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Daniel Narcisse vom THW Kiel ist in Frankreichs Rückraum-Mitte gesetzt © getty

Nach einhelliger Expertenmeinung kann sich der Olympiasieger bei der EM nur selbst schlagen. Sport1.de macht den Favoritencheck.

Von Julian Meißner

München ? 16 Mannschaften haben bei der Europameisterschaft 2010 ein großes Ziel: Das Finale am 31. Januar in Wien. 170038(DIASHOW: Der deutsche EM-Kader)

Doch der Weg in die österreichische Hauptstadt ist lang und schwer. Schon in der Vorrunde dürfte das eine oder andere namhafte Team auf der Strecke bleiben, zu hoch ist die Leistungsdichte beim besten Turnier der Welt.

Die Titelanwärter sind die üblichen Verdächtigen, Nationen, die seit Jahren den Welthandball beherrschen. Doch welches der Top-Teams ist am besten in Form?

Bevor das Turnier am Dienstag in Linz mit der Partie des Gastgebers gegen Titelverteidiger Dänemark startet (17.45 Uhr LIVE und im DSF), stellen wir die Medaillenkandidaten vor - der Favoritencheck von Sport1.de.

Frankreich:

Der Top-Favorit. Alle Fachleute sehen den Weltmeister und Olympiasieger an der Spitze der globalen Hierarchie.

Trainer Claude Onesta hat aus überragenden Einzelkönnern wie Welthandballer Thierry Omeyer, seinem Vorgänger Nikola Karabatic, "Air France" Daniel Narcisse oder Ciudad Reals Wirbelwind Luc Abalo in den letzten Jahren ein perfektes Team gebildet.

Die Rückkehr von Hamburgs Bertrand Gille macht die "Equipe tricolore" noch stärker. Und: Die Franzosen lassen keinen Zweifel daran, was die Zielsetzung ist.

Mit dem zweiten EM-Gewinn nach 2006 könnten sie das Triple aus allen drei großen Titeln holen - das gelang noch niemandem.

Sport1.de-Tipp: Gold. Alles andere als zumindest der Finaleinzug wäre eine Überraschung.

Kroatien:

Die unberechenbaren Ausnahmekönner. In Sachen individueller Qualität steht der Finalist von 2008 den Franzosen in nichts nach. Allerdings haben einige Stars wie Ivano Balic oder Petar Metlicic ihren Zenit überschritten.

Dafür rücken jedoch absolute Top-Leute wie Spielmacher Domagoj Duvnjak, Keeper Mirko Alilovic oder Flügelflitzer Ivan Cupic nach. Dompteur der mitunter schwierig im Zaum zu haltenden Balkan-Cracks um HSV-Star Igor Vori ist seit 2003 Lino Cervar.

Dem Pädagogen fehlt nach dem WM-Titel in seinem Antrittsjahr in Portugal und Olympia-Gold 2004 in Athen nur noch eine Trophäe: die Europameister-Schale.

Sport1.de-Tipp: Halbfinale, je nach Hauptrundenkonstellation das Endspiel. Für den Turniersieg fehlt bei einigen Leistungsträgern die totale Fokussierung.

Dänemark:

Der Titelverteidiger. Nach Platz vier bei der WM in Kroatien rumorte es mächtig bei den Dänen. Im Sommer fiel ein Lehrgang dem Prämien-Streit zwischen Spielern und Verband zum Opfer, einige Akteure drohten sogar mit dem EM-Boykott.

Beim Supercup im Herbst jedoch scheiterte das Team von Erfolgstrainer Ulrik Wilbek dann erst im Kampf um den Turniersieg an Gastgeber Deutschland.

Die Mannschaft ist über Jahre gewachsen, eingespielt, und profitiert natürlich von der Blockbildung bei der SG Flensburg.

Zu erfahrenen Weltklasseleuten wie Linksaußen Lars Christiansen, Kreisläufer Michael Knudsen oder Super-Keeper Kasper Hvidt gesellen sich jüngere Leistungsträger wie Mikkel Hansen (Barcelona).

Sport1.de-Tipp: Auch dank der vergleichsweise leichten Vorrundengruppe ist alles bis zum Finale drin.

Deutschland:

Die Turniermannschaft. Wenn es darauf ankommt sind die Deutschen da ? sagt man. Nach durchwachsener Vorbereitung muss sich das DHB-Team aber ordentlich steigern, um das Halbfinale zu erreichen.

Manko: Viel hängt von der ersten Rückraum-Reihe Kaufmann-Kraus-Glandorf ab. Schert hier einer aus, wird es dünn. Zudem fehlt eine echte Führungsfigur wie einst Markus Baur.

Ein Plus könnte dagegen der "Heimvorteil" im grenznahen Innsbruck sein.

Sport1.de-Tipp: Das Polen-Spiel weist den Weg. Die Hauptrunde muss so oder so drin sein, dann ist leider Schluss.

Polen:

Der ewige Geheimfavorit. WM-Silber 2007, EM-Fünfter 2008, WM-Bronze 2009: So langsam wäre für Bogdan Wentas Truppe der große Wurf fällig.

Die erste Sieben ist absolute Weltklasse, von der Spielmacherposition abgesehen. Nach den verletzungsbedingten Absagen von Grzegorz Tkaczyk und Damian Wleklak soll es hier nun der Berliner Bartlomiej Jaszka richten.

Nachteil: Dem Team mit dem Bomben-Rückraum um Rhein-Neckar-Löwe Karol Bielecki und den Hamburgern Lijewski-Brüder fehlt es an jungen Alternativen. Zudem ist man im Tor sehr auf einen Slawomir Szmal in Top-Form angewiesen.

Sport1.de-Tipp: Das Erreichen der Zwischenrunde sollte kein Problem sein. Für das Halbfinale müsste es jedoch schon optimal laufen.

Schweden:

Der Rekordeuropameister. Ähnlich wie Deutschland befindet sich das Team der Coaches Ola Lindgren und Staffan Olsson im Umbruch.

Nach den Rücktritten von Marcus Ahlm und Martin Boquist ist mit Kiels Kim Andersson immerhin ein wichtiger Baustein nach seiner "Baby-Pause" wieder dabei.

Großes Plus: Typisch skandinavisches Teamplay und die bärenstarke Torhüterriege um Dan Beutler.

Sport1.de-Tipp: Killer-Gruppe C fordert ihren Tribut: Aus in der Zwischenrunde.

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