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Guillaume Gille spielt seit 2002 beim HSV und wurde 2009 Hamburgs Sportler des Jahres © getty

Guillaume Gille hat in seiner Karriere so gut wie alles gewonnen. Bei SPORT1.de misst er dem Pokal-Sieg eine besondere Bedeutung bei.

Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg ? Als Kapitän war es Guillaume Gille vorbehalten, den Pott als Erster in die Höhe zu recken (VIDEO: Das Spiel in der Zusammenfassung).

Der Franzose, der seit den Anfangstagen beim HSV Hamburg dabei ist, hatte mit seinem Team soeben das spektakuläre Finale des DHB-Pokals gegen die Rhein-Neckar Löwen denkbar knapp mit 34:33 nach Verlängerung (30:30, 15:15) für sich entschieden (DATENCENTER: DHB-Pokal).

Der Bundesliga-Spitzenreiter, der auch im Champions-League-Viertelfinale steht, darf damit weiter vom Triple träumen.

Im Interview mit SPORT1.de spricht Gille über das Drama in der Verlängerung gegen die Löwen, die Garanten des Erfolges und die kommenden Aufgaben.

SPORT1.de: Herr Gille, Sie haben in Ihrer Karriere unzählige Titel gewonnen. Was bedeutet Ihnen der DHB-Pokalsieg?

Guillaume Gille: Ich bin kein Freund von Titel-Vergleichen. Aber dieser hat einen besonderen Geschmack. Es ist der erste Wettbewerb in diesem Jahr, der Titel hat deshalb eine Riesenbedeutung. Wir haben gegen eine super Mannschaft gespielt, die sich in letzter Zeit immer mehr gefunden hat und eine starke Saison spielt. Wir hatten erwartet, dass sie uns einige Schwierigkeiten machen würden.

SPORT1.de: Wo haben Sie in der Verlängerung die Kraft gefunden, noch einmal so aufzudrehen?

Gille: Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Wir haben in der entscheidenden Phase einfach alles aus uns herausgeholt und die richtigen Entscheidungen getroffen.

SPORT1.de: Was waren die ausschlaggebenden Faktoren?

Gille: Wir haben die Deckung umgestellt und dadurch ein paar Bälle gewonnen. Auch vorne sind wir dann wieder sicherer geworden. Das spricht für unsere Mentalität. Ich bin einfach überglücklich, den Pott wieder gewonnen zu haben.

SPORT1.de: Die Löwen hadern mit den Schiedsrichtern. Können sie das verstehen?

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Gille: In so einem emotionalen Spiel, wo es um alles geht, kann jede kleine Entscheidung von beiden Seiten diskutiert werden. Die Schiedsrichter haben versucht, eine klare Linie zu behalten, was aber nicht einfach war. Es war ein sehr körperbetontes Spiel mit sehr viel Engagement und Aggressivität. Das ist im Handball nie einfach zu interpretieren.

SPORT1.de: Im Halbfinale trumpfte Marcin Lijewski groß auf, im Endspiel dann sein Bruder Krzysztof. Waren die beiden die Garanten des Erfolges?

Gille: Für uns war das eine riesige Überraschung, weil Krzysztof vor der Partie Schmerzen in der Schulter hatte. Wir dachten, vielleicht kann er uns in der Abwehr etwas helfen, aber mehr auch nicht. Dann kommt er auf einmal ins Spiel und macht die Dinger reihenweise rein. Er war heute einer der ganz wichtigen Spieler, gerade in der zweiten Hälfte. Da haben wir uns in der Abwehr schwer getan, aber er hat uns mit seinen Toren am Leben gehalten. Unsere Angriffsleistung in dieser Phase war sehr entscheidend.

SPORT1.de: Gibt der Titel Rückenwind für die anstehenden Aufgaben in Bundesliga und Champions League?

Gille: Noch spüre ich nichts (schaut über die Schulter, lacht). Das müssen wir abwarten. Aber wir haben jetzt natürlich Selbstvertrauen und einfach Lust auf mehr. Das sind die geilsten Momente überhaupt. Jetzt genießen wir den Sieg erst einmal, und dann konzentrieren wir uns in aller Ruhe auf die nächsten Aufgaben.

SPORT1.de: Am Dienstag steht zunächst das Benefizspiel für Oleg Velykys Familie an (ab 19 Uhr LIVE auf SPORT1).

Gille: Ich hoffe, dass viele Leute kommen, das wäre in Olegs Sinne und toll für seine Familie. Wir wollen uns sportlich vernünftig von ihm verabschieden, und das Spiel ist nun die Gelegenheit dazu. Ich hoffe, wir können ein Spektakel bieten, auch wenn es nicht einfach wird. Bestimmt werden die Emotionen wieder hochkommen. Aber das ist auch gut so.

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