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Die SG Flensburg-Handewitt hat zum ersten Mal die Champions League gewonnen © getty

Die SG Flensburg-Handewitt legt im Finale gegen den THW ein grandioses Comeback hin und gewinnt erstmals die Champions League.

Aus Köln berichten Julian Meißner und Ann-Kristin Wottge

Köln - Als das nächste Handballwunder perfekt war, schlichen die Kieler Branchenriesen mit hängenden Köpfen vom Feld und ausgerechnet der Erzrivale aus dem hohen Norden versank in Konfettiregen und Champagnerdusche.

Die SG Flensburg-Handewitt hat einen Sensationscoup gelandet und den ersten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte gewonnen.

Wilde Aufholjagd von Flensburg

Im rein deutschen Endspiel des Final Four in Köln bezwang das Team von Trainer Ljubomir Vranjes nach einem weiteren wahren Kraftakt den Nord-Rivalen THW Kiel mit 30:28 (14:16).

In den Halbfinals am Samstag hatte die SG bereits in einer dramatischen Partie Top-Favorit FC Barcelona nach Siebenmeterwerfen niedergerungen, der THW sich vergleichsweise deutlich gegen Ungarns Meister MKB Veszprem durchgesetzt. (DATENCENTER: Die Champions League)

Und bei ihrer dritten Finalteilnahme nach 2004 und 2007, als es ebenfalls gegen den THW Kiel ging, bedurfte es ebenfalls einer wilden Aufholjagd der Flensburger.

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Im ersten Durchgang lag die SG zeitweise schon mit sechs Toren hinten, doch eine deutliche Leistungssteigerung nach der schwachen Anfangsphase brachte am Ende den umjubelten Erfolg.

"Das Größte vom Größten"

"Es gibt keine Worte, die Euphorie zu beschreiben, die man in so einem Moment empfindet", sagte Trainer Ljubomir Vranjes. Und Anders Eggert strahlte bis über beide Ohren als er sagte: "Das ist das Größte vom Größten."

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Dem THW dagegen war der Energiemangel am Ende einer langen Saison und die fehlenden Wechselmöglichkeiten deutlich anzumerken, daraus machten die "Zebras" auch keinen Hehl.

"Die Kraft war nicht mehr vorhanden", gab Kapitän Filip Jicha zu: "Es war ein hartes Spiel. Schade, dass es nicht geklappt hat. Glückwunsch an Flensburg."

In der äußerst intensiven Neuauflage des Finals von 2007 fiel eine Vorentscheidung Mitte des zweiten Durchgangs, als Flensburgs Torhüter Mattias Andersson sich in einen Rausch spielte und der THW zusehends abbaute.

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Kiel legt furios los

Auf Seiten der Flensburger trafen Eggert und Lasse Svan (beide 7) am häufigsten, unumstrittener Matchwinner war jedoch der überragende Andersson. Erfolgreichster Werfer für den THW war Aron Palmarsson (6).

Kiels Trainer Alfred Gislason begann mit einer offensiven 3:2:1-Formation mit Jicha auf der Spitze und setzte direkt den gegnerischen Rückraum unter Druck. Die SG leistete sich dann auch schnell einige Fehler im Aufbau, die der THW über sein gefürchtetes Tempospiel in Tore ummünzte.

Palmarsson traf ansatzlos zum 4:1 (6.), Gudjon Valur Sigurdsson legte drei Minuten später mit einem Gegenstoß zum 6:2 und der ersten deutlicheren Führung nach.

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Vranjes reagierte und wechselte im Rückraum Jim Gottfridsson für Drasko Nenadic und Steffen Weinhold für Holger Glandorf ein. Beim 8:3 (11.) für die Kieler bat der SG-Coach zur ersten Auszeit, doch erneut der glänzend aufgelegte Sigurdsson erhöhte wenig später mit einem Konter-Doppelpack zum 11:5 (16.).

Per Kempa-Trick zur Führung

Erst danach fing sich die SG und zeigte wie schon im Halbfinale gegen Barcelona ihre spielerische und kämpferische Qualität. Bis zum Pausenpfiff kämpften sich die Flensburger gestützt auf Andersson zwischen den Pfosten wieder auf zwei Tore heran, vor allem über Treffer der starken Außen Svan und Eggert.

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Auch anfangs des zweiten Durchgangs blieb der THW zunächst dominant, ließ aber einige Chancen aus, so dass Thomas Mogensen beim 19:19 den Ausgleich für die SG erzielen konnte.

Als Eggert per Kempa-Trick die erste SG-Führung markierte 20:19 (40.), war es an Gislason, die Grüne Karte zu ziehen. Zudem wechselte er den im Halbfinale überragenden Keeper Andreas Palicka für Johan Sjöstrand ein.

Flensburg spielt sich in Rausch

Doch Flensburg spielte nun wie im Rausch. Andersson vernagelte hinten das Tor, vorne zeigte Glandorf seine Shooterqualitäten. Beim 23:20 (43.) war das Momentum gekippt.

Kiel kämpfte und versuchte alles, wirkte in der entscheidenden Phase aber schlicht platt. Und so blieb die SG in der Schlussphase immer am Drücker und legte vor.

Der THW kam noch einmal auf ein Tor heran (25:26/53.), aber mehr war nicht drin gegen diese fulminanten Flensburger, die mit dem Abpfiff das Feld stürmten und die große Party starteten.

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Kiel muss sich in diesem Jahr nun mit dem dramatisch erkämpften Meistertitel begnügen und dem Erzrivalen zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte gratulieren.

Und wie schon im Vorjahr mit dem HSV Hamburg nimmt ein Überraschungsteam den Titel aus Köln mit.

Am Montag geht es zurück in den Norden, die große Sause nahm schon vorher ihren Lauf. Michael Knudsen verkündete: "Wir feiern die ganze Nacht."

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