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Ratlosigkeit nach dem verlorenen Spiel: Armin Emrich, Anja Althaus © imago

Tränenmeer und hängende Köpfe. Nach der Aktion "Blech" bei der EM in Mazedonien schmeckt den deutschen Frauen nicht mal der Sekt.

Skopje - Als die deutschen Handballerinnen mit hängenden Köpfen aus der Halle "Boris Trajkovski" in Skopje schlichen, brachte es Clara Woltering auf den Punkt.

"Das ist so bitter. Wenn man im Halbfinale ist, will man auch eine Medaille", sagte die Torfrau und mit verweinten Augen gestand sie: "Ich weiß nicht, ob ich mich in zwei Wochen auch über Platz vier freuen kann - ich glaube nicht."

Im kleinen Finale gegen Weltmeister Russland hatte Woltering bei der EM in Mazedonien im Gegensatz zu den meisten Kolleginnen noch einmal eine Klasseleistung gezeigt, die 21:24-Niederlage konnte sie aber auch nicht verhindern.

So stand die Mannschaft von Bundestrainer Armin Emrich vier Monate nach dem desolaten elften Platz bei den Olympischen Spielen erneut mit leeren Händen da - und versuchte sich irgendwie mit dem Erreichten zu trösten. "Wir sind nach Peking zurück in der europäischen Spitze", sagte Emrich.

"Gehören zu den besten Vier in Europa"

Dass die reine Platzierung nur wenig über die wechselvollen Leistungen von Skopje aussagte, wollte er ebenso wenig gelten lassen, wie seine Rekordtorschützin Grit Jurack.

Die teilweise schlechten Kritiken für das spielerische Vermögen aus der Heimat konnte auch sie nicht nachvollziehen. (Gold-Traum wieder weggeworfen)

"Wir gehören aktuell zu den besten Vier in Europa und damit zur Weltelite. Das kann uns keiner absprechen", sagte der Kapitän und fügte hinzu: "Man muss uns doch nicht für Erfolge schlecht reden und das positive Bild ins Gegenteil kehren. Und wenn man keinen Einblick in die Mannschaft hat, sollte man sich ohnehin einiges an Kritik sparen."

Bitteres Ende nicht mehr miterlebt

Das bittere Ende hatte sie schon gar nicht mehr in Skopje miterlebt. Bei der dritten Halbfinal-Niederlage innerhalb von zwei Jahren und dem vierten Platz bei der EM 2006 und Bronze bei der WM 2007 saß Jurack wegen eines Fingerbruchs aus dem Halbfinale schon wieder daheim in Dänemark.

Dabei war die Chance auf das ersehnte Finale wohl selten so groß wie in Mazedonien.

Die nächsten Chancen sind die WM im kommenden Jahr in China sowie die EM 2010 in Norwegen und Dänemark. Für beide Großereignisse wäre die deutsche Mannschaft im Falle einer Finalteilnahme in Skopje bereits qualifiziert gewesen.

WM-Qualifikation gegen Serbien

Nun stehen im Juni die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Serbien an, vermutlich mit dem gleichen Kreis von Spielerinnen.

Angefangen von Russland befinden sich dagegen viele Teams nach Olympia im Umbruch, bei den dennoch überragenden Norwegerinnen pausierte unter anderem Welthandballerin Gro Hammerseng.

So waren die Spiele der EM nach dem langen Jahr selten auf höchstem Niveau, die Leistungen bei praktisch allen wechselhaft.

Verkorkstes Abschlussbankett

Das galt auch für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB), die seit Jahren in der EM-Formation zusammenspielt und nach Peking einzig den Rücktritt von Spielmacherin Maren Baumbach verkraften musste.

Am Abend vor dem Bronze-Spiel hatten sie sich noch einmal zusammengesetzt und auf Edelmetall eingeschworen, doch dann versagten nicht nur die Nerven, die Chancenauswertung war indiskutabel und beim Abschlussbankett gab es Cola statt Sekt und Gespräche statt Party.

"Wir wollten uns unbedingt noch einmal aufbäumen", sagte Emrich, "aber im Angriff haben wir zu viele technische Fehler gemacht." Es folgte wie schon nach Peking die Ankündigung, alles selbstkritisch auswerten zu wollen.

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