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Seit April 2009 ist Rainer Osmann (mit Isabell Klein) Trainer der Frauen-Handballnationalmannschaft © imago

Vor der Frauen-Handball-EM in Dänemark und Norwegen spricht Deutschlands Nationaltrainer Rainer Osmann über die Ziele des Teams.

Von Jakob Gajdzik

Hildesheim/München - Von einer Favoritenrolle oder gar dem Gewinn des EM-Titels spricht Rainer Osmann nicht. Zumindest noch nicht.

Dennoch hält der Trainer der deutschen Frauen-Handballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Dänemark und Norwegen (7. bis 19. Dezember / LIVE im TV auf SPORT1) alles für möglich - trotz der verpatzten Generalprobe gegen Worldcup-Sieger Rumänien.

Mit Schweden, der Niederlande und der Ukraine als Gegner in der Vorrunde haben die deutschen Damen, die bei der letzten EM 2008 Platz vier erreicht haben, eine durchaus lösbare Aufgabe.

Bei SPORT1 spricht der 60-Jährige über den Umbruch in der Mannschaft, die knifflige Personallage vor der EM und die Qualifikation für Olympia.

SPORT1: Herr Osmann, am kommenden Dienstag beginnt die Europameisterschaft in Dänemark/Norwegen. Wie groß ist die Vorfreude?

Rainer Osmann: Nach der kurzen Vorbereitungsphase sehen wir dem Spiel am Dienstag gegen Schweden mit großer Freude entgegen, es wird mit Sicherheit eine spannende Herausforderung.

SPORT1: Drei Siege aus vier Spielen gegen Österreich und Rumänien. Doch die Generalprobe gegen Rumänien ging mit 30:31 daneben. Sind Sie mit der Vorbereitung dennoch zufrieden?

Osmann: Mit Sicherheit. Wir haben gegen Rumänien nicht gegen irgendjemanden verloren, sondern gegen ein Team, das ebenfalls leise Titelambitionen hegt. Das haben sie bereits mit dem Sieg beim Worldcup gezeigt. Die Niederlage war knapp, wir hätten das Spiel ebenso gewinnen können. Außerdem mussten wir mit Anja Althaus auf eine wichtige Spielerin verzichten.

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SPORT1: Nach zwei vierten Plätzen 2006 und 2008 sollen Sie nun als Ziel erneut das Halbfinale ausgegeben haben. Anja Althaus sprach sogar von Gold. Wie realistisch ist dieses Ziel?

Osmann: Ich habe das Halbfinale nicht als Ziel ausgegeben, es ist nur eine Platzierung, die anzustreben ist. Bevor man gemeinsam ein Ziel ausgibt, muss man auch wissen was dazu gehört, deswegen habe ich die Mannschaft vorher schriftlich befragt. Von Platz eins zu reden ist bei der Stärke der anderen Gegner spekulativ. Vorentscheidend wird die Vorrunde, ob man ohne Punktverlust in die Hauptrunde kommt, denn dann kommen erst die großen Kracher. Wir haben eine gute Mannschaft und ich bin überzeugt, dass wir eine gute Rolle spielen werden, aber wir sind mit Sicherheit kein Favorit.

SPORT1: Mit Jana Krause, Ulrike Stange und besonders Ex-Welthandballerin Nadine Krause fehlen wichtige Spielerinnen. Wie wollen Sie die Ausfälle kompensieren?

Osmann: Wir jammern nicht über Ausfälle, Nadine Krause etwa hat bereits über ein Jahr nicht mehr für die Nationalmannschaft gespielt. Die Mannschaft ist seit knapp einem Jahr im Umbruch, mit dem Ziel, uns für die olympischen Spiele 2012 zu qualifizieren. Dabei ist die EM eine Durchgangsstation. Wenn wir er schaffen die Belastung auf alle Schultern zu verteilen, dann können wir eine gute Rolle spielen. Die Mannschaft besitzt dennoch eine gute Qualität.

SPORT1: Grit Jurack wurde zur Welthandballerin 2010 nominiert. Wird sie das für die EM beflügeln?

Osmann: Ich freue mich sehr für Grit und denke, dass so eine Nominierung sicherlich einen Schub geben wird. Sie hat über Jahre das Gesicht des deutschen Frauen-Handballs mitgeprägt und hat mit uns ebenfalls das Ziel Olympia 2012. Sie hat nach ihrer Baby-Pause ein hervorragendes Comeback in Viborg gegeben, aber trotz ihrer Rolle muss sich in unser Spiel integrieren.

SPORT1: Wie wichtig ist eine so erfahrene Spielerin für die Mannschaft?

Osmann: Das wird sich im Nachhinein zeigen, auch wenn ich bin froh, dass so eine Spielerpersönlichkeit wieder bei uns dabei ist. Sie hat zuletzt in Viborg wieder starke Leistungen gezeigt und hatte maßgeblichen Anteil am Gewinn der Champions League. Solange eine solch gestandene Spielerin ihre Erfahrung den anderen Spielerinnen gut vermitteln kann, steht sie jeder Mannschaft gut zu Gesicht.

SPORT1: Was trauen Sie jungen Spielerinnen wie Susann Müller oder Franziska Mietzner zu?

Osmann: Beide Spielerinnen stellen die Zukunft des deutschen Frauenhandballs dar, aber ich erwarte von ihnen gegenüber der WM auch eine Leistungssteigerung. Bei der EM müssen sie das nachweisen.

SPORT1: Als Favoriten gelten Titelverteidiger Norwegen sowie Frankreich und Ungarn. Wer sind ihre Favoriten für den EM-Titel?

Osmann: Neben diesen Teams sollte man Spanien auf der Rechnung haben. Für eine Überraschung könnte Montenegro sorgen.

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