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Hamburgs Torsten Jansen (r.) zog gegen Alexandros Alvanos und den VfL den Kürzeren © imago

Paukenschlag zum Final-Four-Auftakt: Gummersbach kämpft sich trotz zeitweise sechs Toren Rückstands gegen Hamburg ins Finale.

Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg ? Der HSV Hamburg hat nach dem Aus in der Champions League und der vorzeitigen Entscheidung in der Meisterschaft zugunsten des THW Kiel auch seine letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison vergeben.

Das Team von Trainer Martin Schwalb unterlag in eigener Halle überraschend dem Außenseiter VfL Gummersbach im Halbfinale des DHB-Pokals nach deutlicher Pausenführung mit 27:35 (17:13).

Die Gummersbacher treffen im Finale am Sonntag auf Titelverteidiger Kiel, der sich im zweiten Halbfinale erst durch ein Tor drei Sekunden vor Schluss mit 36:35 (21:18) gegen die Rhein-Neckar Löwen durchsetzte. (Jicha entscheidet Thriller für Kiel)

Nicht die Bezahlung der Spieler entscheidet

Garanten des Erfolges vor 13.000 Zuschauern in der ausverkauften Hamburger Color-Line-Arena waren Rechtsaußen Vedran Zrnic (10/4) und Adrian Pfahl (6) als beste VfL-Werfer (STATISTIK: Stenogramme des Final Four).

Für den HSV traf in einer hektischen und keineswegs hochklassigen Partie der Däne Hans Lindberg (7/3) am häufigsten. (DATENCENTER: DHB-Pokal)

"Die gesamte zweite Halbzeit war ein Lehrstück, wie man Handball spielen sollte. Wir hatten auf alles eine Antwort und haben deshalb verdient das Endspiel erreicht. Nicht die Bezahlung der Spieler entscheidet, sondern dass, was auf dem Spielfeld passiert", kommentierte VfL-Trainer Sead Hasanefendic den Triumph.

Hamburger Express kommt auf Touren

Gleich zu Beginn hielt HSV-Nationalkeeper Johannes Bitter sein Team durch zwei gehaltene Siebenmeter gegen den künftigen Kieler Momir Ilic und Ex-THW-Linksaußen Adrian Wagner im Spiel.

Dann löste der HSV-Express nach schleppendem Beginn die Handbremse: Die Hamburger setzten sich nach 4:4 durch fünf Tore in Folge ab: Pascal Hens markierte per Tempogegenstoß das 7:4, Lindberg und Krzysztof Lijewski erhöhten auf 9:4 (14.).

Auch eine Auszeit von VfL-Trainer Hasanefendic half zunächst nicht. Über 12:6 (17.) steuerte der HSV einen sicheren Vorsprung zur Pause an. "So eine hohe Führung ist immer gefährlich. Da haben wir angefangen nachzudenken", haderte Schwalb hinterher.

Erst eine doppelte Unterzahl nach einer Zeitstrafe gegen die HSV-Bank brachte den VfL wieder ins Spiel: Gummersbach verkürzte durch den agilen Zrnic und Geoffroy Krantz auf 9:12 aus VfL-Sicht (21.).

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Szilagyi schafft den Anschluss

In dieser Phase machte sich auch die Hereinnahme des beweglichen Audrey Tuzolana in der VfL-Deckung bezahlt.

Doch die Hausherren fingen sich zunächst und gingen mit vier Toren Vorsprung in die Pause.

Mit zwei schnellen Toren stellte der VfL nach dem Wechsel den Anschluss wieder her und blieb dran: Der aufopferungsvoll kämpfende Robert Gunnarssson erzielte das 16:18, Viktor Szilagyi schaffte den Anschluss zum 17:18 (34.).

Sandström bekommt wenig zu fassen

Schwalb reagierte und brachte unter dem Jubel der Massen Oleg Velyky (37.) - doch der VfL ließ sich nicht beirren: Adrian Pfahl gelang der Ausgleich zum 21:21 (43.), Zdrnic markierte per Konter die Führung.

In der Folge ging es hin und her, beim 25:27 aus Hamburger Sicht durch Szilagyi nahm Schwalb seine Auszeit.

Es half nichts, am Ende hatte der Außenseiter die besseren Nerven und brachte den Sieg über 29:24 (55.) und 30:26 (57.) nach Hause - auch weil Per Sandström im Tor nicht an Johannes Bitters zunächst starke Leistung anknüpfen konnte. In den Schlussminuten ließ sich der HSV auseinandernehmen.

THW wäre Houlet lieber gewesen

"Am Ende lagen bei uns die Nerven blank. Aber das wirft uns nicht um", gab sich HSV-Coach Schwalb nach dem Abpfiff kämpferisch.

Gummersbachs Francois-Xavier Houlet hatte vor der Partie noch klar gemacht, dass er über die Auslosung alles andere als glücklich war ? "sogar der THW Kiel" wäre dem VfL-Geschäftsführer angesichts der hungrigen Hamburger vor heimischer Kulisse lieber gewesen.

Nun bekommt Houlet den alten und neuen Meister im Finale serviert.

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