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Rainer Osmann tritt als Bundestrainer die Nachfolge von Armin Emrich an. © getty

Rainer Osmann hat sich als Bundestrainer viel vorgenommen. Bei der WM in China steht nun die erste wirkliche Prüfung bevor.

München/Wuxi - Mit vier Siegen in der Vorbereitung - zuletzt zweimal gegen die Niederlande - aber ohne die beiden Starspielerinnen Nadine Krause und Grit Jurack war die deutsche Nationalmannschaft der Frauen nach China aufgebrochen.

Dass es vor der WM (ab Sa., noch nicht rund läuft bemerkte Bundestrainer Rainer Osmann nicht erst nach der verpatzten Generalprobe gegen Ungarn (19:24). Dennoch geht Osmann mit einem guten Gefühl ins Turnier:

"Unterm Strich muss ich mit der Vorbereitung zufrieden sein. Gegen die Niederlande haben wir uns in der zweiten Halbzeit vom ersten Spiel deutlich gesteigert. Das stimmt mich positiv", sagte der Coach.

Vor dem Auftaktspiel am Samstag gegen Dänemark (ab 14 Uhr LIVESCORES) verrät Osmann im Interview, wie er das Fehlen der Leistungsträgerinnen kompensieren will, nennt seine Ziele und die Favoriten.

Frage: Herr Osmann, acht Monate nach ihrem Amtsantritt gehen Sie bei der WM erstmals mit der deutschen Mannschaft in ein Großereignis. Wie groß ist diese neue Herausforderung für Sie?

Rainer Osmann: Diese Mannschaft hat in den vergangenen Jahren - außer bei Olympia - immer konstant im vorderen Bereich gespielt. Das ist eine Verpflichtung und ein besonderer Druck. Aber es erfüllt mich mit Stolz, dass wir zur WM fahren dürfen. Ich habe ein Stückchen Lampenfieber.

Frage:Was wollen Sie mit der recht jungen Mannschaft in China erreichen?

Osmann: Die Hauptrunde wäre in dieser Konstellation schon ein großer Erfolg. Ich habe mir von jeder Spielerin ein persönliches Ziel geben lassen. Ich will von jeder wissen, warum sie in der Nationalmannschaft spielt. Ich will von jeder hören, welche Rolle sie spielen will. Jede Einzelne muss 100 Prozent geben. Wenn nicht jede alles gibt, dann können wir zusammen auch nicht alles erreichen.

Frage: Mit Grit Jurack und Nadine Krause fehlen die zwei besten Spielerinnen.

Osmann: Mit Nadine und Grit fehlen uns zwei Hauptstützen, aber wir haben große Talente auf ihren Positionen mit Susann Müller oder Franziska Mietzner. Meine Hoffnung ist, dass wir unbekümmert auftreten können. Ich versuche, den Druck von der Mannschaft wegzunehmen. Wir definitiv kein Favorit in dieser Gruppe sind. Die Frage ist, mit welcher Konstanz wir ein so großes Turnier spielen können. Ich weiß, dass wir Schwankungen unterliegen werden.

Frage: Nimmt der Ausfall von Krause und Jurack möglicherweise auch etwas Druck von der Mannschaft? Gerade beim desolaten Abschneiden in Peking war die Erwartungshaltung ja ein großes Problem.

Osmann: Man setzt sich ja selbst immer unter Druck. Bei mir steigt dieser Druck, je näher das Turnier rückt. Die Mannschaft so zu formen, wie wir auftreten wollen, kostet mich so viel Kraft, dass ich mich mit Druck von außen erstmal nicht beschäftige. Aber mit Sicherheit kommt der, wenn es losgeht.

Frage: Sehen Sie denn in der letzten Zeit eine Entwicklung in der Mannschaft?

Osmann: Wir haben in der EM-Qualifikation einen kleinen Rückschlag erlitten, nicht in den Resultaten, aber in der Spielanlage. Die große Unbekannte ist eben die Frage, wie wir bei der WM fünf Spiele am Stück bestreiten können. Es war beim World Cup erkennbar, dass die Kurve schon nach unten ging. Und das lässt sich nicht alleine damit beantworten, dass möglicherweise die Physis schlecht ist, das kann auch die Psyche sein. Das Zusammensein, der tägliche Druck bei einer WM - es wird sich zeigen, wie jeder damit umgehen kann.

Frage: Langfristig, so haben Sie immer wieder betont, ist Ihr großes Ziel aber ohnehin London.

Osmann: Das Hauptziel ist es, zu den Olympischen Spielen 2012 eine gute Mannschaft zu stellen. Dazu ist es erforderlich, dass wir die WM 2011 spielen und uns dort qualifizieren. Wir müssen bei jeder EM und WM vertreten sein. Wir haben nun zwei Jahre, um uns darauf vorzubereiten.

Frage: Sehen sie sich als Bundestrainer in der Pflicht, das Gesicht des Frauenhandballs nach außen zu geben und den Frauenhandball an sich prominenter darzustellen?

Osmann: Mit Sicherheit. Aber die beste Möglichkeit ist natürlich das Sportliche. Wir sind alle in der Pflicht, alles dafür zu tun, dass wir den Frauenhandball nach außen so präsentieren wie wir uns selbst als Ziel das setzen, nämlich international erfolgreich zu sein. Deshalb freut es mich auch nach einem Länderspiel, wenn das Parkett voller Kinder ist, die mit ihren Autogrammwünschen kommen.

Frage: Zu guter Letzt: Wer sind Ihre Favoriten für WM?

Osmann: Norwegen und Russland muss man nennen. Vielleicht eine Überraschung mit Rumänien. Man muss sehen, ob aus unserer Gruppe eine Mannschaft so weit ist, da ganz vorne zu spielen. Aber die drei Genannten, denke ich, sind sehr weit.

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