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Uwe Gensheimer ist in der Liga bester Werfer der Rhein-Neckar Löwen © imago

Pokal-Showdown in Hamburg: Zusammen mit Experte Stefan Kretzschmar checkt SPORT1 die Kandidaten auf den ersten Titel der Saison.

Von Julian Meißner

München - Vorhang auf zum ersten Titel-Showdown der Saison: Am Wochenende wird in Hamburg das traditionelle Lufthansa Final Four (ab Sa., 12.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) um den DHB-Pokal ausgespielt.

Kiel gegen Göppingen und Löwen gegen Flensburg, so heißen die Halbfinalpaarungen, die ein enges Rennen um den Cup erwarten lassen.

"Jedem ist der Titel zuzutrauen", sagt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar: "Das Teilnehmerfeld ist ausgeglichen - gerade, wenn man sieht, dass Kiel und die Löwen in den letzten Spielen nicht überzeugt haben. Es werden zwei spannende Halbfinals werden."

Nicht wenige Experten sehen angesichts der Schwächephase von Rekordpokalsieger THW die noch titellosen Rhein-Neckar Löwen in der Pole-Position.

"Auch wenn wir das letztes Jahr schon gesagt haben: Es wird Zeit für dieses Projekt, Titel zu gewinnen", sagt auch "Kretzsche": "Sie werden alles in die Waagschale werfen. Ich denke, dass ihr Hunger nach diesem Titel am größten ist."

Sein Tipp: "Wenn die Kieler Verunsicherung nicht zu groß ist, sollten sie das Finale gegen die Löwen spielen."

SPORT1 beleuchtet die Lage bei den vier Titelaspiranten (DATENCENTER: DHB-Pokal).

THW Kiel

Ausgangslage: Für den Rekordpokalsieger geht es um die letzte Titelchance des Jahres. Nach dem Aus in der Champions League und angesichts des unaufholbaren Rückstands in der Meisterschaft könnten die "Zebras" mit dem Pokalsieg eine schwierige Saison zumindest einigermaßen retten - alles andere als zumindest der Finaleinzug wäre eine herbe Enttäuschung. Spätestens mit der Heim-Schlappe gegen den FC Barcelona und dem Offenbarungseid beim SC Magdeburg am Mittwoch scheint dem THW die berühmte Siegermentalität jedoch abhanden gekommen zu sein. Nach dem vorzeitigen Abgang von Jerome Fernandez wird viel davon abhängen, ob Daniel Narcisse (Zerrung) in den Kader zurückkehrt.

Schlüsselspieler: Thierry Omeyer, Filip Jicha, Marcus Ahlm

Der Weg nach Hamburg:1.Runde: Freilos2.Runde: 39:20 (19:11) gegen VfL Fredenbeck3.Runde: 32:27 (21:12) gegen DHC RheinlandAchtelfinale: 30:29 (15:14) gegen TuS N-LübbeckeViertelfinale: 31:25 (17:13) gegen Füchse Berlin

Pokalbilanz: Rekordsieger mit sechs Titeln (1998, 1999, 2000, 2007, 2008, 2009)

Teilnahmen am Lufthansa Final Four: 11

Das sagt Stefan Kretzschmar:"Den THW muss man natürlich immer auf der Rechnung haben, normalerweise sind sie in jedem Wettbewerb mit diesem Kader Top-Favorit. Aber man muss sich schon Sorgen machen, nach den Spielen, die sie abgegeben haben. Spieler wie Momir Ilic und Filip Jicha stehen jetzt in der Verantwortung, ihre Form wiederzufinden und das Ruder herumzureißen. Dazu wird auch zwingend notwendig sein, dass Thierry Omeyer eine überragende Leistung zeigt."

[kaltura id="0_tzb2w18b" class="full_size" title="SCM f gt Kiel bittere Niederlage zu"]

Frisch Auf Göppingen

Ausgangslage: Die Schwaben, Tabellenfünfter der Toyota HBL, reisen ausgeruht und mit breiter Brust nach Hamburg. Am Sonntag sicherte sich FAG in Spanien bei La Rioja das Ticket für das EHF-Cup-Finale, dann galt die Konzentration dem Highlight des Jahres. Schwer wiegen könnte allerdings der Ausfall von Abwehrchef Dalibor Anusic, der wie Pavel Horak und Drasko Mrvaljevic zwar anreist, aber nicht wird spielen können. Trainer Velimir Petkovic sagte im SPORT1-Interview: "Allein die Teilnahme am Final Four ist schon ein großer Erfolg für uns, aber wenn man erst einmal dabei ist, darf man damit nicht zufrieden sein."

Schlüsselspieler: Enid Tahirovic, Lars Kaufmann, Michael Haaß

Der Weg nach Hamburg: 1.Runde: Freilos2.Runde: 33:18 (19:8) gegen TV Wermelskirchen 3.Runde: 34:17 (13:8) gegen HSG VarelAchtelfinale: 30:28 (11:14) gegen Bergischer HCViertelfinale: 31:25 (14:12) gegen SC Magdeburg

Pokalbilanz: Bislang kam Frisch Auf nicht über das Halbfinale hinaus: Zweimal scheiterte Göppingen dort an der SG Flensburg-Handewitt (2003, 2005)

Teilnahmen am Lufthansa Final Four: 2

Das sagt Stefan Kretzschmar:"Frisch Auf spielt im Rahmen seiner Möglichkeiten eine Top-Saison. Mit Enid Tahirovic haben sie jemanden im Tor, er über sich hinauswachsen kann. Die Shooter Lars Kaufmann und Michael Thiede sowie Michael Haaß können durchaus ein Spiel entscheiden. Und sie spielen eine sehr gute, aggressive Abwehr. Ich gehe schon davon aus, dass sie in der Lage sind, den Kielern Paroli zu bieten."

Rhein-Neckar Löwen

Ausgangslage: Gudmundur Gudmundsson hat seinen mit Stars gespickten Kader endlich zu einem Team geformt, das zuletzt am oberen Leistungslimit agierte. Platz drei in der Liga und das Erreichen des Champions-League-Halbfinales mit dem Sensationssieg in Montpellier sprechen für sich. Bei der sechsten Teilnahme am Lufthansa Final Four in Folge soll es endlich mit dem großen Wurf und dem ersten Titel der Vereinsgeschichte klappen. Zumal der Kader im Sommer aufgrund zahlreicher Abgänge erneut durcheinander gewirbelt werden wird. Personalien: Michael Müller (Außenmeniskus-OP) fällt sicher aus, hinter der Fitness von Kreisläufer Bjarte Myrhol (Oberschenkel) und Spielmacher Börge Lund (Rückenprobleme) stehen Fragezeichen. Gudmundsson kündigt dennoch an: "Wir fahren nach Hamburg, um etwas Großes zu erreichen."

Schlüsselspieler: Slawomir Szmal, Olafur Stefansson, Uwe Gensheimer

Der Weg nach Hamburg:1.Runde: Freilos2.Runde: 49:19 (24:19) gegen TSV Heiningen3.Runde: 39:28 (20:18) gegen TV BittenfeldAchtelfinale: 47:29 (23:11) gegen HSG Gensungen-FelsbergViertelfinale: 33:28 (19:12) gegen MT Melsungen

Pokalbilanz: Drei Finalteilnahmen stehen zu Buche: 2006 und 2010 scheiterten die Badener jeweils am HSV Hamburg, 2007 am THW Kiel

Teilnahmen am Lufthansa Final Four: 5

Das sagt Stefan Kretzschmar:"Die Löwen haben ihre Erfahrungen beim Final Four gemacht - gerade die Finalniederlage letztes Jahr war extrem bitter. Mein Gefühl ist, dass sie jetzt mal dran sind. Sie haben den Kader und mittlerweile auch das Format, um das Final Four zu gewinnen. Man sollte sich von zwischenzeitlichen Schwächephasen wie gegen Hamburg nicht beeindrucken lassen. In Montpellier haben sie ihr Meisterstück abgeliefert. Sie sind nur deshalb nicht Favorit, weil der THW auch dabei ist. Ich glaube zwar nicht, dass die Unruhe im Verein der Entwicklung der Mannschaft zuträglich ist, aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen."

SG Flensburg-Handewitt

Ausgangslage: Der Liga-Sechste ist der Underdog. Die Flensburger spielen eine starke Saison, angesichts des vergleichsweise schmalen Kaders schien ihnen zuletzt allerdings etwas die Kraft auszugehen. Mit dem (wertlosen) Sieg bei Ciudad Real stellte das Team von Ljubomir Vranjes dann aber unter Beweis, dass noch Sprit im Tank ist. Personell sind bis auf die Langzeitverletzten Oscar Carlen und Petar Djordjic alle Mann an Bord. Dennoch stapelt Vranjes tief: ?Wenn man bedenkt, dass wir in Mannheim zuletzt mit 31:41 verloren haben, die Löwen einen breiteren Kader haben als wir und wir teilweise mit sieben oder acht Feldspielern in den letzten drei Monaten auskommen mussten, sollte klar sein, wer in diesem Spiel der Favorit ist."

Schlüsselspieler: Dan Beutler, Viktor Szilagyi, Anders Eggert

Der Weg nach Hamburg:1.Runde: Freilos2.Runde: 33:30 (13:14) gegen Eintracht Hildesheim3.Runde: 45:32 (20:16) gegen TSG FriesenheimAchtelfinale: 27:21 (12:9) gegen TSV Hannover-BurgdorfViertelfinale: 34:27 (17:11) gegen VfL Bad Schwartau

Pokalbilanz: 2003, 2004 und 2005 ging der Titel an die SG

Teilnahmen am Lufthansa Final Four: 6

Das sagt Stefan Kretzschmar:"Angesichts der Ausdünnung des Kaders und des langfristigen Ausfalls Oscar Carlens ist es schon erstaunlich, was die SG für einen Saison spielt. Und sie reisen im Gegensatz zu THW und Löwen mit Erfolgserlebnissen im Gepäck an: Ein Sieg in Friesenheim und vor allem natürlich der Prestige-Erfolg bei Ciudad Real. Die Mannschaft ist sich bewusst, dass sie sicher nicht der große Favorit auf den Titel ist. Aber Chancen haben sie allemal. Flensburg ist immer für eine Überraschung gut und weiß Gott nicht der große Außenseiter."

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