Dramatischer Auftakt in Hamburg: Die SG schlägt den HSV in der Verlängerung. Der Keeper brilliert, Hens ist tragischer Held.

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Aus Hamburg berichtet Julian Meissner

Hamburg - Dramatischer Auftakt des Lufthansa Final Four in Hamburg!

Die SG Flensburg-Handewitt ist nach einem wahren Krimi und dank eines überragenden Torhüters Mattias Andersson zum dritten Mal in Folge ins Finale des DHB-Pokals eingezogen. Die Nordlichter greifen damit nach dem vierten Pokaltitel nach 2003, 2004 und 2005.

Im ersten Halbfinale besiegte die SG die Hausherren vom HSV Hamburg nach hartem Kampf am Ende verdient mit 26:25 (23:23; 14:13) nach Verlängerung.

Dabei wurde ein regulärer Treffer der SG kurz vor Ende der regulären Spielzeit nicht gegeben, am Ende hatten die Flensburger aber dennoch mehr Körner, die besseren Nerven und vor allem den stärkeren Keeper (DATENCENTER: Der DHB-Pokal).

"Einfach nur froh"

"Ich bin einfach nur froh, dass wir im Finale stehen. Die Freude ist unglaublich", sagte der Matchwinner bei SPORT1.

Für die Hamburger dagegen ist der Traum vom dritten Pokalsieg nach 2006 und 2010 ausgeträumt.

Im zweiten Halbfinale (ab 17.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) stehen sich Titelverteidiger THW Kiel und Außenseiter MT Melsungen gegenüber.

25 Paraden von Andersson

Im packenden Nord-Schlager fiel die Entscheidung zugunsten der SG erst nach 70 Minuten, nachdem die Flensburger das Spiel gegen den wie entfesselt kämpfenden HSV über lange Zeit dominiert hatten.

Michael Knudsen besorgte mit dem 26:24 (69.) aus dem Gegenstoß heraus die Entscheidung.

Die Partie stellte die zweite Episode der Derby-Wochen der beiden Kontrahenten dar: Nach dem 23:23 am vergangenen Dienstag in der DKB Handball-Bundesliga treffen die SG und der HSV auch im Viertelfinale der Champions League zweimal aufeinander.

Bester Werfer für Flensburg war Linkshänder Holger Glandorf (6), Matchwinner jedoch der unfassbar auftrumpfende Torhüter-Routinier Andersson (25 Paraden). Für Hamburg traf Spielmacher Domagoj Duvnjak (6) am häufigsten.

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Glandorf und Kaufmann geben Sicherheit

Vor 13.000 Zuschauern in der ausverkauften O2-World entwickelte sich schnell eine heiß umkämpfte Partie, der die Flensburger aber schnell ihren Stempel aufdrückten.

SG-Trainer Ljubomir Vranjes setzte etwas überraschend im Gegensatz zum letzten Ligaspiel auf Andersson im Tor anstelle von Sören Rasmussen, der noch am Dienstag überragend gehalten hatte. Es war eine taktische Maßnahme, die sich auszahlen sollte.

Die Flensburger legten vor, fanden offensiv immer wieder gute Lösungen gegen die HSV-Abwehr um den zentral und teilweise vorgezogenen deckenden Kroaten Igor Vori. Besonders die Rückraumspieler Glandorf und Lars Kaufmann taten sich in der Anfangsphase mit sicheren Abschlüssen hervor.

Zunehmend hitzig

Mit Anders Eggert war es dann ein Außen, der beim 7:5 (13.) die erste Zwei-Tore-Führung für die SG erzielte, auch weil hinten Andersson zur Hochform auflief.

Beim 9:7 für die SG (19.) bat HSV-Coach Martin Schwalb zur Auszeit, seine Ansagen und die Umstellung der Abwehr fruchteten jedoch zunächst nicht. Der für Glandorf eingewechselte Steffen Weinhold warf sich wie gewohnt ohne Rücksicht auf Verluste ins Getümmel und erhöhte mit einem Gegenstoß-Doppelpack zum 11:7 (21.) für Flensburg.

[kaltura id="0_2pfit12p" class="full_size" title="Flensburg siegt im Halbfinalkrimi"]

Durch einige technische Fehler in der Offensive - unter anderem durch den zukünftigen Hamburger Petar Djordjic -, die der HSV in Kontertore ummünzte, brachte der Liga-Dritte den Gegner aber zurück ins zunehmend hitziger werdende Spiel.

Strittige Entscheidungen

"Flensburg hat den besseren Torhüter, aber Hamburg viel weniger Ballverluste", analysierte SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar kurz vor Ablauf der ersten Hälfte, die die SG mit nur einem Tor Vorsprung beendete.

Der zweite Durchgang startete zäh, statt tollen Toren gab es viele Fouls, Fehlwürfe und Diskussionen. Vor allem der HSV haderte mit einigen umstrittenen Entscheidungen der Referees. "Nicht gegen die Schiedsrichter", herrschte Schwalb seine Spieler beim zweiten Timeout (42.) an.

Das Spiel blieb ein verbissener Fight ohne die großen spielerischen Highlights, aber hochspannend. Gut zehn Minuten vor Schluss die vermeintliche Wende: Fredrik Petersen brachte den HSV mit zwei verwandelten Strafwürfen erstmals in Führung, Stefan Schröder legte zum 19:17 (49.) für den HSV nach.

Entscheidender Hens-Fehler

Doch auch die SG kam noch einmal zurück, gut eineinhalb Minuten vor Schluss stand es 22:22, als Vranjes zur Auszeit rief.

Die letzten Minuten der regulären Spielzeit sind dann ein echter Krimi: Thomas Mogenses Treffer gleicht Duvnjak erneut aus, 60 Sekunden auf der Uhr. Glandorf wirft, Bitter pariert ? der Ball ist hinter der Linie, aber das Tor wird nicht gegeben, eine "ganz schlimme Fehlentscheidung" (Kretzschmar).

Auf der Gegenseite pariert Andersson Marcin Lijewskis Wurf unmittelbar vor der Schlusssirene und rettet sein Team in die Verlängerung!

In den zehn Minuten Overtime spielt die SG dann konzentrierter, verteidigt einen knappen Vorsprung, ein Fehler von Pascal Hens an entscheidender Stelle und der unüberwindbare Andersson machen die Hamburger Hoffnungen endgültig zunichte.

Flensburg träumt also vom vierten Pokalgewinn. In den vergangenen beiden Jahren war jeweils der THW im Finale (So., ab 13.50 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) zu stark gewesen - das soll sich dieses Jahr ändern.

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