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Grzegorz Tkaczyk wechselte 2007 vom SC Magdeburg zu den Rhein-Neckar Löwen © imago

Grzegorz Tkaczyk erklärt bei SPORT1 die Gründe für das bittere Pokal-Aus und zeigt sich enttäuscht über die Personalpolitik.

Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg - Nach Brüllen war den Löwen nicht zumute.

Mit gesenkten Köpfen schlichen die Mannheimer Handball-Stars vom Feld, nachdem sie erneut eine große Chance auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte verspielt hatten.

Mit 20:22 (8:10) unterlagen die Rhein-Neckar Löwen nach einer schwachen Vorstellung im Pokal-Halbfinale der SG Flensburg-Handewitt (Bericht), die gegen den Erzrivalen aus Kiel das Endspiel bestreitet (13.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

"Es tut weh, jedes Jahr dabei zu sein, und dann immer mit leeren Händen nach Hause zu fahren", meinte ein konsternierter Grzegorz Tkaczyk im Gespräch mit SPORT1 über die schwarze Serie seines Teams beim Lufthansa Final Four, wo man 2011 zum sechsten Mal in Folge vertreten war (DATENCENTER: DHB-Pokal).

Löwen-Rückraum harmlos

Der polnische Vizeweltmeister von 2007 war in der zähen Abwehrschlacht gegen die SG wie seine Nebenleute im Rückraum weit unter den Erwartungen geblieben und erzielte keinen einzigen Treffer.

"Wir haben im Angriff zu schlecht gespielt, viel zu langsam?", ärgerte sich Tkaczyk: "Das war der Grund, dass wir heute verloren haben."

Auf schlappe acht Tore brachte es der Löwen-Rückraum in der gesamten Spielzeit, "die muss normalerweise ein Spieler alleine machen", kritisierte Manager Thorsten Storm.

Während Tkaczyk bestritt, den kampfstarken und clever eingestellten Gegner nach dem deutlichen Sieg in der Liga vor einem Monat (41:31) unterschätzt zu haben und bereits mit dem Kopf im Finale gewesen zu sein, meinte sein Trainer Gudmundur Gudmundsson: "Das hatte sicher eine Bedeutung."

"Wir haben agiert, sie reagiert"

Auf Seiten des Gegners freute man sich über den gelungenen Coup. "Wir haben den Löwen unser Spiel aufgezwungen", zeigte sich Flensburgs Geschäftsführer Holger Kaiser zufrieden: "Wir haben agiert, sie nur reagiert."

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Die Norddeutschen lagen fast die gesamte Spielzeit vorne und hatten zudem in der Schlussphase die besseren Nerven.

Für Wirbel sorgte allerdings ein vermeintlicher Wechselfehler, der den Löwen gut zwei Minuten vor Spielende eine vielleicht entscheidende Zeitstrafe einbrockte.

Kritik an den Schiedsrichtern

Kreisläufer Bjarte Myrhol diskutierte nach dem Abpfiff noch minutenlang in den Katakomben der Hamburger O2-World mit den Schiedsrichtern Ralf Damian/Frank Wenz über den umstrittenen Pfiff.

Geschäftsführer und Trainer wollten den Referees nicht die Schuld an der ? wohlgemerkt verdienten ? Niederlage geben, Storm sagte jedoch: "Die 50:50-Entscheidungen am Ende sind gegen uns ausgefallen."

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Siege müssen her

Noch eine Titelchance bleibt nun den zuletzt so formstarken Löwen, deren Kader im Sommer einmal mehr kräftig durcheinander gewirbelt werden wird: Am 28. Mai treffen die Badener im Halbfinale von Köln auf den FC Barcelona.

"Das Final Four der Champions League ist noch weit weg", meinte Tkaczyk: "Jetzt haben wir erst mal ein schweres Spiel gegen Lübbecke. Wir dürfen in der Liga keine Punkte mehr abgeben, wenn wir uns für die Champions League qualifizieren wollen."

Ilic zu den Löwen?

In welcher Zusammensetzung das Team nächste Saison in der Königsklasse vertreten sein soll, ist momentan jedoch völlig unklar.

Storm bestätigte am Rande des Turniers in Hamburg Verhandlungen mit dem Kieler Momir Ilic.

Dem gegenüber stehen die geplanten Abgänge von Olafur Stefansson, Gudjon Valur Sigurdsson, Robert Gunnarsson, Karol Bielecki sowie Neuzugang Krzysztof Lijewski zu AG Kopenhagen.

Personalpolitik fragwürdig

"Es ist schade, dass so viele Spieler gehen und die Mannschaft neu aufgestellt werden muss", sagte Tkaczyk, den es im Sommer wie seinen Landsmann Slawomir Szmal zum heimischen Spitzenklub Kielce zieht: "Diese Situation gibt es fast jedes Jahr bei uns."

Auf die Frage, ob das der Grund sei, warum es trotz herausragender Einzelkönner immer noch nicht zu einem Titelgewinn gereicht habe, antwortete Tkaczyk zunächst mit einem Schulterzucken. Dann gab er zu: "Vielleicht, ja."

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