ermittlungsergebnissen nicht mehr ändern, wie Storm zurecht feststellt:

"In dieser ganzen Sache hat sich der ganze Handball nicht mit Ruhm bekleckert, alle nicht."

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