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Steffen Weinhold (l., mit Holger Glandorf) spielt seit 2007 in der Bundesliga © imago

Vor dem Pokal-Halbfinale spricht Steffen Weinhold im SPORT1-Interview über Titelchancen und den Zweikampf mit Glandorf.

Von Annette Bachert

München - Die SG Flensburg-Handewitt als Kiel-Jäger Nummer eins?

Das sagte beispielsweise SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar noch vor der Saison - und behielt weitesgehend Recht.

Im Lufthansa Final Four (Sa., ab 14.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) hat der Liga-Dritte nun die Chance, den ersten Titel der Saison zu gewinnen.

Großen Anteil daran hat auch Flensburgs Neuzugang Steffen Weinhold.

Der Linkshänder, der im rechten Rückraum aber auch auf der Spielmacher-Position zu Hause ist, ist den Kennern zwar schon seit Jahren ein Begriff, einen richtigen Namen machte er sich aber erst in dieser Spielzeit.

Vor dem Halbfinale um den DHB-Pokal spricht der 26-Jährige im SPORT1-Interview über die Titelchancen der SG, die Rivalität mit dem HSV und Holger Glandorf.

SPORT1: Herr Weinhold, wie schwer wiegt der Punktverlust im Heimspiel gegen den neuen Dauerrivalen HSV?

Steffen Weinhold: Das schmerzt auf jeden Fall. Wir wollten unbedingt mit einem Sieg in die vier Duelle mit dem HSV gehen. Zudem hatten wir uns vor der Saison vorgenommen, alle Heimspiele zu gewinnen und haben das nun leider nicht geschafft.

SPORT1: Warum hat es nicht gereicht?

Weinhold: Wir haben zu viele technische Fehler gemacht und auch im Angriff viel zu viele Chancen liegen gelassen. Das sind zwei wichtige Dinge, die wir am Samstag unbedingt besser machen müssen. Wir wissen, dass es an uns liegt und wir unser Spiel durchziehen müssen.

SPORT1: Ist das zweite Unentschieden im Duell mit Hamburg in dieser Saison schon das erste Anzeichen für einen "Komplex", wie es HSV-Torwart Bitter im Vorfeld befürchtet hat?

Weinhold: Nein, wir haben keinen Komplex. Ich sehe das nicht so, dass es Probleme im Kopf geben könnte, die den Gegner betreffen. Denn am Samstag wird ja in jedem Fall ein Team gewinnen. Wichtig ist, dass wir in allen Spielen auf uns schauen und unsere Leistung abrufen. Und da können wir im Vergleich zum Dienstag sicher noch viel besser machen.

SPORT1: Stellen Sie sich schon auf ein Siebenmeterwerfen ein?

Weinhold: Nein. Ich kenne noch nicht einmal den Modus, ob es direkt ein Siebenmeterwerfen gibt oder erst Verlängerung.

SPORT1: Man sagt, es verschärfe die Rivalität, wenn es wie bei Playoffs in kurzer Zeit mehrmals gegen denselben Gegner geht. Ist das zwischen Flensburg und dem HSV möglich?

Weinhold: Dass es diese Rivalität gibt, ist ganz klar - auch zwischen den Fan-Gruppierungen. Das ist aber doch auch das Schöne, dass es solche Derbys gibt und wir diese spielen können. Da freuen wir uns als Spieler drauf, genauso wie die Fans. So lange alles fair bleibt, ist das doch gut.

SPORT1: Wie groß ist der Ärger, dass das Finalturnier in Hamburg steigt und der HSV wieder mal Heimvorteil hat?

Weinhold:Wir werden viel mehr Fans in unserem eigenen SG-Fanblock beim Final Four dabei haben als sonst bei einer Begegnung in Hamburg ? und das unterscheidet das Final Four zu einem Bundesliga-Spiel in Hamburg. Und natürlich sind die Hamburger diese Halle gewöhnt, und auch der Ablauf ist der gewohntere als bei den anderen drei Mannschaften. Aber wir sollten uns keine Gedanken darüber machen, ob das ein Riesen-Vorteil für den HSV ist oder nicht.

SPORT1: Noch tanzt die SG ja auf drei Hochzeiten. Ist der DHB-Pokal die vermeintlich leichteste Chance auf einen Titel?

Weinhold: Es sind zwar nur ein oder zwei Spiele an einem Wochenende - aber das werden ganz lange 60 oder 120 Minuten. Es ist natürlich eine gute Möglichkeit, einen Titel zu gewinnen.

SPORT1: Zuletzt stand die SG zweimal im Pokal-Finale, musste sich aber zweimal dem THW geschlagen geben. Überhaupt ist der letzte nationale Titel der SG ein paar Jahre her. Wie heiß sind Flensburg und Sie persönlich auf den Titel?

Weinhold: Ich war zwar die letzten beiden Jahre nicht dabei, aber bin natürlich heiß auf das Turnier - genauso wie alle unsere Jungs. Aber das ist nicht nur bei uns so, sondern bei jeder Mannschaft, die beim Final Four dabei sein und in dieser Atmosphäre spielen kann.

SPORT1: In den Augen Ihres Nationaltrainers Heuberger ist Ihr Talent "immer ein bisschen verkannt worden". Woran liegt das?

Weinhold: Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Aber ich habe auch vor der WM 2013 zwei Vorbereitungen mitgemacht. Aber dann waren es eben drei Rückraumrechte, und in beiden Fällen haben die anderen den Vorzug bekommen. Da war ich auch noch etwas jünger. Dann war ich in einem Jahr, in dem ich mir ziemlich gute Chance ausgerechnet hatte, leider verletzt. Wenn jemand möchte, soll er daraus ruhig etwas ableiten. Ich tue es nicht. Ich weiß, dass ich auch damals bereit gewesen wäre, aber wir einfach viele gute Spieler auf dieser Position haben. So ist das eben.

SPORT1: Werden Sie als Rückraumrechter während der EM-Quali oder dann bei der Europameisterschaft in Dänemark Konkurrenz aus dem eigenen Klub, sprich von Holger Glandorf, bekommen?

Weinhold: Holger ist ein Spieler mit unglaublichen Qualitäten, die jeder Mannschaft gut tun. Das ist ganz klar. Er ist bereit und heiß darauf zurückzukehren. Letztendlich ist das die Entscheidung des Bundestrainers. Aber dass grundsätzlich die Spieler dabei sein sollten, die die Besten sind, ist klar. So sehe ich das - und dann wird Holger auch wieder zum Team stoßen.

SPORT1: Hat der Zweikampf mit Glandorf Sie noch besser gemacht?

Weinhold: Das weiß ich nicht. Ich sehe das auch nicht als Zweikampf. Wir sind sehr unterschiedliche Spielertypen. Ich denke, dass wir uns beide sehr gut ergänzen. Holger Glandorf und ich sind in der Kombination für jeden Gegner unangenehm. Es geht viel mehr darum, dass ich jetzt in einem Team bin, das auf hohem Niveau spielt. Hier habe ich viele starke Spieler in meiner Mannschaft, mit denen ich mich täglich im Training weiterentwickeln kann. Dazu habe ich mit Ljubo (Anm. d. Red: Ljubomir Vranjes) einen tollen Trainer, den ich jetzt seit einem dreiviertel Jahr genießen kann.

SPORT1: Was macht ihn so besonders?

Weinhold: Er ist ein unglaublich intelligenter und kompetenter Trainer, von dem man so viel lernen kann. Er hat ein einerseits eine großartige taktische Intelligenz und andererseits ein unglaubliches Gespür dafür, wie er uns anpacken muss. Er hat eine gute Bandbreite in seiner Art mit uns zu kommunizieren, mit der er sehr gut ankommt.

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