Kiels beeindruckender Pokalsieg lässt Hoffnungen auf einen erneuten Dreifach-Coup wachsen. Sigurdsson knipst fürs Familienalbum.

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Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg - Als aus der Kieler Kabine schon laute Musik und wildes Jubelgeschrei schallte, war Gudjon Valur Sigurdsson noch mit dem Objekt der Begierde im Arm auf dem Weg zur ersten Kieler Titel-Sause der Saison.

Dem Isländer, erst seit letztem Sommer in Diensten des THW, geht noch etwas die Routine ab im Trophäen sammeln, und so machte er inmitten der Hamburger O2-World Erinnerungsfotos mit dem DHB-Pokal und seinen Kindern.

"Es fühlt sich einfach super an", sagte der 33-Jährige freudestrahlend im Gespräch mit SPORT1: "Vor allem nach dem schwierigen Start war es schön, wie wir die zweite Halbzeit gespielt haben und das Spiel dann doch relativ sicher nach Hause gebracht haben."

Feuerwerk nach der Pause

Kiel hatte im Final-Klassiker des Lufthansa Final Four gegen Flensburg (Bericht) zeitweise schon mit fünf Toren in Rückstand gelegen, um nach der Pause ein Handball-Feuerwerk sondergleichen abzubrennen und so den neunten Pokaltitel an die Förde zu holen.

"Wir sind einfach immer davon überzeugt, dass wir jedes Spiel gewinnen können", erklärte Sigurdsson das mittlerweile offensichtlich grenzenlose Selbstbewusstsein des Triple-Siegers der vergangenen Saison.

Nun scheint sogar die Wiederholung des Sensationscoups, neben dem Pokal auch die Meisterschaft und die Champions League zu gewinnen, realistisch. "Die Hoffnungen leben", meinte Sigurdsson: "Doch jetzt feiern wir, und dann erst denken wir an die kommenden Aufgaben."

Jicha will feiern

Was die Wucht der Party anging, gab es allerdings unterschiedliche Vorstellungen. Während Trainer Alfred Gislason ankündigte, man könne sicher ein oder zwei Bier trinken, erklärte Filip Jicha offenherzig, dabei werde es nicht bleiben.

"Da bin ich anderer Meinung", sagte der Tscheche und erklärte mit einem Schmunzeln in Richtung Coach: "Ich hoffe, das liest er erst morgen oder übermorgen."

Das Credo des ehemaligen Welthandballers: "Wer Erfolge nicht feiert, kommt auch nicht weiter." (DATENCENTER: Der DHB-Pokal)

Hilfloser Gegner

Dass es überhaupt etwas zu feiern gab, lag an einer immensen Leistungssteigerung der Kieler nach dem Seitenwechsel: Mit einem 9:1-Lauf überrannten die "Zebras" den hilflosen Gegner und gaben die Führung fortan nicht mehr ab.

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"Wenn du auf dem Spielfeld stehst und merkst, wie du dem Gegner die Kraft raubst und sie in deine Energie verwandelst, das ist ein tolles Gefühl", sagte Jicha: "Ich habe das heute genossen wie schon lange nicht mehr."

Flensburg hadert

Auf Seiten der Flensburger haderte man natürlich mit der Schwächephase, die das Spiel entschied und der SG den dritten zweiten Platz im DHB-Pokal in Folge bescherte - immer hinter dem Erzrivalen aus Kiel.

"Wir haben extrem viele Fehler gemacht und so den THW stark gemacht", erklärte Lars Kaufmann im Gespräch mit SPORT1: "Das darf einfach nicht passieren. Das waren fünf, sechs Minuten totaler Blackout. Dann war es schwer, den THW noch zu stoppen."

Die Gefühlslage bei ihm und seinen Mannschaftskameraden, die sich nach dem furiosen Halbfinal-Krimi gegen Hamburg so viel vorgenommen hatten, bewegte sich an der Grenze zur Depression: "Wir sind natürlich total enttäuscht. Vor allem, wenn man das Spiel eigentlich im Griff hat, ist das extrem ärgerlich."

Desillusionierter Vranjes

SG-Trainer Ljubomir Vranjes wirkte reichlich desillusioniert, als er anerkennen musste: "Es ist einfach ein Unterschied auf der Bank."

Während seinen Spielern zunehmend die Puste ausging, brachte Gislason in der Schlussphase kurzerhand einen frischen Daniel Narcisse, der nach Belieben durch die gegnerischen Reihen wirbelte.

"Air France" gehört mittlerweile schon zur alten Garde beim THW und wird Kiel wie Thierry Omeyer im Sommer Richtung Heimat verlassen, Marcus Ahlm beendet seine Karriere.

Trainer dankt seinen "Alten"

Weshalb es Gislason in Hamburg vor der versammelten Handball-Presse wichtig war, eine Botschaft an den Mann zu bringen: "Ich freue mich riesig für meine Alten, die nach der Saison gehen, dass sie jetzt hier mit einem Titel aus Hamburg abreisen."

Glaubt man dem Star-Trainer, wird es für den THW in der kommenden Saison angesichts des anstehenden Umbruchs nicht mehr ohne weiteres möglich sein, Spiele wie das gegen Flensburg zu drehen.

"Es wird in Zukunft schwieriger werden, solche Finals zu erreichen", sagte der Isländer sogar: "Aber wir wollen auch mit der jungen Mannschaft alles geben."

Doch zunächst einmal soll die alte Garde ihren Dienst verrichten. Die Jagd aufs zweite Triple in Folge hat schließlich gerade erst begonnen.

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