WM 2017: Fernes Ziel nach dem Totalschaden
München/Sao Paulo - Die Aufräumarbeiten nach dem WM-Desaster haben noch nicht mal richtig begonnen, da öffnet sich für die deutschen Handball-Frauen schon die Tür in eine bessere Zukunft.
Die 23. Handball-WM im Jahr 2017 findet in Deutschland statt, und die Vergabe am Donnerstag wirkte wie ein Weckruf für die Nationalmannschaft, Bundestrainer Heine Jensen und den Deutschen Handball-Bund (DHB).
"Das ist eine richtig gute Sache, ein großartiges Fernziel", sagte Jensen: "Wir müssen alles daransetzen, dass wir uns mit einer starken Mannschaft für die Olympischen Spiele 2016 qualifizieren und auch sportlich ein guter Gastgeber der WM 2017 sein können. Wir wollen da nicht nur Teilnehmer sein."
Große Chance für deutschen Frauen-Handball
Die Ansage des Dänen war angesichts des Totalschadens, den sein Team bei der laufenden WM in Brasilien mit dem Vorrunden- und Olympia-Aus erlitten hatte, überraschend deutlich.
Sie lässt aber auch erahnen, wie wichtig die Gastgeberrolle in sechs Jahren dem deutschen Frauen-Handball ist.
"2017 die WM auszurichten, ist für uns eine große Ehre, Herausforderung und langfristige Perspektive. Wir freuen uns auf diese Aufgabe", sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach, der die deutsche Delegation bei der Vergabe in Sao Paulo angeführt hatte.
Obwohl Deutschland der einzige Bewerber gewesen war, war die Freude nach dem Zuschlag groß.
WM-Debakel sorgt für Skepsis
Ob mit einer zumindest ansatzweise ähnlichen Euphorie wie bei der Männer-WM 2007 auch in sechs Jahren zu rechnen ist, erscheint derzeit aber sehr fraglich.
Die deutschen Damen haben bei der WM in Brasilien viel Kredit verspielt. Der ohnehin schon nicht im Rampenlicht stehende Frauen-Handball befindet sich nach dem enttäuschenden 17. Platz derzeit im Niemandsland.
So waren nach der Vergabe auch kritische Stimmen zu hören.
"Grundsätzlich ist die Ausrichtung der WM natürlich positiv. Aber bis dahin müssen wir unsere Sportart nach vorne bringen und auch international wieder eine akzeptable Rolle spielen", sagte Liga-Chef Berndt Dugall und ergänzte: "Nur mit Erfolgen bekommen wir die nötige Aufmerksamkeit."
Flächendeckende Verbesserungen
Noch nie zuvor in der Geschichte war eine WM mit so viel Vorlaufzeit vergeben worden.
Der DHB mit Sportmanager Heiner Brand an der Spitze und die Liga haben genug Zeit, ein vernünftiges Konzept auf die Beine zu stellen, um 2017 konkurrenzfähig zu sein.
"Wir müssen jetzt die WM analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Die Nachwuchs- und Eliteförderung muss flächendeckend verbessert werden", sagte Leipzigs Manager Kay-Sven Hähner.
Es gilt, die Jahrgänge 1996/97 aufzubauen. Zusammen mit den jungen Spielerinnen Franziska Mietzner (22), Nadja Nadgornaja (23) oder Luisa Schulze (21) muss Jensen die Entwicklung nun forcieren und perspektivisch arbeiten.
Die WM im eigenen Land ist eine erneute Chance - eine, mit der man nach dem EM- und WM-Desaster der vergangenen beiden Jahre nicht so fahrlässig umgehen sollte.
Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite