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Rainer Osmann war seit April 2009 Frauen-Bundestrainer © imago

Eine Task Force sucht Ersatz für den erkrankten DHB-Coach. Der Nachfolger kommt wohl aus den Reihen der Klubs, die Sturm laufen.

Frankfurt - Ins lange Zeit brach liegende Krisenmanagement der deutschen Frauenhandball-Nationalmannschaft ist Bewegung gekommen.

Der derzeit krankgeschriebene Bundestrainer Rainer Osmann wird sein Amt vorzeitig niederlegen. Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News

"Er hat zum 30. Juni 2011 um die Beendigung seines Vertrages gebeten. Bis dahin steht er de facto nicht mehr zur Verfügung", sagte Berndt Dugall, der Vorsitzende der Frauen-Bundesliga (HBF).

Vizepräsident Horst Bredemeier vom Deutschen Handball-Bund (DHB) wollte dies noch nicht endgültig bestätigen. "Es kann sein, dass es dazu kommt. Die endgültige Entscheidung wird aber erst in den nächsten Tagen fallen", erklärte Bredemeier.

Er hatte zuvor dem erweiterten DHB-Präsidium das Ergebnis einer vertraulichen Unterredung mit Osmann mitgeteit. Eine definitive Beschlussfassung gebe es noch nicht, teilte der DHB am Sonntag mit.

Osmann mit Herzproblemen

Der 60-jährige Osmann hatte den Posten im April 2009 von Armin Emrich übernommen. Bei der EM im vergangenen Dezember in Norwegen und Dänemark hatte die DHB-Auswahl nach einem Debakel die Hauptrunde verpasst und war auf Platz 13 gelandet.

Osmann, dessen Vertrag ursprünglich bis Juni 2012 lief, war seit Anfang Januar wegen Herzproblemen krankgeschrieben. Der Eisenacher wollte sich am Sonntag auf Anfrage nicht zu seiner Zukunft äußern.

Der DHB und die HBF hatten am Wochenende eine sechsköpfige Arbeitsgruppe gebildet, um zeitnah einen Nachfolger für Osmann präsentieren zu können. Bereits Anfang Juni stehen die richtungweisenden Qualifikationsspiele für die WM 2011 in Brasilien gegen Ungarn an.

Sollte die Weltmeisterschafts-Teilnahme verspielt werden, könnte das DHB-Team auch nicht mehr das Ticket für Olympia 2012 in London lösen. "Die Situation ist extrem schwierig", meinte Dugall.

Bundesliga-Trainer als Übergangslösung

Schon in dieser Woche sollen bei einem ersten Treffen der Task Force, in der drei DHB- und drei HBF-Vertreter sitzen, die Weichen für die nahe Zukunft gestellt werden.

Geplant ist auf der Trainerposition zunächst eine Übergangslösung für die Spiele gegen Ungarn am 4./5. und 11./12. Juni.

Voraussichtlich wird der Kurzzeit-Coach ein Trainer der Bundesliga sein. "Wegen des Zeitdrucks kann niemand von außen kommen, das wäre unrealistisch", sagte Manager Kay-Sven Hähner vom deutschen Meister HC Leipzig.

"Alles liegt bracht"

In den vergangenen Wochen hatte die Bundesliga ihr Missfallen über das Krisenmanagement des DHB nach der verpatzten EM geäußert.

"Alles rund um die Nationalmannschaft liegt brach, das ist ein absolut unzumutbarer Zustand", hatte Trainerin Renate Wolf vom Pokalsieger Bayer Leverkusen beklagt.

Anfang Januar war ein Lehrgang in Kaiserau, bei dem die Europameisterschaft analysiert werden sollte, wegen der Erkrankung von Osmann ersatzlos gestrichen worden.

"Nach dem EM-Desaster wäre sicherlich einiges aufzuarbeiten gewesen", sagte Nationaltorhüterin Clara Woltering.

DHB kontert: "Das ist Polemik"

Der DHB hatte sich noch Ende vergangener Woche gegen die Kritik der Liga gewehrt. "Die derzeitigen Angriffe finde ich unmotiviert. Das ist Polemik. Es kommt immer mal vor, dass ein Lehrgang abgesagt wird", hatte Bredemeier erklärt.

Über Ostern steht ein hochkarätig besetztes Turnier im Saarland an, das als Härtetest für die WM-Qualispiele gegen Ungarn gilt.

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