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Der HSV trifft im Champions-League-Viertelfinale auf Titelverteidiger Ciudad Real © getty

Beim HSV brechen nach dem erkämpften zweiten Pokalsieg alle Dämme. Die unterlegenen Löwen hadern mit den Schiedsrichtern.

Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg ? Domagoj "Dulle" Duvnjak schnappte sich den Spielball, feuerte das harzige Leder in die oberen Zuschauerränge und spurtete zu seinen jubelnden Mitspielern, die vor der Kurve der HSV-Fans bereits ein Knäuel bildeten.

Mit dem Abpfiff der Verlängerung des Pokalfinales brachen in der Hamburger ColorLine-Arena alle Dämme (DATENCENTER: DHB-Pokal).

"Wir sind einfach nur überglücklich, dass wir das Ding gewonnen haben", meinte Torhüter Johannes Bitter, noch nicht zu einer tiefer gehenden Analyse des zweiten Hamburger Pokalsieges nach 2006 fähig.

Echter Krimi mit glücklichem Ende

Der Nationalkeeper hatte in der entscheidenden Phase des ersten Endspiels der Saison mit seinen Paraden erheblichen Anteil am denkbar knappen Sieg gehabt.

"Das war ein Riesenfight heute, bei dem wir zum Glück das bessere Ende hatten", meinte Pascal Hens: "Die Leute haben einen echten Krimi erlebt."

Stetes Auf und Ab

In der Tat waren die Nerven der 13.104 Zuschauer des dramatischen Endspiels zwischen dem strahlenden Sieger HSV und den unglücklich unterlegenen Rhein-Neckar Löwen aufs Höchste belastet worden.

"Wir sahen schon wie der sichere Sieger aus, dann macht Uwe noch ein Tor", beschrieb Hens die Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit, in der Uwe Gensheimer seine Löwen in die Verlängerung rettete.

Hens führte weiter aus: "Dann spielen wir eine gigantische erste Hälfte in der Verlängerung, führen mit drei Toren, und jeder dachte: Das war?s jetzt aber." War es aber nicht.

Lijewski mit goldenem Tor

Die Löwen kämpften sich mit toller Moral ein weiteres Mal heran, Karol Bielecki erzielte den Ausgleich zum 33:33.

Bieleckis polnischer Landsmann Krzysztof Lijewski, mit neun Toren überragender Akteur der Partie, war es dann vorbehalten, den goldenen Treffer zum 34:34 (30:30, 15:15)-Endstand zu erzielen ? eine Szene, die jedoch nicht ganz unumstritten war (VIDEO: Das Spiel in der Zusammenfassung).

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Fritz sauer auf Schiedsrichter

Ein Stürmerfoul des jüngeren Bruders von Halbfinal-Matchwinner Marcin Lijewski wollte die Löwen-Bank gesehen haben und nahm das Schiedsrichtergespann Fleisch/Rieber nicht nur wegen dieser Szene ins Visier.

"Die besten Schiedsrichter sollten auch das Finale pfeifen", schimpfte Löwen-Trainer Ola Lindgren, der sich auch über die Verteilung der Zwei-Minuten-Strafen echauffierte.

"Die kritischen Entscheidungen sind zugunsten des HSV gefällt worden", sagte Torhüter Henning Fritz: "Im Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe entscheidet so etwas eine Partie. Dafür habe ich kein Verständnis."

"Das beste Spiel der Saison"

Doch bei den Badenern sollte nach der ersten Enttäuschung die Erkenntnis einkehren, ein bärenstarkes Final-Four-Turnier gespielt zu haben.

"Für mich war es das beste Spiel, das ich in dieser Saison gesehen habe", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann gar über das packende Endspiel, das eigentlich keinen Verlierer verdient hatte.

Vergleich mit Hamburg

"Wir hätten das Spiel fast noch einmal gedreht, das zeigt den Charakter meiner Mannschaft", zeigte sich Lindgren im Gespräch mit SPORT1 zufrieden mit dem Auftritt seines aufopferungsvoll kämpfenden Teams.

Und auf den erneut verhinderten ersten Titelgewinn seines ambitionierten Klubs angesprochen, meinte der Schwede: "Wenn man wie wir auf diesem Level spielt und Endspiele erreicht, wird man auch irgendwann gewinnen. Wir setzen uns nicht unter Druck. Es kommt, wenn es kommt."

Man könne die Situation der Mannheimer mit der in Hamburg vor ein paar Jahren vergleichen: "Da hat es auch lange gedauert, bis sie etwas gewonnen haben."

Erst feiern, dann Bundesliga

HSV-Coach Martin Schwalb, der seinen Spielern das Training am Montag erließ, warnte derweil davor, zuviel in den Pokalsieg hinein zu interpretieren: "Der Erfolg hat keine Auswirkung auf die anderen Wettbewerbe. Wir sollten nicht den Fehler machen, zu glauben, das würde uns in der Bundesliga einen Schritt weiterbringen."

"Schwalbes" Ansage: "Die Spieler dürfen sich heute freuen - und dann geht es weiter."

Die angesprochenen HSV-Profis, die nun weiter vom Triple aus Meisterschaft, Champions-League-Sieg und eben dem Pokal träumen dürfen, tollten da schon im Siegesrausch durch die Katakomben ihrer Spielstätte.

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