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Rainer Osmann ist seit April 2009 Frauen-Bundestrainer © getty

Wegen der Herzkrankheit des Bundestrainers befindet sich das Frauen-Nationalteam im Schwebezustand. Die Liga protestiert.

Frankfurt/Main - Die Alarmglocken schrillen seit Wochen ununterbrochen, aber von einem geordneten Krisenmanagement kann keine Rede sein.

Gut drei Monate vor der schweren WM-Qualifikation läuft den tief gestürzten deutschen Handballerinnen im Kampf um das Ticket für die Olympischen Spiele 2012 die Zeit davon.

Bundestrainer Rainer Osmann ist wegen Herzproblemen weiterhin krankgeschrieben, der erste Lehrgang nach dem EM-Debakel von Norwegen bereits ersatzlos gestrichen.

Und weil Stillstand Rückschritt ist, geht die Bundesliga jetzt auf die Barrikaden.

WM-Qualifikation rückt näher

"Alles rund um die Nationalmannschaft liegt brach, das ist ein absolut unzumutbarer Zustand", sagt Trainerin Renate Wolf vom Pokalsieger Bayer Leverkusen.

Stimmt durchaus, denn bereits Anfang Juni stehen die richtungweisenden Qualispiele für die WM 2011 in Brasilien gegen Ungarn an.

Klärungsbedarf um Osmann

Deshalb hat der Liga-Vorstand den Deutschen Handball-Bund (DHB) nun erstmal in der Causa Osmann um ein klärendes Gespräch gebeten.

Am Samstag findet die Unterredung vor der DHB-Präsidiumssitzung in Hannover statt. "Wir wollen auf den Stand gebracht werden.

Deswegen muss zum Beispiel auch die Frage gestattet sein, wie lange Rainer Osmann noch ausfällt. Es ist kein Zustand, wenn das Nationalteam im Stillstand verharrt", sagt Kay-Sven Hähner.

Der Manager des deutschen Meisters HC Leipzig sitzt auch im Ligavorstand.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News

Bredemeier: "Das ist Polemik"

Der DHB kann die harsche Kritik der Klubs nicht nachvollziehen.

"Wir sind in ständigem Kontakt mit Osmann und dem Liga-Vorsitzenden Berndt Dugall. Die derzeitigen Angriffe finde ich unmotiviert. Das ist Polemik", sagt DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier: "Es kommt immer mal vor, dass ein Lehrgang abgesagt wird."

Trainerwechsel dementiert

Der Leistungssport-Beauftragte will von Gerüchten über einen anstehenden Trainerwechsel nichts wissen.

Bredemeier: "Rainer Osmann ist krankgeschrieben, aber er ist und bleibt unser Bundestrainer." Der 60-jährige Eisenacher, der seit April 2009 im Amt ist, hat einen bis 30. Juni 2012 befristeten Vertrag.

EM-Blamage noch nicht analysiert

Den Spielerinnen, die im Dezember das erste EM-Vorrundenaus einer DHB-Auswahl nicht verhindern konnten, schwant angesichts der ganzen Situation Übles.

"Das Nationalteam befindet sich in einer Art Schwebezustand", sagte Torhüterin Clara Woltering der "Handballwoche".

Der Leverkusenerin liegt noch immer der wegen Osmanns Erkrankung ausgefallene Lehrgang im Januar im Magen: "Nach dem EM-Desaster wäre sicherlich einiges aufzuarbeiten gewesen."

Stattdessen wurde nach dem blamaben 13. Platz bei der EM wichtige Zeit vergeudet. Eine detaillierte Analyse mit der Mannschaft, in der es eine der Leistung nicht gerade förderliche Grüppchenbildung geben soll, hat bisher jedenfalls nicht stattgefunden.

Olympia-Aus droht

Ob Osmann die Mannschaft an Ostern bei einem Vierländer-Turnier im Saarland mit Europameister Norwegen, Frankreich und Spanien betreuen kann, steht in den Sternen.

Die Veranstaltung dient als Härtetest für die WM-Qualispiele am 4./5. und 11./12. Juni. Sollte die Weltmeisterschaft in Brasilien im Dezember 2011 verpasst werden, wäre auch die letzte Chance auf das Olympia-Ticket dahin.

"Das wäre ein Imageverlust von enormem Ausmaß. Dieser Erdrutsch hätte Konsequenzen für die nächsten Jahre", sagt Renate Wolf.

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