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30./31. Mai: Zum sechsten Mal in Folge geht das Final Four der Handballer in der Champions League in Köln über die Bühne. Schaffen es wie 2014 der THW Kiel und Sensationssieger SG Flensburg-Handewitt (hier Holger Glandorf) gleich zwei deutsche Teams unter die letzten Vier?
Rückraumspieler Holger Glandorf steuerte im Finale fünf Tore für Flensburg beiZUM DURCHKLICKEN: Das Final Four 2014 in Köln © imago

Der Sensations-Coup von Köln ist für die SG Erlösung und Vergangenheitsbewältigung zugleich. Kiel reagiert traurig, aber gefasst.

Vom Final Four berichten Julian Meißner und Ann-Kristin Wottge

Köln ? Natürlich waren sie da, die dunklen Erinnerungen an das Finale der Champions League 2007, als die SG Flensburg-Handewitt das letzte Mal um Europas Krone kämpfte, auch damals gegen den THW Kiel.

Das entscheidende Rückspiel ging bekanntermaßen verloren.

Die Manipulationsvorwürfe gegen die Kieler, die den deutschen Handball danach jahrelang beschäftigten, sind mittlerweile offiziell ausgeräumt. Und dennoch war diese Partie so etwas wie ein Fanal für die Flensburger. In den Jahren danach standen sie nur zu oft in diversen Endspielen, und irgendwie verloren sie immer wieder.

Flensburgs unfassbare Energieleistung

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"Ich habe oft an 2007 gedacht und an alle, die damals den Titel verpasst haben", sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes, der im letzten rein deutschen Finale noch als Spieler aktiv war, am Sonntagabend in Köln mit stolzgeschwellter Brust.

Seine Mannschaft hatte kurz zuvor mit einer eigentlich unfassbaren Energieleistung dafür gesorgt, dass sie das Image des ewigen Zweiten erst einmal los ist.

Mit 30:28 (14:16) schlug Flensburg den favorisierten THW und holte sensationell den ersten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte (Bericht).

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"Flensburg wird Kopf stehen"

Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG, schwärmte: "Ein Märchen ist wahr geworden. Das war unbedingt notwendig, mal wieder einen richtig großen Titel zu gewinnen. Wir sind alle sehr stolz. Flensburg wird Kopf stehen."

Seine Mannschaft stellte so einiges auf den Kopf an diesem denkwürdigen Wochenende in Köln, einer Stadt, die bekannt ist für ihre Handball-Wunder. Hier wurde Deutschland 2007 Weltmeister, erst im vergangenen Jahr holte sich der HSV Hamburg hier völlig überraschend Europas wertvollsten Titel. (DATENCENTER: Die Champions League)

Und nun kamen die Flensburger. Als Underdog angereist warfen sie erst im Halbfinale Top-Favorit FC Barcelona nach einem Drama sondergleichen - inklusive Sechs-Tore-Rückstand, Verlängerung und Siebenmeterwerfen ? aus dem Wettbewerb (Bericht).

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Perfekter Abschluss für Vranjes, Knudsen und Eggert

Und auch gegen Kiel lagen sie mit sechs Treffern zurück, ehe sie vor 20.000 lärmenden Zuschauern das Blatt wendeten und am Ende den größten Erfolg der Vereinsgeschichte einfuhren. (SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen).

"Es wird noch ein paar Tage dauern, bis wir das hier begreifen. Ich muss es erst einmal sacken lassen", sagte Routinier Holger Glandorf: "Die Freude ist natürlich riesig. Wir haben Geschichte geschrieben. Das ist phänomenal."

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Und SG-Urgestein Michael Knudsen, der wie Vranjes und Anders Eggert schon im Finale von 2007 dabei war und die SG in Richtung Bjerringbro-Silkeborg verlassen wird, hätte sich keinen schöneren Abschied wünschen können.

"Das war das perfekte letzte Spiel. Ich bin einfach nur froh und kann es noch gar nicht verstehen. Wir haben so oft gegen Kiel verloren und jetzt das ? es ist unglaublich."

Zu sehr abhängig von Jicha und Palmarsson

Der Verlierer, der das Verlieren nun wirklich nicht gewohnt ist, war traurig, aber gefasst. THW-Trainer Alfred Gislason erklärte: "Für uns ist das fast schon ein logischer Saisonabschluss. Es war klar, dass wir Probleme bekommen würden."

Zu sehr ist sein Team von Filip Jicha und Aron Palmarsson abhängig, die sich beide seit Wochen schwer angeschlagen von Spiel zu Spiel schleppten und denen im Finale von Köln am Ende schlicht die Luft ausging.

Schon das Erreichen des Final Four war in Kiel im Jahr nach dem Umbruch als Erfolg gewertet worden, nach dem Gewinn der Meisterschaft im furiosen Fernduell mit den Rhein-Neckar Löwen war die Spielzeit ohnehin mehr als gerettet.

Sigurdsson spricht von Blackout

Und um ein Haar wäre es ja noch das Double geworden, hätte der THW nach furiosem Start in der zweiten Hälfte nicht einen "Blackout" (Gudjon Valur Sigurdsson) gehabt.

Ob der Einbruch auf Physis oder Psyche zurückzuführen war, das war dem gewohnt rational auftretenden Isländer, der dem Vernehmen nach bald im Barca-Trikot aufläuft, ziemlich egal.

"Das kann man drehen und wenden, wie man will", sagte er im Gespräch mit SPORT1: "Am Ende haben wir verloren, nur das zählt."

Gewinner und Verlierer, sie kennen sich in diesem Fall aufgrund der örtlichen Nähe und der langjährigen Rivalität natürlich bestens.

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Gemeinsam im Flieger gen Norden

Und ihr nächstes Aufeinandertreffen sollte nicht lange auf sich warten lassen. Beide Teams waren auf dem Weg von Köln zurück in die nordische Heimat auf den gleichen Flieger gebucht und traten am Montagvormittag den Trip nach Hamburg gemeinsam an.

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Die einen erschöpft und wahrscheinlich einfach nur froh, dass die Saison vorbei ist.

Und die anderen schwer übernächtigt, die größte Trophäe des Vereinshandballs im Gepäck, und im Gefühl, die dunklen Dämonen der Vergangenheit endlich besiegt zu haben.

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