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1. Juni: Die SG Flensburg-Handewitt gewinnt beim Final Four um die Champions League zwei Thriller binnen 24 Stunden. Erst besiegt das Team von Trainer Ljubomir Vranjes das Starensemble des FC Barcelona nach Siebenmeterwerfen, wobei sich der 20-Jährige Hampus Wanne mit dem entscheidenden Strafwurf unsterblich macht. Nach sechs Toren Rückstand im Finale gegen Kiel vernagelt dann Mattias Andersson den Kasten der SG, die erstmals die wichtigste Trophäe gewinnt
Für einen Moment der König der Welt: Hampus Wanne © imago

Nach Flensburgs Spektakelsieg über Barca kommt es beim Final Four in Köln zum deutschen Finale gegen Kiel um Europas Krone.

Vom Final Four berichten Julian Meißner und Ann-Kristin Wottge

Köln - Wer wissen will, wie es sich anfühlt, für einen Moment König der Welt zu sein, sollte mal bei Hampus Wanne nachfragen.

Der 20-Jährige mit dem lustigen Namen und dem Milchgesicht (Lieblingsgetränk: Cola) stand am Samstagabend auf dem Spielfeld der tobenden Kölner Lanxess-Arena, klopfte sich kurz auf die Brust, guckte cool ins weite Rund und ließ dann einen Jubel-Orkan über sich ergehen.

Wanne, der in seinen jungen Jahren noch nicht sonderlich viel Bemerkenswertes zur Handball-Historie beitragen hat, hatte mit einem ziemlich lässig verwandelten Strafwurf eines der dramatischsten Spiele der Champions-League-Geschichte entschieden (Bericht).

Und sorgte ganz nebenbei dafür, dass es am Sonntag (17.45 Uhr im LIVE-TICKER) zum ersten rein deutschen Finale in der Königsklasse seit dem denkwürdigen und viel diskutierten Duell 2007 kommt. Wieder heißen die Kontrahenten Kiel und Flensburg.

Faustdicke Überraschung

Dass die Kieler im Finale stehen, war im Jahr nach dem großen Umbruch an der Förde nicht unbedingt zu erwarten, aber dass der Gegner SG Flensburg und nicht wie von allen erwartet FC Barcelona heißt, ist tatsächlich eine faustdicke Überraschung.

41:39 (36:36, 32:32, 18:11). Nach Siebenmeterwerfen. Schon die nackten Zahlen lassen erahnen, was die 20.000 Zuschauer in der Halle für ein wahnwitziges Spiel sahen (DATENCENTER: Die Champions League)..

Imposant besetzte Spanier

Wie der sichere Sieger wirkten die so imposant besetzten Spanier, als sie in der 53. Minute noch mit 32:26 führten. Doch dann setzten die Flensburger zu ihrer furiosen Aufholjagd an, die erst in der Verlängerung und dann in besagtem Siebenmeterwerfen gipfelte, in dem Wanne dann für die SG zum Helden wurde.

Torhüter Mattias Andersson parierte gegen Barcelonas Superstar Nikola Karabatic und stieß die Tür zum Finale auf, dann verlud Wanne den 16 Jahre älteren Barca-Keeper Danijel Saric als gäbe es nichts Leichteres.

So richtig nachgedacht habe er nicht, wo er hinwerfen wolle, erzählte der Schwede hinterher und meinte mit leuchtenden Augen: "Saric, den habe ich schon spielen sehen, als ich noch zehn war. Und jetzt werfe ich ihn aus der Champions League."

[kaltura id="0_bobh29yu" class="full_size" title="Flensburger Reaktionen zum Finaleinzug"]

Glandorf bester Werfer

Als Wanne noch zehn war, um diesen Dreh könnte ungefähr Holger Glandorfs letztes Siebenmeterwerfen stattgefunden haben, so ganz sicher war sich der Nationalspieler da nicht.

"Man hat gesehen, was in dieser Mannschaft steckt", meinte der Linkshänder sichtlich stolz im Gespräch mit SPORT1: "Am Ende haben wir, glaube ich, auch verdient gewonnen. Kompliment vor allem an die Jungen, das war der Wahnsinn."

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Dabei hatte er selbst mit seinem Tor Sekundenbruchteile vor der Schlusssirene erst die Verlängerung ermöglicht und war mit acht Treffern bester Werfer seines Teams.

Eines Teams, das zuletzt 2007 zuletzt um Europas Krone kämpfte, damals gegen Kiel verlor, und dann erleben musste, wie der Gegner sich mit Manipulationsvorwürfen bezüglich jenes Finals konfrontiert sah.

Einiges an Brisanz

Es steckt also einiges an Brisanz in diesem Endspiel-Derby, das natürlich auch die Kieler mit aller Macht für sich entscheiden wollen. Wer der Gegner sein würde, sei ihnen völlig egal, betonten die THW-Profis durch die Bank nach ihrem vorangegangenen 29:26 (13:13) Halbfinalsieg gegen MKB Veszprem.

"Vor der Saison hätte ich nicht geglaubt, dass wir es so weit schaffen", sagte Kapitän Filip Jicha angesichts der massiven Personalwechsel beim Rekordmeister im vergangenen Sommer.

Zudem schleppen sich der Tscheche und auch Aron Palmarsson seit Wochen angeschlagen von Spiel zu Spiel. Aber nach der gewonnenen Meisterschaft soll nun natürlich auch in der Champions League der große Wurf her.

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Noch ein Ass im Ärmel

Und vielleicht hat THW-Trainer Alfred Gislason ja auch noch ein Ass im Ärmel. Er deutete zumindest am Samstag an, eventuell - auch notgedrungen - im Rückraum etwas mehr zu wechseln und vielleicht Wael Jallouz eine Chance zu geben.

Gegen Flensburg ist sein Team auf jeden Fall eher favorisiert, als es das gegen Barcelona, mit sieben Titeln Rekordtitelträger in diesem Wettbewerb, gewesen wäre.

"Ich glaube, wir haben im Finale eine gute Chance", meinte ein überglücklicher SG-Coach Ljubomir Vranjes dennoch augenzwinkernd.

"Wir holen das Ding"

Der kleine Schwede, der sich völlig zurecht selbst für seine cleveren wie mutigen Wechsel gegen Barcelona lobte, weiß schließlich selbst am besten, was seinem Team alles zuzutrauen ist.

Glandorf kündigte forsch an: "Ich hoffe, wir holen das Ding. Wird Zeit, dass wir das endlich mal gewinnen."

Hampus Wanne, am Samstag für einen kurzen Moment König der Welt, wird das ähnlich sehen. Auch wenn er mit seinen 20 Lenzen wohl nicht von "endlich" sprechen würde.

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