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Thomas Knorr steht seit 2007 beim VfL Bad Schwartau unter Vertrag © imago

Bad Schwartaus Coach hält sich fürs Viertelfinale gegen Flensburg als Joker bereit. Druck und Personalsorgen habe nur die SG.

Von Barnabas Szöcs

München - Der Pokal hat nicht nur seine eigenen Gesetze, er schreibt auch schöne Geschichten.

Allein der Umstand, dass der VfL Bad Schwartau als einziger Zweitligist im Viertelfinale des DHB-Pokals steht und den Großen ein Bein stellen will, ist bemerkenswert.

Dass aber mit Schwartaus Spielertrainer Thomas Knorr eine Handball-Legende in die Runde der letzten Vier ziehen kann, vielleicht sogar selber aktiv ins Geschehen eingreift, würde der Geschichte die Krone aufsetzen.

Es kommt noch besser: Der 39-Jährige spielte zwischen 1998 und 2001, einem guten Drehbuch entsprechend, ausgerechnet beim Viertelfinalgegner SG Flensburg-Handewitt. Das Duell mit seinem Ex-Klub (So., ab 14.55 Uhr im LIVESTREAM) ist für Knorr somit weit mehr als eine gewöhnliche Partie.

"Ein einziger Traum"

"Ich habe mich sehr über Flensburg gefreut. Von den noch verbliebenen Gegnern ist es eines der attraktivsten Teams. Unsere Halle war entsprechend schnell ausverkauft. Das ganze ist ein einziger Traum", verriet der viermalige Deutsche Meister SPORT1.

Ehemalige Teamkameraden Knorrs sind bei den Flensburgern zwar nicht mehr aktiv, dennoch denkt der 496-malige Bundesligaspieler - Nummer sechs in der Liga-Historie - immer noch gerne an seine Zeit in Flensburg zurück (Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1).

"Es ist ein toller Verein, bei dem ich eine super Zeit und viele sportliche Erfolge feiern konnte. Da mein Sohn in Flensburg geboren ist, sind auch die persönlichen Erinnerungen besonders für mich. Ich möchte die Zeit nicht missen."

Befreites Aufspielen als Underdog

Das Ergebnis am Ende des Klassenduells spielt für Knorr nur eine "zweitrangige Rolle".

Viel wichtiger sei die Einstellung des Underdogs - und der Spaßfaktor. "Natürlich träumen wir alle ein bisschen vom Einzug ins Halbfinale. Aber von meinen Spielern erwarte ich lediglich, dass jeder mutig in die Begegnung geht und zeigt, dass er ein guter Handballer ist. Das reicht mir vollkommen", erklärt Knorr.

[kaltura id="0_qnkjj8c6" class="full_size" title="Kiel dritter Final Four Teilnehmer"]

Und weiter: "Gegen eine Mannschaft wie Flensburg haben wir keinen Druck und können befreit aufspielen. Wir wollen unsere Stärken ausspielen - und Flensburg wird beweisen müssen, dass sie eine Klasse besser sind."

Vranjes: "Wir wollen in die Final Four"

Alles andere als ein Sieg gegen die Marmeladenstädter wäre für den Favoriten aus der Toyota HBL eine bittere Enttäuschung und eine ziemliche Blamage obendrein.

"Wir wollen in die Final Four", verkündete Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes vor der Saison das Ziel. Der VfL dürfte dabei nur eine kleine Zwischenstation sein.

Diese Vorgabe wollen die Bad Schwartauer zu ihrem Vorteil ausspielen: "Flensburg hat eine reale Chance auf den Titel, damit aber auch etwas mehr Druck. Zudem haben sie momentan einige Verletzte zu beklagen. Diese Faktoren spielen uns in die Karten", ist sich Knorr sicher.

"Sollte es im Flensburger Spiel am Sonntag haken, wäre das ein zusätzlicher Schub für uns", hofft der Spielertrainer auf die Sensation.

VfL-Kader komplett

Mit Oscar Carlen und Michael Knudsen fehlen dem Vranjes-Team zwei Leistungsträger.

Thomas Knorr hingegen kann auf seinen gesamten Kader - also auch den mit 141 Feldtoren in dieser Saison herausragenden Rückraum-Linken Jan Schult (24) - zurückgreifen und hat noch einen weiteren Trumpf im Ärmel: "Sicherlich kann es passieren, dass der Favorit den Außenseiter unterbewusst unterschätzt. Dann können die Underdogs über sich hinauswachsen. Sollte dieser Fall eintreten, haben wir eine Chance, dann können wir gegen Flensburg gewinnen."

"Zur Not habe ich mich in der Hinterhand"

Druck ist der Drittplatzierte der 2. Bundesliga Nord seinerseits gewohnt, es geht um nichts Geringeres als den Aufstieg in die eingleisige Zweite Liga.

"Wir sind mit unserer Saison zufrieden, hatten aber im Laufe der Saison einige schwächere Spiele abgeliefert und noch ein sehr schweres Restprogramm. Wenn wir am Ende der Saison auf Platz drei, vier oder fünf landen, ist alles in Ordnung", analysiert der Spielertrainer den Saisonverlauf.

Ob er gegen seinen Ex-Verein, mit dem er 1998 den Pokal gewinnen konnte, selber ins Geschehen eingreift, macht Knorr vom Spielverlauf abhängig:

"Das kann ich noch nicht sagen. Wir werden alle Mann an Bord haben, also gehe ich nicht davon aus, dass ich spielen werde. Aber zur Not habe ich mich in der Hinterhand."

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