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Patrik Liljestrand (l.) gewann mit Schweden 1992 die olympische Silbermedaille © getty

Lübbecke ist der krasse Außenseiter bei Final Four. TuS-Coach Patrik Liljestrand hofft im Sport1.de-Interview auf einen Neuzugang.

Von Julian Meißner

München/Hamburg - Während mit dem THW Kiel der Abonnement-Sieger der letzten Jahre durch Abwesenheit glänzt, ist die Rolle des Underdogs beim diesjährigen Final Four schnell vergeben.

Aufsteiger TuS N-Lübbecke geht als krasser Außenseiter in die traditionelle Endrunde des DHB-Pokals in der Hamburger Color-Line-Arena (ab Sa., 13.15 Uhr im DSF und als LIVESTREAM).

Im Halbfinale trifft der Bundesliga-Elfte, der auf seinem Weg in die Hansestadt unter anderem den SC Magdeburg ausschaltete, auf den inoffiziellen Gastgeber und Top-Favoriten HSV Hamburg (DATENCENTER: DHB-Pokal).

"Ich glaube, dass wir gewinnen", sagt Nettelstedts schwedischer Trainer Patrik Liljestrand dennoch selbstbewusst im Gespräch mit Sport1.de.

Der 44-Jährige hofft auf Neuzugang Roman Pungartnik, erteilt einer offensiven Deckung gegen den Liga-Spitzenreiter eine Absage - und verschwendet keinen Gedanken an den Europapokal.

Sport1.de: Herr Liljestrand, wie ist die Stimmung in der Mannschaft so kurz vor dem Saisonhighlight?

Patrik Liljestrand: Dass wir in Berlin verloren haben, hat die Stimmung etwas gedrückt. Aber wir freuen natürlich uns sehr, dass wir in Hamburg dabei sind. Es kribbelt so langsam.

Sport1.de: Es wartet der HSV - ein Traumlos?

Liljestrand: Es wird sicher nicht einfach, aber wir werden alles versuchen. In der Liga haben wir in Hamburg nur mit einem Tor verloren. Ich weiß, dass wir das Potenzial haben. Wir müssen einen Sahnetag und Hamburg einen schlechten Tag erwischen, wenn wir wirklich gewinnen wollen. Normalerweise muss Hamburg mit zehn Toren gewinnen - aber nicht alles im Handball ist logisch.

Sport1.de: Gummersbach hat in Hamburg mit einer sehr offensiven Deckung triumphiert. Planen Sie eine ähnliche taktische Maßnahme?

Liljestrand: In dem Spiel sind extrem viele Tore gefallen, das ist eigentlich nicht das Ziel. Wir sind in unserer 6:0-Deckung sehr gut eingespielt. Hamburg kann auf allen Positionen durchwechseln, insofern wird man sie kaum müde machen können. Gummersbach hat damals mit der 3:3-Deckung überrascht. Aber wir ziehen unser Konzept ohne große Veränderungen durch.

Sport1.de: Der TuS hat auswärts in der Liga noch nicht gewonnen. Wo liegen die Gründe für diese Schwäche?

Liljestrand: Wir sind Aufsteiger und liegen auf dem elften Platz, das ist nicht so schlecht. In der Hinrunde haben wir einige Spiele wirklich nicht gut gespielt, speziell auswärts. Und in der Rückrunde haben wir mit Verletzungen zu kämpfen. Beide Linkshänder (Alexandros Alvanos und Heidmar Felixson, Anm. d. Red.) fallen aus. Arne Niemeyer hat sich das Trommelfell gerissen, und Michal Jurecki hatte Rücken- und Schulterprobleme.

Sport1.de: Auffällig ist auch, dass Lübbecke gegen die Top-Teams fast immer gut aussieht.

Liljestrand: Das stimmt, wir haben keine einzige richtige Klatsche bekommen, auch nicht gegen Kiel. Es liegt uns, gegen stärkere Mannschaften zu spielen. Auch gegen Hamburg, den großen Favoriten, sind wir jetzt wieder der Außenseiter.

Sport1.de: Wären Ihnen die Löwen oder Gummersbach als Gegner lieber gewesen?

Liljestrand: Wir hatten über den Wettbewerb eine gute Auslosung, das kann man aber nicht beeinflussen. Als Sportler muss man den Gegner respektieren, den man bekommt und den Kampf annehmen. Jetzt ist es eben Hamburg - ich hoffe, wir werden Spaß haben.

Sport1.de: Sie haben kurzfristig Roman Pungartnik verpflichtet. Inwieweit kann er mit seiner Erfahrung dem Team jetzt schon helfen?

Liljestrand: Er wird uns definitiv weiterhelfen, eben weil er schon lange im Geschäft ist. Aber er hat vor dem Einsatz am Sonntag in Berlin gerade einmal trainiert. Ich hoffe, dass er beim Final Four voll dabei ist. Er macht jedenfalls schon jetzt einen sehr guten Eindruck.

Sport1.de: Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, über das Final Four den internationalen Wettbewerb zu erreichen?

Liljestrand: Erst einmal habe wir ein Halbfinale zu spielen, das wollen wir gewinnen. Danach kann man weitersehen. Der Europacup ist für uns momentan kein Thema.

Sport1.de: Egal, wie es am Wochenende ausgeht: Ist das Erreichen des Final Four für Lübbecke der größte Erfolg der letzten Jahre?

Liljestrand: Lübbecke war noch nie bei dem Turnier dabei, insofern stimmt das schon. Für jeden Spieler und Trainer ist es ein Traum, nach Hamburg zu fahren. Deshalb sind wir unglaublich stolz. Es kommen viele Fans mit, um uns zu unterstützen. Denen wollen wir eine gute Show bieten.

Sport1.de: Nettelstedt hat mit dem Abstieg wohl nichts mehr zu tun. Sind Sie zufrieden mit dem Saisonverlauf bislang?

Liljestrand: Ich bin zufrieden, dennoch kann alles besser werden. Aber wir haben den elften Platz als Ziel ausgegeben, das ist also schon in Ordnung.

Sport1.de: Vor 29 Jahren war der TuS Nettelstedt Pokalsieger. Wer wird es 2010?

Liljestrand: Wenn man im Halbfinale steht, aber nicht an den Sieg glaubt, soll man zu Hause bleiben. Ich glaube, dass wir gewinnen.

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