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Gerd Butzeck vertritt die Interessen der 14 wichtigsten Klubs Europas © getty

GCH-Geschäftsführer Gerd Butzeck, spricht bei Sport1.de über den berüchtigten Finca-Abend auf Mallorca und ein rätselhaftes Protokoll.

Von Martin van de Flierdt

München - Die Verdachtsmomente in der angeblichen Kieler Manipulationsaffäre gegen THW-Manager Uwe Schwenker und Ex-Trainer Noka Serdarusic erhärten sich (Immer mehr Druck auf dem Kessel).

Zunächst bestätigte Jesper Nielsen, der Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, dem "Mannheimer Morgen", dass ihm "von Serdarusic Casino-Belege und Kontoauszüge gezeigt wurden, die den THW belasten" (Angst vor dem Super-GAU wächst) .

Dann ließ Andreas Rudolph, der Präsident des HSV Hamburg, der Kieler Staatsanwaltschaft eine schriftliche Stellungnahme zukommen. Darin gibt er seine Sicht über den Abend des 30. Juli 2007 preis, als Schwenker auf Rudolphs mallorquinischer Finca über Kieler Schiedsrichtermanipulationen gesprochen haben soll.(Staatsanwalt ermittelt gegen Schwenker)

"An diesem Abend wurde sehr viel getrunken, da wurde auch sehr viel dummes Zeug erzählt", erinnert sich der ebenfalls dort anwesende Gerd Butzeck bei Sport1.de. Der Geschäftsführer der Group Club Handball (GCH), des Zusammenschlusses der kontinentalen Top-Vereine, misst Rudolphs Aussage keine größere Bedeutung bei.

"Schwenker hat da nicht gesagt, dass er irgendwen bestochen hat", erklärt Butzeck. "Erheblich sind eher die Aussagen von Noka Serdarusic, die er gegenüber Thorsten Storm (Geschäftsführer der Rhein-Neckar Löwen, Anm.d.Red.) und Jesper Nielsen und in Anwesenheit eines Anwalts getätigt hat. Dieses Gespräch, das vier Stunden gedauert hat und durch den Anwalt protokolliert worden ist, kenne ich zwar nicht. Aber dieses Protokoll scheint es zu geben."

Kiels Kapitän Stefan Lövgren hat in der "Welt" unterdessen Zweifel an der Leistung der polnischen Schiedsrichter Miroslav Baum und Marek Goralczyk im angeblich verschobenen Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt zurückgewiesen.

Lövgren weist Kritik zurück

"Ich habe mir das Spiel jetzt im Nachhinein noch einmal angesehen. Es gab außer dieser Sache keine weitere umstrittene Entscheidung der Schiris - das sehen die Flensburger genauso", wird der Schwede zitiert.

"Es gibt immer ein paar Schiedsrichter-Entscheidungen, die falsch sind. Aber daraus darf man ihnen nicht zwingend einen Vorwurf machen."

Auch Butzeck glaubt, dass "die überwiegende Mehrheit der Schiedsrichter sauber ist". Gleiches gelte für die Vereine: "Aber sicher ist es im Sport so, dass der eine oder andere Idiot es mal mit unsauberen Mitteln versucht." Für ihn sei nun wesentlich, welche Schlüsse der Handball aus der Problematik ziehe.

Kein gutes Haar an Moustafa

"Wir müssen das System von Grund auf verbessern. Damit meine ich Hassan Moustafa, den Präsidenten des Welthandballverbandes", sagt der Funktionär. "Wenn wir einen Präsidenten haben, der dafür gesorgt hat, dass die Olympiaqualifikation neu gespielt werden muss, weil er irgendwelche Schiedsrichtermanipulationen vorgenommen hat, dann stinkt das System vom Kopf her."

In der asiatischen Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking war die Auswahl Kuwaits bei ihrem 28:20 im entscheidenden Spiel gegen die hoch favorisierten Südkoreaner von den Spielleitern krass bevorteilt worden.

Die angesetzten und eigens angereisten deutschen Spitzenschiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich aus Magdeburg waren zuvor auf nachdrücklichen Wunsch von oben kurzfristig durch die Jordanier Alshobali und Hirzallach ersetzt worden.

Lernen vom Basketball

Im alltäglichen Umgang mit den Unparteiischen könne sich der Handball Butzeck zufolge an anderen Sportarten orientieren. "Bei uns gibt es ja eine First-Class-Hospitality für die Schiedsrichter. Im Basketball ist das sehr viel besser gehandhabt. Dort werden die Schiedsrichternominierungen nicht bekannt gegeben", führt er aus.

"Die Schiedsrichter kommen eine Stunde vor dem Spiel in die Halle, die Vereine dürfen mit ihnen nicht sprechen. Wenn da eine Kontaktaufnahme erfolgt, muss das gemeldet werden. Fertig ist der Lack. Das ist nicht so schwierig."

Das sieht der europäische Verband EHF wohl nicht so. Denn bei dessen Sitzung am Montag in Wien war eine Reform des Schiedsrichtersystems, das laut Butzeck "so viele Mängel hat, die aber ganz leicht zu korrigieren sind", kein Thema.

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