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Thorsten Storm wechselte 2007 aus Flensburg zu den Rhein-Neckar Löwen © imago

Löwen-Manager Thorsten Storm spricht im Interview mit Sport1.de über das CL-Halbfinale und die Schieflage des Handballs.

Von Julian Meißner

München - Die Dominanz der Bundesliga-Teams in der Champions League ist unübersehbar: Drei der vier Halbfinalisten in der Königsklasse kommen aus Deutschland.

Den Anfang machte der HSV gegen Flensburg (Hamburg rettet sich ins Ziel), es folgte der THW mit einer bärenstarken Vorstellung gegen RK Zagreb (Kiel schlägt Balic und Co.).

Zuletzt triumphierten die Rhein-Neckar Löwen über Medwedi Moskau (Löwen stürmen ins Halbfinale).

Die Badener stehen erstmals unter den besten vier Klubs Europas (DATENCENTER: Alles zur CL) .

Manager Thorsten Storm spricht im Interview mit Sport1.de über den Erfolg seines Teams, Wunschgegner für das Halbfinale und die Schieflage des Handballs.

Sport1.de: Herr Storm, ist der Einzug ins Champions-League-Halbfinale der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte der Löwen?

Thorsten Storm: Ja, in unserer jungen Geschichte ist das sicherlich das absolute Highlight.

Sport1.de: Die Saison begann etwas schleppend - sind Sie nun richtig stolz auf das Team?

Storm: Es ist schon toll, was in der Mannschaft abgeht und wie sie sich entwickelt. Man sieht zum Beispiel, dass Gudjon Valur Sigurdsson die absolut richtige Verpflichtung war. Er reißt die Leute richtig mit. Das Team wächst immer mehr zu einer Einheit zusammen.

Sport1.de: Sie fühlen sich also auch in Ihrer Arbeit bestätigt?

Storm: Auf meine Arbeit sollte man sich nicht fokussieren. Jeder, der an diesem Projekt mitarbeitet, tut das mit großer Leidenschaft. Dabei sollte man niemanden hervorheben.

Sport1.de: Wie gehen Sie die Halbfinals an? Kommt nun nur noch die Zugabe?

Storm: Die Mannschaft ist da recht ambitioniert. Aber wenn man sich die Gegner anschaut, dann sind wir schon der Newcomer. Wir sind weiter gekommen als geplant war und haben uns in der Champions League bisher optimal präsentiert. Die anderen drei waren ja bereits letztes Jahr im Halbfinale. Wir dagegen sind der Hecht im Karpfenteich. Aber die Mannschaft ist heiß und hat Spaß an dieser Rolle. Andererseits ist unsere Personaldecke mittlerweile doch sehr dünn.

Sport1.de: Grzegorz Tkaczyk und Sergej Schelmenko fallen verletzt länger aus. Planen sie noch eine Verpflichtung für den Rückraum?

Storm: Wir können nicht zaubern. Und wir haben ein Budget, das wir einhalten müssen. Da jetzt zwei Rückraumspieler langfristig ausfallen, droht uns ein Tanz auf der Rasierklinge. In der Bundesliga und dem Pokal haben wir ja auch noch Ambitionen. Aber die Regularien bieten nicht mehr viel Spielraum: Seit dem 15. Februar dürfen wir nur noch "Ruheständler" verpflichten. Da stellt sich die Frage, ob ein Spieler helfen kann, der nicht mehr im Profibereich aktiv ist.

Sport1.de: Kiel hat gerade Bruno Martini verpflichtet (Alle Handball-News).

Storm: Martini ist ein Torwart, Feldspieler sind ein anderes Paar Schuhe.

Sport1.de: Gibt es konkrete Überlegungen?

Storm: Natürlich habe ich mich nach dem Spiel gegen Tschechow mit Wolfgang Schwenke unterhalten. Es gibt Gespräche, mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

Sport1.de: Am Dienstag werden die Paarungen für das Halbfinale ausgelost. Haben Sie einen Wunschgegner?

Storm: Gegen Kiel spielen wir schon im Pokal und auch noch einmal in der Liga. Ein anderer Gegner wäre mir also lieber. Kiel hat zudem momentan die beste Mannschaft Europas.

Sport1.de: Die Manipulationsaffäre um den THW schwelt weiter (Weitere Zeugen belasten Schwenker) . Sie persönlich mussten anfangs eine Menge einstecken, als die Gerüchte ans Tageslicht kamen. Bekommen Sie mittlerweile auch Zuspruch?

Storm: Wir haben doch nichts gemacht, deshalb braucht uns auch niemand Zuspruch zu geben. Mir ist vor allem wichtig, dass mit der Situation richtig umgegangen wird. Ich habe den Eindruck, dass die Gremien im Handball momentan ein Stück weit überfordert sind.

Sport1.de: Haben die EHF und die HBL die richtigen Maßnahmen eingeleitet?

Storm: Es ist eine äußerst schwierige Situation. Optimal ist das Krisenmanagement sicher nicht. Die Außendarstellung die von uns rüberkommt, ist eine Katastrophe.

Sport1.de: Immerhin wird etwas getan, obwohl ja noch keine Manipulation tatsächlich bewiesen ist. Der erste Schritt auf dem Weg der Besserung?

Storm: Das ist wohl richtig. Allerdings geht die Problembewältigung recht zäh vonstatten. Entweder da war etwas, oder da war nichts. Wir befinden uns irgendwo dazwischen. Dem Handball fehlt neben schnell handelnden Gremien ebenso die klar und unabhängig denkende Persönlichkeit.

Sport1.de: Können die Löwen dazu beitragen, das zu verbessern?

Storm: Wir sind durch die Verpflichtung von Noka Serdarusic in diese Sache reingeschlittert und haben das Ganze dann gemeinsam arbeitsrechtlich beendet. Das Problem ist in Kiel und bleibt in Kiel. Man sollte schauen, dass man mit diesem Problem so professionell umgeht wie das die Mannschaft mit ihrer Aufgabe im Sport tut. Denn die eigentlichen Leidtragenden sind die Spieler, die 2007 völlig verdient die Champions League gewonnen haben.

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