Der THW gewinnt im Endspiel des Lufthansa Final Four gegen Flensburg-Handewitt. Eine furiose Aufholjagd beschert Kiel den Titel.

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Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg - Die Kieler "Zebras" waren einmal mehr in Champagnerlaune nach einem furiosen Auftritt.

Kapitän Marcus Ahlm war es vorbehalten, in der teuren Brause zu baden, nachdem er den DHB-Pokal im Konfettiregen von Hamburg in die Höhe gereckt hatte.

Der THW hat dank einer furiosen Aufholjagd den dritten Pokalsieg in Folge eingefahren und seine Vormachtstellung im deutschen Handball untermauert.

Der Titelverteidiger, Meister und Liga-Tabellenführer setzte sich im Endspiel des Lufthansa Final Four gegen die SG Flensburg-Handewitt mit 33:30 (12:16) durch (DATENCENTER: Der DHB-Pokal).

"Sehr, sehr stolzer" Gislason

Die beiden Erzrivalen hatten sich schon in den vergangenen beiden Jahren im Pokalfinale gegenüber gestanden, immer mit dem besseren Ende für den Rekordpokalsieger, dessen Briefkopf nun der neunte Pokaltitel ziert.

Zudem ist es für den THW der dritte Pokal-Hattrick nach 1998 bis 2000 und 2007 bis 2009.

"Ich bin sehr, sehr stolz, dass wir es geschafft haben, diesen Titel zu holen", sagte THW-Trainer Alfred Gislason: "Wir wussten, es wird ein sehr schweres Spiel."

Mit fünf Toren zurück

Zeitweise lagen die Kieler mit fünf Toren hinten, sie ließen sich aber nicht ansatzweise beeindrucken, schalteten nach der Pause zwei Gänge höher und entschieden die Partie am Ende sicher für sich.

"So ein Ergebnis zur Pause bedeutet gar nichts", berichtete Ahlm über die Stimmung in der Halbzeitpause: "Das wussten wir. Und wir haben es bewiesen."

Und Gislason erklärte: "Das war wohl unsere beste zweite Halbzeit der ganzen Saison. Wir sind in der Pause ganz sachlich durchgegangen, was man besser machen muss, um Flensburg zu schlagen."

Erfolgreichster Werfer für die Kieler, die diesen Plan konsequent in die Tat umsetzten, war Gudjon Valur Sigurdsson (7). Für Flensburg traf Thomas Mogensen (9) am häufigsten.

THW ohne Zeitz

Im Gegensatz zum lockeren Halbfinalsieg gegen die MT Melsungen setzte Gislason von Beginn an auf seine Top-Stars.

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Verzichten mussten die Kieler allerdings auf Linkshänder Christian Zeitz, der sich im Halbfinale gegen die MT Melsungen einen Bruch an der rechten Mittelhand zugezogen hatte.

Der ehemalige Nationalspieler fällt voraussichtlich bis zum Saisonende aus.

Packender Kampf

"Ich denke, dass es spannend wird", sagte Bundestrainer Martin Heuberger unmittelbar vor der Partie bei SPORT1, merkte aber auch an: "Ich bin gespannt, wie die Flensburger den Kräfteverschleiß aus dem Halbfinale verkraften werden und sehe daher leichte Vorteile beim THW."

Die SG hatte am Samstag in einer dramatischen Partie den HSV Hamburg mit 26:25 nach Verlängerung niedergerungen.

Von mangelnder Kraft beim Herausforderer war jedoch zunächst nicht viel zu sehen. Vor über 13.000 Zuschauern in der abermals ausverkauften O2-World und Hamburg entwickelte sich ein packender Kampf zweier hervorragend eingestellter Mannschaften, die sich absolut nichts schenkten.

Zwei eisenharte Abwehrreihen

Nach 47 gespielten Sekunden kassierte Kiels Momir Ilic die erste Zeitstrafe, bis zur Halbzeitpause sollten auf beiden Seiten acht weitere folgen. Flensburg gelang in Überzahl schnell eine 2:0-Führung, die der aber THW im Nu aufholte, der Spielstand blieb zunächst eng.

Zwei eisenharte Abwehrreihen verrichteten Schwerstarbeit, doch auch offensiv gab es in dem hochklassigen Match spektakuläre Szenen zu bestaunen.

Nach dem 10:10 (22.) drehte die SG auf: Angeführt vom bärenstarken Spielmacher Mogensen setzte Flensburg sich mit fünf Treffern in Folge auf 15:10 (29.) ab, mit vier Toren Unterschied ging es in die Pause.

Doch die Kieler antworteten nach dem Seitenwechsel im Stile eines Champions: Unter der Regie des exzellent aufgelegten Aron Palmarsson (5) gelangen in vier Minuten vier Tore in Folge und damit der erneute Ausgleich (16:16/34.).

Knudsen sieht Rot

Der THW forcierte das Konterspiel, Sigurdsson hämmerte den Ball freistehend zum 19:17 (40.) und damit zur ersten Zwei-Tore-Führung seines Teams ins Netz. Flensburgs Fehlerquote stieg, Kiel nutzte das gnadenlos aus: Erneut Sigurdsson per Gegenstoß und Kraftpaket Ahlm in Unterzahl vom Kreis schraubten den Vorsprung auf vier Tore hoch.

Als Flensburgs Michael Knudsen nach der dritten Zeitstrafe Rot sah (48.) und die SG-Torhüter immer mehr abbauten, waren die Würfel endgültig gefallen. Kiel nutzte seine Routine, die Breite der Bank und die bekannten Crunchtime-Qualitäten und distanzierte die Flensburger bis zum Schlusspfiff immer weiter.

Klar auf Meisterkurs

Am Ende gab es am verdienten Sieger keinen Zweifel.

Und da die Kieler in der Liga klar auf Meisterkurs sind und auch in der Champions League noch alle Chancen haben, scheint nun sogar eine Wiederholung des Triples der vergangenen Saison möglich.

Zuzutrauen ist diesen Kielern alles.

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