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Jacob Heinl hängt sich voll rein für die SG, Matchwinner war vor allem Keeper Rasmussen © getty

Auch Mannheims sechster Final-Four-Versuch endet in Katzenjammer: Flensburg landet clever den Coup gegen verkrampfte Löwen.

Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg - Handfeste Überraschung beim Lufthansa Final Four: Die Rhein-Neckar Löwen sind abermals beim Angriff auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte gescheitert, Underdog SG Flensburg fordert im Finale den THW Kiel.

Die Löwen, Dritter der Liga, Champions-League-Halbfinalist und für viele zuvor der Favorit auf den Titel, unterlagen der SG am Samstagnachmittag im Halbfinale mit 20:22 (8:10) und müssen sich im Endspiel (So., 13.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) mit der Zuschauerrolle begnügen.

Im ewig jungen Duell gegen den Nord-Rivalen kämpft Flensburg dagegen um den vierten DHB-Pokalsieg der Vereinsgeschichte. Rekordtitelträger THW Kiel hatte im ersten Semifinale Frisch Auf Göppingen letztlich souverän ausgeschaltet (Bericht).

"Wir haben mit fantastischer Geduld gespielt"

"Dieses Finale hat sich doch jeder hier im Norden gewünscht ? wir natürlich auch", sagte SG-Spielmacher Viktor Szilagyi im Gespräch mit SPORT1: "Wir hatten uns sehr viel vorgenommen und haben das gut umgesetzt. Wir haben von Anfang an die richtige Einstellung gefunden, vor allem in der Abwehr."

Das Fazit des Österreichers: "Der Sieg war trotz des knappen Ergebnisses souverän." Und Torhüter Sören Rasmussen, mit zahlreichen Paraden maßgeblich am Erfolg beteiligt, lobte seine Vorderleute: "Wir haben mit fantastischer Geduld gespielt."

Beste Werfer bei den Flensburgern waren Anders Eggert (6/5), Lasse Svan Hansen (4) sowie Patrick Fahlgren und Tamas Mocsai (je 3) (DATENCENTER: DHB-Pokal).

Für die über weite Strecken deutlich unter ihrem Leistungslimit auftretenden Löwen trafen Olafur Stefansson (5) und Uwe Gensheimer (4/2) noch am häufigsten.

Sechster Versuch, kein Erfolg

"Natürlich sind wir sehr enttäuscht. Aber wir haben nicht gut genug gespielt", meinte der sichtlich ernüchterte Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson.

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Die Entscheidung in der bis zum Ende spannenden Partie fiel erst in den Schlussminuten, in denen die Flensburger den besseren Punch hatten ? Rechtsaußen Svan Hansen erzielte 40 Sekunden vor Schluss den umjubelten Treffer, der die Überraschung perfekt machte.

Für die Löwen, die zum sechsten Mal in Folge beim Lufthansa Final Four vertreten waren, endete der Ausflug in den hohen Norden mit der nächsten bitteren Enttäuschung nach dem Herzschlagfinale, das man 2010 gegen den HSV verloren hatte.

Glanztag für Rasmussen

Dem zuletzt stark aufspielenden Team gelang es am Wochenende der ersten Titelentscheidung der Saison nicht, sein Potenzial abzurufen ? zu clever agierte der Gegner aus Flensburg, zu verkrampft wirkten die eigenen Aktionen.

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Flensburg setzte sich in der torarmen Partie nach ausgeglichener Anfangsphase durch Michael Knudsens Treffer vom Kreis nach Traumanspiel von Mocsai beim 8:5 (25.) erstmals auf drei Tore ab.

Mit zwei Treffern Rückstand für die Badener ging es in die Pause, auch weil SG-Keeper Rasmussen einen Glanztag erwischte.

Fahlgren mit vermeintlicher Vorentscheidung

Und auch nach dem Seitenwechsel lief der Favorit einem Rückstand hinterher - bis Gensheimer mit einem seiner unnachahmlichen Dreher zum 12:12 (38.) ausglich und Patrick Groetzki direkt im Anschluss per Konter die Löwen-Führung besorgte.

Doch Flensburg blieb dran, die Partie eng, und die Führung wogte nun hin und her. Beim 19:16 durch Fahlgren (50.) schien eine Vorentscheidung gefallen zu sein, aber die Löwen berappelten sich noch einmal.

Karol Bielecki traf zum erneuten Ausgleich (19:19/55.), doch die SG-Profis setzten sich erneut ab und brachten den Vorsprung mit ihrer Erfahrung über die Zeit ? nach dem Schlusspfiff brachen bei den Nordlichtern alle Dämme.

"Neuer Tag, neuer Gegner"

Katzenjammer herrschte dagegen einmal mehr bei den Löwen. Die letzte Chance des Jahres, eine Trophäe in die Höhe zu recken, bleibt den Badenern nun beim Final-Four-Turnier der Champions League in Köln, wo sie im Halbfinale am 27. Mai auf Kiel-Bezwinger FC Barcelona treffen.

Die Flensburger, deren Geschäftsführer Holger Kaiser die "taktische Finesse und Kreativität" von Trainer Ljubomir Vranjes lobte, blickten ihrerseits voraus aufs Endspiel. "Ein neuer Tag, ein neuer Gegner", so Vranjes strahlend.

"Es geht um alles"

Der bekanntlich der Erzrivale ist. "Wir wollen den Pokal nach Kiel holen", kündigte Filip Jicha im Gespräch mit SPORT1 an, bekräftigte aber, dass auch ein Jahr ohne Titel die "Zebras" keinesfalls in eine Existenzkrise stoßen würde: "Natürlich stünden wir in der Liga gerne weiter oben. Aber wir haben auch so eine ordentliche Saison gespielt."

Szilagyi dagegen meinte zum Endspiel: "Wir freuen uns sehr auf ein sicher emotionsgeladenes Finale. Es um alles."

Das Spiel im Stenogramm:

SG Flensburg-Handewitt - Rhein-Neckar Löwen 22:20 (10:8)Tore: Eggert (6/5), Svan Hansen (4), Fahlgren (3), Mocsai (3), Mogensen (2), Knudsen (2), Heinl (1), Szilagyi (1) für FlensburgStefansson (5), Gensheimer (4/2), Groetzki (3), Sesum (2), Bielecki (2), Gunnarsson (2), Cupic (2) für die LöwenZuschauer: 13.000 (ausverkauft)

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