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Der HSV bangt um den Einsatz von Guillaume Gille (M.) © imago

Trainer Martin Schwalb erläutert vor dem CL-Viertelfinale den Status quo im HSV-Lazarett und in Sachen Notverpflichtung.

Von Julian Meißner

München - Am Mittwoch geht es in der Flensburger Campushalle um den Einzug ins Halbfinale der Champions League.

Eines ist bereits im Vorfeld klar: Mindestens ein deutsches Team wird in der Runde der besten Vier dabei sein.

Flensburg empfängt den HSV Hamburg (ab 20 Uhr LIVE), und mit den beiden anderen deutschen Viertelfinalisten, den Rhein-Neckar Löwen und dem THW Kiel, stehen die Chancen auf ein rein deutsches Finale wie 2007 hervorragend.

Im Gespräch mit Sport1.de gibt HSV-Trainer Martin Schwalb vor dem Nord-Kracher einen Einblick in die Verfassung seines vom Verletzungspech geplagten Teams.

Der 45-Jährige erklärt auch, warum ihm die Bundesliga wichtiger ist und was er von den Manipulationsvorwürfen hält.ad

Sport1.de: Herr Schwalb, fällt es Ihnen angesichts der Negativschlagzeilen rund um den deutschen Handball schwer, sich auf das anstehende sportliche Highlight zu konzentrieren?

Martin Schwalb: Nein, ich bin mit ganzem Herzen Handballer und habe bei jedem Spiel Spaß. Hätte ich das nicht, wäre ich falsch in diesem Job.

Sport1.de: Der HSV tritt im deutschen Duell bei der SG Flensburg an. Ein Wunschlos für Sie?

Schwalb: Sicherlich waren auch noch andere Klubs für uns im Pott, gegen die wir nicht auch in der Bundesliga ran müssen. Aber auf der anderen Seite sind wir im Viertelfinale dem Titelverteidiger aus dem Weg gegangen, und wir ersparen uns zudem einen weiten Anfahrtsweg und die damit verbundene Strapazen. Daher ist das Los okay.

Sport1.de: Stichwort Verletzungssorgen: Wie sieht es bei den Lijewski-Brüdern und Guillaume Gille aus? Wie fit ist Pascal Hens nach der Pause?

Schwalb: Über einen Einsatz der Lijewskis werden wir kurzfristig entscheiden. Natürlich hoffen wir, dass sie in den verwaisten rechten Rückraum zurückkehren, die Chance liegt bei 50 Prozent. Guillaume Gille ist da noch einen Schritt weiter von einem Einsatz entfernt. Ebenso wie bei Stefan Schröder, der Rückenprobleme hat, wird es bei ihm wohl eher nichts werden. Pascal Hens hat die Pause sehr gut getan, er hat viel an seinen Beschwerden gearbeitet. Jetzt müssen wir schauen, was er im Spiel umsetzen kann.

Sport1.de: Was erwarten Sie von Oleg Velyky - könnte er die Lücke im rechten Rückraum füllen?

Schwalb: Oleg Velyky steht uns leider vorerst nicht wieder zur Verfügung, er ist trotz seines Einsatzes gegen den THW immer noch in der Reha. Umso mehr hoffen wir auf eine Rückkehr der Lijewski-Brüder auf ihre angestammte Position.

Sport1.de: Glenn Solberg soll als Notverpflichtung im Gespräch sein. Was ist da dran?

Schwalb: Angesichts der Verletzungsmisere der letzten Wochen wäre Glenn mit seiner Erfahrung sicherlich eine Option gewesen. Wir hoffen aber, dass wir bald wieder alle Spieler an Bord haben, auch für den Rest der Saison von weiteren Verletzungen verschont bleiben und daher in eine andere Richtung nicht mehr planen müssen.

Sport1.de: Auch die Flensburger sind personell enorm geschwächt. Viele Wechselmöglichkeiten gibt es nicht. Gewinnt die Mannschaft mit der besseren Physis?

Schwalb: Bei Spielen auf diesem Niveau ist die Physis sicherlich immer ein entscheidender Faktor. Flensburg hat eine sehr junge Truppe, die in den letzten Wochen gezeigt hat, was sie kann. Leicht wird es auf keinen Fall.

Sport1.de: Die Meisterschaft ist entschieden, im Pokal ist für Hamburg noch alles drin. Welchen Stellenwert hat die Champions League?

Schwalb: Die Champions League ist ein Extra für uns, das wir uns über die Bundesliga hart erarbeiten müssen. Wir haben das zum zweiten Mal in Folge geschafft und wollen natürlich so weit kommen wie möglich. Dennoch müssen wir den Grundstein in der HBL legen und uns da auch für die nächste Champions-League-Saison qualifizieren.

Sport1.de: Zurück zum unangenehmen Teil: Tag für Tag gibt es neue Enthüllungen über zumindest versuchte Manipulationen. Sie sind lange Jahre im Geschäft - überrascht oder gar schockiert Sie diese Entwicklung?

Schwalb: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Handball eine im Grundsatz ehrliche Sportart ist. Wer hier jedoch unfair den anderen gegenüber agiert, muss bestraft werden. Das ist aber nicht nur im Handball so, sondern auch im Fußball, im Radsport, in der Wirtschaft - überall.

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