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Alfred Gislason wurde 2001 und 2009 zum Trainer des Jahres gewählt © getty

Alfred Gislason genießt die Stunde des Triumphs ohne seine Spieler. Uli Derad hat schon wieder die Meisterschale im Visier.

Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg ? Als Kapitän Marcus Ahlm im Konfettiregen den Pokal in die Höhe reckte und seine Teamkameraden in laute Jubelstürme ausbrachen, war Alfred Gislason schon auf Tauchstation gegangen.

Während seine Spieler vor 13.000 Zuschauern in der Hamburger Arena den siebten Gewinn des DHB-Pokals (Bericht) feierten, zog sich der Vater des Erfolges zurück und "genoss das Leben", wie der isländische Trainer des THW Kiel sich ausdrückte.

Genauer: Er lag mit einem Bier auf dem Bauch auf der Liege in der Kabine, wie Gislason schmunzelnd berichtete: "Das ist besser, als vollgegossen zu werden mit irgendeinem klebrigen Zeug."

Gislason beeindruckt

Die Mannschaft solle den Erfolg ruhig gebührend feiern, aber: "Was soll ich da rumspringen wie ein Clown?"

Dabei hatte Gislason allen Grund zu überschäumender Freude: Sein Team ließ der SG Flensburg-Handewitt im Finale des Lufthansa Final Four keine Chance, besiegte den Erzrivalen mit 30:24 (16:13) und holte so den einzigen noch möglichen Titel in einer schwierigen Saison für die erfolgsverwöhnten "Zebras".

Für den Handball-Besessenen Gislason, der sich nur über die für seinen Geschmack zu knappe Halbzeitführung von drei Toren ärgerte, zählte neben dem Gewinn des Titels vor allem die beeindruckende Art und Weise, wie sich sein Team nach der jüngsten Schwächeperiode beim Saison-Highlight präsentierte.

Palmarsson erntet Lob von allen Seiten

Zudem muss er sich nicht mehr mit der T-Frage beschäftigen. "Seit August höre ich: Was ist los, wenn ihr keinen Titel holt?", so Gislason: "Das ärgert einen schon, aber wir sind Profis."

Einer der Garanten des Sieges war Youngster Aron Palmarsson, dem Gislason von Beginn an das Vertrauen auf der Spielmacherposition gab. Sein junger Landsmann dankte es ihm mit kluger Regie und sechs Treffern (DATENCENTER: DHB-Pokal).

"Es ist bemerkenswert, wie er aufgetreten ist, in einem Finale, und das mit seinen 20 Jahren", lobte Gislason: "Er hat eine wichtige Rolle super ausgefüllt. Ich versuche aber, ihm weiter Druck zu machen."

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"Er passt 100 Prozent zu uns"

Welthandballer Filip Jicha, der ebenfalls sechsmal erfolgreich war, zeigte sich genauso beeindruckt ? fand aber auch noch Raum für Verbesserungen bei dem "sehr reifen" Handballer Palmarsson.

"Super. Manche von uns werden richtige Palmarsson-Fans", sagte der Tscheche im Gespräch mit SPORT1: "Wenn er in der Abwehr noch etwas Gas gibt, werden wir noch mehr Freude an ihm haben. Er passt 100 Prozent zu uns."

Zeitz ist "Spieler des Wochenendes"

Dass es im Finale ausgerechnet gegen Lieblingsgegner Flensburg ging, dürfte dem Titel eine zusätzliche Würze verleihen.

Wie es um die Rivalität der beiden Klubs bestellt ist, ist leicht zu dokumentieren: Flensburgs Fans bedachten in der ersten Halbzeit den am Boden liegenden Christian Zeitz mit Schmährufen, der antwortete wenige Sekunden später mit einem seiner krachenden Schlagwürfe jenseits der 100-Stundenkilometer-Grenze.

Als der Linkshänder später zum besten Spieler des Wochenendes gekürt wurde, rührte sich nichts auf dem Oberrang, der die SG-Fans beherbergte.

[kaltura id="0_3nf1typu" class="full_size" title="Zeitz Es wird ein harter Kampf"]

Kampfansage von Derad

Dass der THW an diesem Nachmittag besser war, mussten hinterher auch die Flensburger anerkennen.

"Kiel hat unsere Fehler sofort bestraft. Sie sind ein verdienter Pokalsieger", meinte SG-Linksaußen Anders Eggert, mit fünf Treffern bei drei Siebenmetern zweitbester Werfer seines Teams nach Thomas Mogensen (6): "Dennoch haben auch wir an diesem Wochenende eine hervorragende Leistung gezeigt und super gekämpft."

Das reichte allerdings nicht, um den THW ernsthaft in Gefahr zu bringen. THW-Manager Uli Derad schickte angesichts der neu gestalteten Trophäe eine Kampfansage an die Konkurrenz: "Irgendwie gewinnen wir immer die neuen Pokale. Vielleicht gibt es ja nächstes Jahr eine neue Meisterschale. Dann wissen wir, wohin sie geht."

Köngsklasse ist "lebenswichtig"

Soweit wollte Gislason noch nicht blicken: "Wir werden sehen, ob wir unsere Schwächephase überstanden haben. Ich denke aber, dieser Sieg gibt uns einen Schub."

Drei Ligaspiele bleiben dem THW noch, um Platz zwei und damit die direkte Qualifikation für die Königsklasse zu zementieren. "Die Champions League ist lebenswichtig für uns", betonte Gislason.

Wenn alles nach Plan läuft, wird er auch nächste Saison reichlich Gelegenheit bekommen, das Leben zu genießen.

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