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Mit neuer Geschlossenheit will die SG das "Wunder von Hamburg" schaffen © getty

Der HSV will vor ausverkauftem Haus das zweite Bein ins Halbfinale nachziehen. Die SG beschwört die Restchance im Rückspiel.

München - Während der HSV Handball schon die große Sause plant, beschwört die SG Flensburg-Handewitt ihre kleine Restchance.

Nach der 25:28-Heimpleite (Bärenstarker HSV mit einem Bein im Halbfinale) haben die Flensburger zwar im heutigen Viertelfinal-Rückspiel der Champions League (19 Uhr LIVESCORES) denkbar schlechte Karten. Doch sie können in der Color-Line Arena eine verkorkste Saison mit einem Schlag zum Guten wenden.

"Es muss schon ein kleines Wunder her und sicherlich benötigen wir eine gehörige Portion Glück, es ist jedoch noch alles möglich", sagt Fynn Holpert, Geschäftsführer der SG.

Verletzungsanfälligkeit der Top-Spieler

Und auch SG-Torwart Dan Beutler gibt sich trotzig: "Wir haben noch 60 Minuten. Wir werden kämpfen, auch wenn unsere Bank klein ist."

Genau diese Häufung an verletzten Stammspielern, dazu die Abgänge von Marcin Lijewski und Blazenko Lackovic vor der Saison in Richtung Hamburg, manövrierte die SG in eine missliche Lage.

In den letzten 14 Jahren nie schlechter als Vierter in der Liga, krebst die SG derzeit auf Platz sieben und ist im Pokal schon draußen. Daher ruhten vor dem Hinspiel in eigener Halle alle Hoffnungen auf dem Einzug ins Halbfinale der Champions League. "Es ist frustrierend, aber wir sind derzeit eben nicht besser", räumt Lars Christiansen im "Hamburger Abendblatt" ein.

Neues Mannschaftsgefühl nach Trainerwechsel

Der Vizemeister setzt auf die veränderte Mentalität innerhalb der Mannschaft, die seit dem Trainerwechsel im Winter erkennbar wurde. "Per Carlen setzt auf die Mannschaft als Einheit", erklärt Holpert.

Und Linksaußen-Star Christiansen, der seit 1996 für Flensburg auf Torejagd geht, ergänzt, er habe noch nie einen solchen Zusammenhalt erlebt. Jeder kämpfe für den anderen.

Mannschaftskapitän Michael V. Knudsen gibt ebenfalls nicht kampflos auf: "Sicherlich wird es schwer, doch das wussten wir vorher. Vielleicht gelingt uns eine Überraschung in Hamburg."

Jensen zurück nach Kreuzbandriss

Bei der Überraschung gerne mithelfen würde Johnny Jensen, der noch im Hinspiel (DATENCENTER: Die Viertelfinals der Champions League) auf der Tribüne Platz nehmen musste. Mit Sonderschichten im Kraftraum arbeitete er unter der Woche für das rechtzeitige Comeback. (Holpert zu Sport1.de: "Jensen muss aufpassen, was er sagt")

Ein großes Fragezeichen bleibt dennoch, da Jensen nicht mit der Mannschaft trainiert hat. "Ich fahre auf jeden Fall mit, weiß jedoch nicht, wie sich mein Knie bei Körperkontakt verhält."

Sicherlich fehlen wird hingegen trotz überstandener Schulterverletzung Alexander Petersson. Ein Einsatz gegen den HSV käme für ihn noch zu früh.

Ausverkaufte Arena erwartet

In Hamburg stellt man sich hingegen auf die Mega-Party ein. 12.500 Karten sollen mittlerweile verkauft sein. Trainer Martin Schwalb sagt in der "Hamburger Morgenpost" begeistert: "Die Leute rennen uns die Bude ein. Das ist der Hammer. Die Menschen erkennen an, was wir leisten. Wir wollen ihnen für die Treue etwas zurückgeben."

Trotzdem sind sich beim HSV sowohl Verantwortliche als auch Spieler einig, dass das Rückspiel kein Spaziergang wird. Andreas Rudolph mahnt: "Drei Tore Vorsprung sind ganz gefährlich. Ich hoffe nicht, dass sich die Jungs zu sicher fühlen."

Keine Blöße in der Liga

Die Generalprobe in der Liga gegen die Füchse Berlin haben die Hanseaten jedenfalls dank ihrer Souveränität mit 35:27 für sich entscheiden können.

Gerade Torhüter Johannes Bitter bestätigte erneut seine gute Form und konnte mit 20 Paraden glänzen(Alle Handball-News).

Auch Blazenko Lackovic, Torsten Jansen und Hans Lindberg zeigten sich in der Chancenverwertung äußerst zuverlässig.

Ehrung für Velyky

Allerdings verfolgt auch die HSVer das Verletzungspech. Kapitän Guillaume Gille plagt sich mit einer Wadenverletzung, und Heiko Grimm hat Rückenprobleme.

"Bei unserem Kapitän steht die Chance auf einen Einsatz bei 70 Prozent", sagte Martin Schwalb, "Heiko hatte ebenso wie Marcin Lijewski und Pascal Hens zuletzt nicht in vollem Umfang mittrainieren können. Bei den Dreien müssen wir sehen, ob ein Einsatz morgen Sinn macht."

Nach seinem Hexenschuss wieder einsatzbereit ist Rechtsaußen Stefan Schröder. Ebenfalls Hoffnungen auf ein Comeback auf internationaler Ebene darf sich der an Krebs erkrankte HSV-Spielmacher Oleg Velyky machen, der vom DSF und der "Handballwoche" zum Handballer des Monats März gewählt wurde.

Das klare Ziel hat der Hamburger Coach, der sich vor allem auf eine ausverkaufte Arena freut, dennoch ausgegeben: "Wir wollen ins Halbfinale. Dazu müssen wir von Beginn an mit höchster Konzentration ins Spiel gehen."

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